#LIFEGOAL #SUCCESSSTORY

Das Wochenende ist vorbei. Sie frühstückt einen #powerfood Müsliriegel, macht ein Foto von ihrem Müsliriegel, wie letzterer in ihrem Mund steckt und schaut dabei etwas verrucht, weil sie hat gesehen, dass ihre Instagram-Freundinnen unter 40 immer verrucht gucken, wenn sie Selfies machen. Nicht billig, sondern vielmehr so „I know you want me, but I don’t need anyone.“ #selfconfidence

Und #uploaded es mit Filter auf Instagram. Facebook hat sie nicht, zu #mainstream. Sie verlässt die Wohnung. 2 Likes. Nimmt die Tram, 3 Likes, um rechtzeitig um 9.00 im Büro zu sein. 4 Likes. Ein Start-Up. 5 Likes. Äpfel stehen umsonst in der Küche bereit, weil Start-Ups sich um ihre Arbeitnehmer kümmern. Gesunde Ernährung ist wichtig und die soll es umsonst für jeden geben. 6 Likes. Den Apfel isst sie aber erst um 10.00, weil sie jetzt gleich ein Skype-Meeting hat. Nicht, dass wieder Apfelstückchen zwischen ihren Zähnen stecken bleiben. #awkward

Bevor sie sich auf ihr Skype-Meeting mit ihrer Chefin, die eine Etage höher ihr Büro hat, vorbereitet, löscht sie das Müsliriegel-Im-Mund-Mit-Filter-Foto, weil es nicht danach aussieht, dass es ein großer „Like-Erfolg“ wird. Und vielleicht doch einfach zu billig.

Also wühlt sie in ihrer Fotogalerie und findet ein Foto, als sie in Bali – oh mein Gott, ist das schon 20 Monate her? – war. Oh my god, I love travelling. Summer, where are you?

#travel #liveauthentic #travelgram #startuplife #loveseasun #wanderlust #explore #exploreeverything # oneworld #potd #throwback

Und #upload, zweiter Versuch!

„Düdüdüm, düdüdüm, düdüdüm“, annehmen, das Skype-Meeting kann beginnen. Chefin ist zwar sehr zufrieden mit ihrem Werbeslogan und mit ihrer Entwicklung „in general“, wie sie sich so eingearbeitet hat, im Unternehmen, ABER es bräuchte noch etwas mehr #streetcredibility, weil sie muss verstehen, dass das Start-Up mehr für #sexy steht. Und #street ist nun mal #sexy, aber nicht nur #sexy, sondern auch #smart. Auf keinen Fall #doofsexy. So #authentic halt. Das Start-Up hat und strebt weiter eine „attraktive, junge, auch junggebliebene Zielgruppe“ an. Letztere ist überall erreichbar, aber lässt sich ihre #worklifebalance nicht nehmen. Sie verdient gut, völlig klar, will #familie und #hund, natürlich #ehefüralle, aber nicht #boring. Auch nicht #hippie, auf keinen Fall #hippie. In diese Richtung sollte sie sich mal etwas überlegen. Ja? Ok! Danke.

„Wouuhup!“, aufgelegt. Instagram. 65 Likes! Geht doch. Zwei Kommentare. Smiley mit jeweils einem Herz, dort, wo normalerweise das Auge ist. Und Lana schreibt, dass das traumhaft ausschaut. Der Hintergrund, aber auch sie. Versauter Smiley. 66 Likes, yes!

Es wird Zeit für den Apfel, eine Tasse Yogi-Tee, und heute vielleicht einmal wild sein und gleich nach dem Apfel eine selbstgedrehte Zigarette? Pro Zigarette zehn Minuten Lebenszeit weniger, blöd, ok, aber bei der Menge an Äpfeln, die sie bisher gegessen hat, müsste das „am Ende“ doch irgendwie aufgehen. Ok, #compromise, Kippe erst nach dem Mittagessen mit dem CEO des neuen Food-Lieferanten im benachbarten Open-Office-Space. Und vorsichtshalber Chia-Samen-Pudding als Dessert, um auf Nummer sicher zu gehen. 69 Likes! Wuhu! 70! Fett! Und nach der Arbeit ein kleines After-Work-Yoga, weil #youronlylimitisyou.