Warten

WARTEN WARTEN WARTEN

ICH HASSE WARTEN! Wirklich, ich hasse es so sehr. Aber ich habe mich damit abgefunden, dass Warten mindestens 20 Prozent meiner gesamten Lebenszeit ausmacht, ausmachen wird.

Das kleine Warten: Warten auf die Gage, und weil dieser Mensch, der „Überweiser“, leider im Urlaub ist, und das für die nächsten acht Wochen, muss ich noch länger warten. Dafür darf man sich dann „freischaffender Künstler“ nennen.

Am Filmset wartet man auf seinen Einsatz, weil aber die Kamera einen Defekt hat, wartet man noch ein bisschen länger auf seinen Einsatz. Warten im Warteraum beim Arzt. Wie schrecklich das ist, einen Raum zu „bauen“, der nur fürs Warten gedacht ist. Krankes Warten auf die hoffentlich wieder zu erwartende Gesundheit.

Schlimmer, noch herausfordernder, das große Warten: Warten auf das neue, heiße Angebot, was einen endlich noch ein Stück bekannter, berühmter, renommierter macht, aber da es zur Zeit genug Bekannte, Berühmte, Renommierte gibt, muss ich noch ein bisschen warten, bis ich an der Reihe bin. Bis ich endlich auch fame bin! Nicht so luxemburg-deutsch-fame, mehr so welt-fame. Aber auch nicht so welt-fame wie Kardashian oder Erdogan, mehr so wie ein kleines wildes Katzenbaby. Süß, aber auch wild!

Ja, ich habe alle möglichen Fameweichen bereits gelegt. Ich lerne jeden Tag dazu, bin viel auf Facebook unterwegs und trinke unglaublich gerne Milch. Und wie ein sehr renommierter und ernstzunehmender Journalist der luxemburgischen Wochenzeitung „Woxx“ mal meinte, bin ich zudem ein „begnadeter Selbstdarsteller“. Und das sind Katzenbabys doch auch: Selbstdarsteller, Milchtrinker, Facebook-affin und lernfähig. Voraussetzungen erfüllt.

Ich muss also wirklich „nur“ noch warten (!!!), bis ich endlich und verdienterweise (bloß keine falsche Bescheidenheit beim Warten) entdeckt und fame werde. Und wenn ich dann welt-fame bin, werde ich die Welt vorm neugewählten Präsidenten Donald Trump retten, ein Multikulti-Zentrum vor jeden einzelnen Hauseingang eines jeden rechtspopulistischen Politikers bauen und die Zeit abschaffen. Keine Zeit, kein Warten! Wenn es denn wird.

Wird es was?

Man weiß nicht, ob sich das Warten lohnt. Würde ich jetzt schon wissen, dass sich das große Warten nicht lohnt, dann würde ich noch mehr schlafen, noch mehr Serien auf Netflix glotzen und einen Club gründen für alle anderen Wartenden, damit ich nicht so alleine warten muss.