SCHNELL NOCH EIN HOBBY

Ich brauche ein Hobby. Welches Hobby hast Du?
Früher, in der Grundschule, als man noch in die Poesiealben schrieb, die durch die ganze Klasse gingen, hatte man doch auch immer sehr viele Hobbys. Blockflöte spielen, Kinderchor, Karate, Fußball mit Freunden, Äpfel pflücken, mit Opa Kartoffeln aus dem Boden ziehen und/oder mit den Freunden draußen spielen. Das waren festverankerte „Institutionen“ des Alltags.

Schreiben war nie ein Hobby. Schauspielerei auch nicht. Das war irgendwie immer ein Teil von mir und nicht etwas, was ich nebenbei machen möchte. Entweder ganz oder gar nicht. Deswegen find ich es auch immer ein wenig eigenartig, wenn ein Zahnarzt oder eine Krankenschwester nebenbei „auch noch irgendwas mit Kunst oder Kultur“ macht. Wie soll etwas, was so viel Kraft kostet, ein Hobby sein? Das meine ich ganz ohne Wertung. Soll jeder machen, wie er denkt. Ich möchte hiermit ausdrücklich nicht irgendeine Debatte über die Professionalisie- rung der verschiedenen Kultur- und Kunstberufe lostreten. Aber? Ruhe!

Zurück zum Hobby. Lesen? Lesen ist wirklich kein Hobby für mich, ich finde das anstrengend. Literatur lesen. Ich verschlinge, beziehungsweise habe zwar die Bücher und Werke von Houellebecq, Nesbø, Fauser, Kästner, Shakespeare, Frisch, Stuckrad-Barre oder Bukowski verschlungen, aber ich empfinde Lesen als „harte Arbeit“. Deswegen lese ich auch nicht SO viel.

Ich kann beim Lesen nicht innerlich abschalten, und auf Tankstellenromane habe ich keinen Bock. Und Hobby soll doch irgendwas sein, womit man seine Zeit rumkriegt, was einen irgendwie unterhält und nicht zu ernst genommen werden darf. Ist das die Definition von Hobby?

In die Sauna gehen. Ist das jetzt ein Hobby? Für mich zählt das ganz klar zu Sport, immerhin schwitzt man. Früher war Sport ein Hobby, aber ab 30 ist Sport harte Arbeit, ein Kampf gegen den Sensenmann, um ihm klar zu machen: Sweetheart, noch nicht! Ich brauche noch ein bisschen. SPORT KANN NIE EIN HOBBY SEIN!

Trinken gehen und sich dabei (bestenfalls) mit seinen Freunden oder irgendwelchen Stammgästen unterhalten, wäre fast eine Option. Man kriegt auch seine Zeit rum und spätestens nach dem dritten Bier oder Gin Tonic oder Rotwein kann man weder sich noch die Freunde mehr ernst nehmen, aber wenn ich heutzutage „trinken gehen“ in ein „erwachsenes Poesiealbum“ schreiben würde, wirkt das ziemlich erbärmlich. Alkohol ist ungesund, merk Dir das!

Mehr kiffen? Yoga? Wie einst ein Kritiker der luxemburgischen, sich selbsternannten ANDEREN Wochenzeitung mir riet, ist auch keine Option, wenn ich mir den Kritiker so ansehe. Ist mir einfach zu anders. Weil anders einfach zu einfach ist.

Der Keyboarder „Flake“ von Rammstein wandert unglaublich gerne, wie er in seinem Hörspiel „Der Tastenficker“ erzählt, und vielleicht wäre das doch genau das Richtige. Wandern gehen ist ja quasi wie spazieren gehen, aber mit viel schönerer Landschaft. Vielleicht hat Wandern wirklich Potenzial, zum Hobby zu werden.

Wer will mit mir wandern gehen?