SAGSPIEL

Sagspiel

Was mir nicht alles schon nachgesagt wurde, was ich nicht einmal sagte. Da bin ich ganz froh, dass ich meistens nichts dazu sage, sonst käme zum „Nichtgesagten“ auch noch „Tatsächlichschongesagtes“ und „Nochdazugesagtes“ hinzu, dann wüsste man ja gar nicht mehr, was ich, wer was nicht, wer was gesagt hat. Da sag ich lieber nichts, da weiß ich immerhin, was ich gesagt habe. Sollen die Anderen doch sagen.

Das sagt so viel aus, sage ich dir, wenn Du nichts dazu sagst, was Menschen über dich oder sonst so sagen, hörte ich Mensch zu mir sagen. Andere Menschen sagten, dass ich was dazu sagen soll. Ich sage, ja, was sagen? Ich hörte sagen, dass sie sagten, dass ich sagte, ich sei ein Rebell, unentbehrlich, stilsicherer Zeitgenosse. Da könnte ich viel dazu sagen, wie etwa, dass ich nie Ähnliches sagte, aber lass die Leute sagen, so oder so ähnlich sagten die Ärzte, die Musiker, nicht die Mediziner, im Radio. Die Kunst der Sagendichtung.

Das habe ich aber jetzt schön gesagt, ein Sagspiel, kein Sagenspiel. Auch kein Sargspiel. Oh, ist das ein Spada-Wortspiel? Immer diese inhaltlosen Sagspiele. Meine Sagspiele, von Kritikern auch gerne als „Tourette-Poesie“ angesagt. Auf Kosten von nervlichen Erkrankungen lässt es sich doch immer noch am besten über Spadagesagtes lachen, äh, kritisieren.

Immer diese Kritik-Spastis, ey, gut, dass ich sowas nie sagen würde, nicht umsonst, das sage ich auch sehr gerne, sag ich, was ich zu sagen habe anHAND (Hand – oder Sagspiel?) meines Mittelfingers. Dass er das gesagt hat, unverschämt!

„Trink!“, sag ich, dann sagst Du wenigstens nichts.

Was habe ich zu sagen? Das wäre die übergeordnete Frage und auf diese Frage folgen immer noch viel mehr Fragen, die oft zu Zweifel werden, aber wen interessieren schon die Zweifel, die Ängste, wenn man ständig irgendwas DAZU sagen soll-muss. Ich muss doch auch mal nichts sagen. In amerikanischen Filmen hat man das Recht zu schweigen und das auch noch gesetzlich festgeschrieben, Polizei, Dein Freund und Helfer. Was für ein Glück, nichts sagen zu dürfen, wenn man gewohnt ist, zu allem was sagen zu müssen.

Das große Schweigen ist das bessere Yoga. Sozusagen hat das Schweigen das Sagen über alles, was nicht gesagt werden muss, das darf man doch wohl noch sagen. Was sagst Du?