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CHAOS UND ORDNUNG

Ein Text über den bildenden Künstler Gilles Pegel.

Error, try again. Username in use. Limited capacity. Please contact your admin. Command: failed. Status: 5.2.2. Wenn Kunst zum Nachdenken anregen soll, wenn sie hinterfragen soll, dann macht Gilles Pegel Kunst. Dieser Satz – die durchschnittliche Katalogfloskel für den beliebigen Kunstliebhaber – wird Pegel aber lange nicht gerecht. Gilles Pegel beschäftigt sich mit den kleinen Errors des Alltags, oder besser: Die kleinen Errors des Alltags beschäftigen ihn. Die gewöhnlichen Eingebungen aus Weltraum und Welt, Erde und Himmel, Stein und Internet, belanglosen Wichtigkeiten und wichtigen Bedeutungslosigkeiten. Real, virtuell, gezeichnet, gemeißelt, gefunden und weiterentwickelt, mit einem Augenzwinkern an der Realität vorbei, nie ohne Witz, mit Kabel oder ohne. Immer mit Tiefe, dennoch ohne bemühten Anspruch, nie zynisch, nie bösartig, hoffnungsvoll, mit einem Schuss überlebenswichtigem Pessimismus – depressive realism. Welcome.

Abhauen oder bleiben, Sicherheit oder Risiko. Sehr deutlich wird das in seinem Projekt gndctrl, das mit sehr simplen Mitteln wie Kabel und Steckdose die innere Zerrissenheit des Menschen darstellt. Ein jeder möchte hochhinaus, man denke an Ikarus, aber wie hoch kann man fliegen, ohne sich zu verbrennen, ohne alles zu verlieren? Should I stay or should I go? Der Stromschlag, die Destruktion, das ewige Damoklesschwert über Allen, die alles, mehr, zu viel oder alles zusammen wollten, mit dem Wissen möglicherweise kläglich zu scheitern. Rien ne va plus. Alles oder nichts, dazwischen die Erdung. Die Erdung erst schafft den notwendigen Kontext für ein sicheres, einfaches Leben, in dem es vermutlich gelingt, nicht alles zu verlieren, aber gleichzeitig schwinden rasant die Chancen auf das ganz Große.

Sein Schaffen ist das Resultat des Dauer-Inputs einer Ära, die mit ihren Reizüberflutungen nicht spart. Folglich ist Gilles Pegels Werk der daraus resultierende zeitgenössische Output, welcher versucht, Chaos in Form zu bringen und dadurch das Chaos zur Ordnung förmlich zwingt. Aus vielen kleinen Elementen ein Großes schaffen, ein Gesamtes erörtern und in ein Ganzes umsetzen. In seiner Umsetzung allerdings nicht fehlerfrei, die Ausführung nie ohne Makel.

Diese Unabwendbarkeit der Perversion wird offensichtlich in der immer wiederkehrenden Gestalt der Spirale (Helix), wie zum Beispiel in On the movements and habits, ein Skulpturentwurf für ein Gymnasium in Luxemburg. Keine Schulkarriere ohne Knick, selten ein Schulabschluss ohne Ehrenrunde, die angestrebte schulische Musterkarriere ist in der Theorie zwar möglich, in ihrer Gesamtheit aber kaum ohne Umwege und Hindernisse erreichbar. Auch in anderen Arbeiten taucht die Spirale (Helix) als durchgängiges Motiv auf und spielt dem vorhin angesprochenen Error auf subtile Art und Weise zu.

Ein positiver Pessimismus zieht sich wie ein schwarzer Faden durch das Werk von Gilles Pegel, wortwörtlich in untitled (gift) zu erkennen. Wir sehen ein Objekt, das stark an eine Kristallkugel erinnert, nur völlig in schwarz und somit als wenig wahrsagend zu begreifen. Oder doch? Ölschwarz – die neue Zukunft! Pechschwarz also? Wer hier den schwarzen Peter etwas zu sehr an die Wand gemalt sieht, wird sein Glück sicherlich in die finden, in dem jede Würfelseite sechs Punkte trägt. Endlich ein Glücksspiel, das auch Spaß macht. Endlich ein Künstler, der das Glück sucht, nicht die Lust an der Hoffnungslosigkeit, der die Einheit sucht, nicht die Destruktion. Pegel sucht Sicherheit ohne Effekthascherei und es gelingt erschreckend gut, cool. Sicherheit und Coolness, an sich so gegensätzlich wie Wasser und Feuer, verschmelzen zu einer stilsicheren Einheit mit tragi-komischen Ansätzen.

Bestehendes aufgreifen, aus dem Kontext reißen, abstrahieren und neu auflegen. Die Arbeit orbital economics zeigt uns sehr eindrucksvoll, dass manchmal ein bisschen Asphalt genügt, damit wir uns dem Weltraum ein Stück näher fühlen. So auch bei Pegel’s Zeichnung 1:247031378 (celestial body) mit Graphit auf Papier. Wo ist unser Platz? Was wissen wir? Es ist einfach, sich zu verlieren, das weiß auch Pegel, besonders in Anbetracht der Größe, Achtung: Dramatik, des Universums. Das Muster innerhalb des runden (Himmels)Körpers ist zufällig zusammengesetzt, mysteriös, strukturiert und chaotisch, verlässlich und angsteinflößend. Nur, auf den ersten Blick, verlässlicher und strukturierter wirkt Gilles Pegel’s the cue, the behavior, and the reward, das sich sehr am von Honigbienen konstruierten Wabengebilde orientiert. Doch alles hat seine Fehlermeldung und Kehrseite. Wir begegnen einer alten Bekannten: Die Spirale und sie ist einmal mehr nicht perfekt. Struktur, aber auch Chaos. Himmelhoch jauchzend und auch immer wieder zu Tode betrübt. Feste Muster und immer wiederkehrende Fehler im System. Nichts ist sicher, nicht einmal die Ausdrucksformen, derer sich der Künstler bedient. Gilles Pegel legt sich nicht fest, ob er nun Maler, Konzeptkünstler, Medienkünstler, Zeichner oder Bildhauer ist.

Wir werden mit auf einen Trip genommen, der uns einlädt zu hinterfragen, die herumfliegenden Informationsfetzen aufzunehmen und sie in Wissen umzuwandeln. Stichwort: Knowledge. Wie vermitteln wir was weiter und an wen und wo speichern wir es? Und warum vertrauen wir irgendwelchen gespeicherten Dateien? WHAT YOU SEE IS NOT WHAT YOU GET – lssh.png, ein Kunstwerk aus dem Bereich der neuen Medien. Nichts ist beständig, nichts ist wie es scheint. Wenn doch alles ein bisschen sicherer wäre, ein bisschen weniger Radau, einfach einfacher. Womöglich eine Vorstellung von Leben, mit welcher Pegel öfters gerne ein wenig flirtet. Gut, dass es ein Flirt bleibt, sonst wäre weder Kunst noch Pegel. Wir danken dem Chaos und spielen weiter, next level. Game on.