Lyrical identity

LYRICAL IDENTITY MIC DROP

„Du darfst nichts verraten, Verrat ist Höchststrafe.“ behauptet I.*. Er selbst, er würde nie verraten, das hat er mir leise ins Ohr geflüstert. I. behauptet, dass nur Verräter verraten und Verräter mag I. gewiss nicht. Das hat die Regierung auch immer behauptet, dass Verräter ganz böse sind und böse Verräter fliehen immer nach Russland. In Russland werden die Verräter mittlerweile gezüchtet. Derweil auch vegan, gluten – und laktosefrei. Der Verrat kommt aus der Tupperdose und ist DAS Start Up schlechthin. Das mit Russland hat mir der Sandmann erzählt.

„Du weißt, was zu tun ist. Oder?“, fragt I., nicht ganz mit selbstbewusster Stimme, um sich zu versichern. I. hat Angst vor Verlust.

„Ja, weiß ich, natürlich habe ich deinen Namen übernommen.“, antworte ich.

„Zusammen sind wir ein stärkeres Ich.“, lächelt I. glücklich.

„Endlich bin ich nur noch du.“, höre ich mich…
Error. Kein Empfang.

Warum ist denn hier kein Empfang? Hallo? Oder ist es das scheiß Akkuding? Hallo? Hey? Hörst du mich noch? Hallo? Kann man mich noch hören? Was riecht hier so nach Verwesung? Wo ist dieser scheiß Bush, wenn man ihn wirklich braucht? Hallo??? Ich habe völlig die Kontrolle über mein Cockpit verloren und eine wahnsinnige Angst vor dem fetten Absturz. Ich will endlich gerettet werden. Wo sind die roten Badeanzüge? Hallo? Da ist ein Meer und ich sehe keine roten Badeanzüge. Das Intro, bitte spielt endlich das Intro ab. New York, New York, Frank Sinatra ist wieder unter uns. Der Weißwein wurde bereits kalt gestellt.

I. hat gesagt, wenn ich die Kontrolle vorne beim Vertrauensschalter abgebe, ja, dann wird alles gut. I. hat mir zwar immer First Class versprochen, aber Economy light war letztendlich einfach billiger. Womöglich ist billiger einfach einfacher. Und einfacher ist billig nur, wenn es am billigsten ist.

Das müsste ich doch verstehen, in Zeiten der unendlichen unzähligen Krisen. Die harte Schule ist die einzige wahre Schule. Komfort ist etwas für Vielflieger.

„Jetzt hab dich nicht so. So wichtig ist dein Leben nicht, Hauptsache, du bist ganz Ich.“, sagt I. völlig entspannt und endlich auch mit mehr Selbstbewusstsein.

Jetzt wird alles gut.

Ich werde endlich übernommen. Nicht einmal feindlich, nein, einfach, weil es besser für uns Beide ist, wenn ich ganz zu Dir werde, dann stehe ich auch nicht immer so im Weg. Mein suchendes Selbst, was sich eh immer schon geweigert hat, erwachsen zu werden, so stand es nämlich in einem super renommierten Hippie-Blatt, kann so genug Platz in deiner Größe finden. Ich atme auf, ich gebe meine ganze Verantwortung ab. Nicht in meiner Macht mehr. Der Schmerz hört auf. Die Verkrampfung lässt nach. Der Frieden tritt ein. Die Verwirrung schenkt mir Sicherheit.

Die Augen weit aufgerissen und es klingelt auch kein Wecker.

*Irgendjemand