© LCM Fotostudio Richard Schuster

WIEN UND KEIN WORTSPIEL MIT FALCO (VERSPROCHEN!)

Wien ist ein wunderschönes Märchen, nur völlig ohne Moral. Ich weiß nicht genau, warum ich Letzteres geschrieben habe, aber es wird schon stimmen.

Ich war vor zehn Jahren (ok vielleicht auch ein paar Jahre mehr), im Rahmen eines Schulausflugs, in Wien. In Begleitung unserer Kunstlehrerin und meiner überehrgeizigen Französischlehrerin. Ihr Ehrgeiz verfolgt mich bis heute. Das Einzige, was sie mir (ungewollt) wirklich beibrachte, war und ist, dass Ehrgeiz nicht zwingend eine positive Eigenschaft ist. Nie wirklich war. Ehrgeiz ist die Intelligenz des kleinen Menschen.

Einerseits konnte Frau Lehrerin nicht still stehen, wenn sie versuchte ihren gelangweilten Zuschauern die französische Literatur näher zu bringen. Sie wackelte in alle Richtungen, weil ihr dieses Fach doch SO am Herzen lag. Die Anti-Haltung ihr gegenüber war also von Anfang an unvermeidbar. Sie hat mir sozusagen die französische Sprache etwas versaut.

Aber dank Houellebecq freundete ich mich erneut mit der Sprache und der nicht-schulischen französischen Literatur ein wenig an. Das erste Buch, was ich von ihm gelesen habe, war „Extension du domaine de la lutte“ und hat mich ziemlich runter gezogen. Und begeisterte mich gleichzeitig. Ja, es kann gut sein, auch wenn es weh tut.

Ich drifte ab. Zurück zur Schule. Zurück zu IHR.

Wirklich jagen konnte man mich mit ihrer Bewunderung für Marcel Proust. Die Sensation rund um die „Madeleine“ war für mich alles, was Literatur nicht sein sollte: Literatur wie geschaffen für selbsternannte Intellektuelle, die nach ihrer Doktorarbeit gezwungen sind für eine regionale Tageszeitung zu schreiben, weil die Welt „einfach noch nicht schlau genug für ihre Vision“ ist, und alles verreißen, was nicht ihrer Vorstellung von Wahrheit entspricht, sprich: Verkopfter Dünnpfiff.

Lange Rede, kurzer Sinn (was für ein blöder Spruch): Mit Wien verbinde ich tatsächlich meine Französischlehrerin, Schule und „bitte keinen Alkohol mit aufs Zimmer nehmen“ und „Mädchen und Jungs getrennt, auch nach Mitternacht, ALSO BESONDERS NACH MITTERNACHT“. Das muss und wird sich nächste Woche ändern.

Ich fliege am 7. November 2017 nach Wien und werde dort drei Auftritte haben:

  • Ich werde im Rahmen eines Poetry Slams auftreten, was ich nur noch sehr selten mache. Eingeladen hat die BUCH WIEN zum internationalen deutschsprachigen Poetry Slam.  8. November 2017 um 20.30 Uhr. Weitere Informationen findest du auf der Webseite der BUCH WIEN.
  • Dann, auf der großen Bühne der BUCH WIEN, der ORF-Bühne, werde ich ein dreißigminütiges Programm präsentieren. Von 12:00 – 12:30 Uhr. 11. November 2017.
  • Und dann freue ich mich ganz besonders über die Einladung in die kultige Buchhandlung phil (Gumpendorfer Straße 10 – 12  1060 Wien). Dort werde ich zusammen mit Marc Muehlenbach und Fabian Faltin lesen und Musik machen. Freier Eintritt. Beginn um 19:00 Uhr am 11. November 2017.

Die zwei Veranstaltungen nochmal übersichtlich auf der Webseite von BUCH WIEN.

Dass ich nun in Wien lese und auftrete und meine fiese Französischlehrerin immer prophezeite, dass ich nie „irgendwas mit Sprache“ machen werde, macht das Ganze natürlich noch etwas schöner.

Liebe / Luc Spada

Beitragsbild © LCM Fotostudio Richard Schuster