ALLES MUSS RAUS

Alles muss raus

Ich will nichts mehr haben, nur noch ein Bankkonto mit ganz viel Geld, SEHR VIEL GELD, einen Laptop, um Texte wie diese zu schreiben, ein Handy, um mit meiner Agentin die vielen, SEHR VIELEN Aufträge zu besprechen, ein Sakko, zwei Jeanshosen, die ich nie wasche, weil man wäscht seine Jeans NIE, zehn T-Shirts, davon fünf mit V-Ausschnitt, zehn Boxershorts (nie eng – der Baumeleffekt macht so viel Spaß), drei Hoodies, einen möglichst dünnen, aber sehr warmen Wintermantel und eine schicke Ledertasche, um alles reinzuschmeißen.
Badehose brauche ich nicht, Badehose und Bikini sind die sinnlosesten Kleidungskonzepte überhaupt. Man schwimmt nackt oder man schwimmt nicht.

Ich werde meine Wohnung auflösen. Ich will alle Flyer, Postkarten, Sticker, Schnipsel, Vasen, Tassen, Teller, Gläser, Weingläser, Schnapsgläser, Löffel, Messer, Gabeln, Zettel, Notizhefte, Bettdecken, Bettlaken, Zeitschriften, Magazine, Bücher, CDs, Vinylplatten, Radios, Schränke, Regale, Lampen, Glühbirnen und den Fernseher und den Plattenspieler und die Waschmaschine und die Spülmaschine und den hässlichen Wasserkocher und das Sofa verkaufen, wegschmeißen, verschenken, Hauptsache weg. Geht weg, ich will euch eigentlich überhaupt nicht.
Das war die Gesellschaft, nicht ich!

Alle Verträge, Unterlagen für die Steuer, Sozialversicherungsbescheide oder wie man das Zeug nennt, es wird eingescannt, gespeichert, auf meinem Laptop, gebackupt in der CLOUD, ja, ich weiß, die CLOUD ist böse und klaut alle meine Daten, aber immerhin nimmt sie keinen Platz. Und sie ist nicht hässlich, weil unsichtbar. Was Ordner, irgendwelche Bescheide und Wasserkocher (!) nun wirklich nicht von sich behaupten können.

Und dann werde ich nur noch in Hotels leben, und wenn es mir in Hotel A nicht mehr gefällt, ziehe ich ins Hotel B. Ist es in Berlin zu kalt, ab nach Lissabon. Wohnsitz: Überall. Take that, Finanzamt!

Und hier sitze ich nun, neben meiner Waschmaschine. Ich schau sie an. Sie sagt nichts. Time to say goodbye.