WIR SCHAFFEN DAS, JESSICA!

Meine erste Serie war „Californication“. Man kann behaupten, dass „Californication“ mit Hank Moody (David Duchovny) das „Sex and the City“ für Männer ist. Ein Schriftsteller, der einen Bestseller geschrieben hat, eine Frau liebt und mit vielen anderen Frauen schläft und in Los Angeles lebt. Das begeistert natürlich. Immer am Scheitern, immer am Rauchen und Trinken und trotzdem fantastisch dabei aussehen. Der Mann hat nicht einmal Angst vor dem Finanzamt oder vor Lungenkrebs. Vor miesen Kritiken sowieso nicht. Aber so leben, auf Dauer? Nein, danke. Oder vielleicht doch? Abwarten.

Weiter ging’s mit „True Blood“. Es ging um Vampire, hetero- und homosexuelle Vampire, Teenie-Vampire, normale Menschen… WOW!

Das Beste an der Serie ist der Titelsong „Bad Things“ („But before the night is through/I wanna do bad things with you“) und die vielen gut aussehenden Vampire, die auch ganz viel untereinander miteinander schlafen. Ansonsten: Endlichkeit und Unendlichkeit, Blut, Ausgrenzung, Menschen, gute Vampire, schlechte Vampire. Alle sehen richtig heiß aus, auch die Bösen, nur die SEHR BÖSEN sehen nicht ganz so heiß aus. Dafür sind sie SEHR BÖSE und das macht sie auch schon wieder SEHR HEISS.

Nach dieser Serie war ich dann völlig verrückt nach gut aussehenden Vampiren, allen voran Jessica, die erst im Laufe der Serie zum Vampir „gebissen wurde“. Ich wollte sofort auch Vampir werden, dass sie mich zum Vampir macht, dann würden wir das zusammen durchstehen. „Wir schaffen das“, würde ich Jessica zuflüstern.

Sie und ich gegen die Vorurteile, oder so. Und man sah ja auch als Vampir noch immer wie ein Mensch aus. Nur ohne sichtlich älter zu werden, in der Nacht leben, unsterblich. Daran kann man sich doch problemlos gewöhnen, oder? Ach Jess, wo bist du nur?

Zurück in der Realität begann ich wirklich zu hoffen, dass es vielleicht doch etwas mehr gibt, als dieses langweilige Menschsein und das aber bitte ohne irgendwas mit Gott und Religion.

Ich machte mich auf die Suche. Und ich glaube, ich habe sie entdeckt, diese Vampire. Ich habe einen Verdacht, dass die KellnerInnen meiner Stammbar mich deswegen so begeistern, weil sie womöglich Vampire sind. Das würde dann auch erklären, warum die seit fünf Jahren immer gleich gut aussehen, wenn sie mich mit Flüssigem (durchsichtiges Blut) versorgen.

Auch könnte dies erklären, warum ich ihnen nur nachts begegne. Und sie so nervös werden, wenn es draußen langsam beginnt hell zu werden, ich aber immer noch weiter Getränke bestelle. Sie haben Angst vor der Sonne und wenn ich nicht möchte, dass sie durch die Sonne zu Matsch werden, sollte ich möglichst immer eine Stunde vor Sonnenaufgang schnell nach Hause (die Vampire müssen doch noch Kasse machen, putzen, und so weiter). So werde ich allerdings nie herausfinden, ob an meinem Verdacht etwas dran ist.

Ich zieh‘ mir jetzt eine neue Serie rein, um auf andere Gedanken zu kommen. Vielleicht nochmal „Narcos“, ich habe da so eine Idee für ein neues Geschäftsmodell. Gotta learn from the best.