LOW EXPECATIONS

Weihnachten vorbei. Schön, dass Ihr alle das bekommen habt, was Ihr nicht wolltet.

Falls doch, Ihr Glücklichen! Dann kann’s jetzt weitergehen. In fünf Tagen schreiben wir das Jahr 2018 und das bedeutet, dass in vier Tagen noch 2017 ist.

Danach ist es vorbei, dieses Jahr, für immer, es kommt nicht mehr zurück. Das ist gut, falls Du kein besonders gutes Jahr hattest. Auch ist es ganz schön praktisch, alles Scheitern der letzten zwölf Monate einfach auf das gesamte letzte, noch dieses, Jahr zu schieben. Somit muss man sich nicht selbst mit den Gründen für ein miserables Jahr 2017 beschäftigen.

Übrig bleibt Platz für Hoffnung, denn ab sofort „kann es ja nur noch besser werden“. Wenn es aber ein super Jahr war, bleibt zu hoffen, dass es nicht schlechter – vielleicht sogar noch besser – wird.

Irgendein Philosoph, dessen Lebensratschläge die letzten Tage öfters von meinen Sinn suchenden Friends in den sozialen Medien geteilt wurde, prophezeit Unglück, wenn das Individuum nach Glück strebt.

Wer also eine Vision von Glück hegt, auf dem Weg dorthin, was auch immer das heißen mag, immer wieder auf die Schnauze fällt, also gutes Jahr – schlechtes Jahr abwechselnd, kann nur enttäuscht werden vom Leben, das Glück nie finden. Weiter habe ich mich nicht mit dem Philosophen beschäftigt. Schaut mal bei Facebook nach. Der Philosoph trägt selbstverständlich auch Bart, aber sein Name ist mir entfallen.

Strebst Du nach Glück? „Ich bin ja eher so einer“, der versucht, so gut es möglich ist, das Unglück zu umgehen. Das hilft mir, mich nicht mit allzu großen Erwartungen – an mich selbst und an mein Umfeld – verrückt zu machen, aber lässt immer noch genug (Spiel)Raum für Überraschungen und verschiedenste Freuden, falls das Glück sich manchmal dazu durchringt, mich aufzusuchen und tatsächlich auch zu finden.

Irgendeine nicht mehr so junge Frau behauptete an einer Bushaltestelle, dass sie sich verarscht fühlt, weil irgendein Päckchen, das sie ihren Enkeln geschickt hat, nicht rechtzeitig angekommen ist. Jedes Jahr das Gleiche, denn ihre Päckchen kommen seit 2013 nie rechtzeitig an. Warum kann sie nicht ein einziges Mal Glück haben? Mehr will sie doch gar nicht.

Das Problem liegt auf der Hand. Sie fordert das Glück etwas zu sehr heraus, denn obwohl die Erfahrung ihr gezeigt hat, dass ihre Päckchen nie rechtzeitig bei ihren Enkeln ankommen, versucht sie sich an keiner Alternative, etwa die Dinger früher losschicken oder selbst hinzubringen. Ob der Philosoph das meinte?

Ich hoffe Du, meine liebe Leserin, mein lieber Leser, wirst so wenig unglücklich, wie eben nur möglich, auch im nächsten Jahr und viele Jahre danach und bleibst mir ein wenig treu. Wenn Du es nicht tust, auch kein Problem. Ich erwarte nichts. Lass es Dir gut gehen.

Zuerst erschienen am 27. Dezember 2017, Lëtzebuerger Journal