ÜBER DAS PERFEKTE ENDE

Jeder will ein fröhliches Ende, ein Happy End, eins also, das seinen Erwartungen, und die sind meistens so, dass sie nicht vom Schlechtesten ausgehen, entspricht. So wundert es einen kaum, dass am Ende der öffentlich-rechtlichen Filme oder Unterhaltungsshows der oder die schwer kranke, eigentlich unheilbare, PatientIn überlebt, der oder die KandidatIn zumindest die Show mit einem Trostpreis verlässt oder geheiratet wird. Ach und wenn der oder die PatientIn doch stirbt, wird irgendwo anders ein Baby geboren. Das wäre dann sozusagen ein gewagtes Finale.

Wo man dem Zuschauer quasi mit auf den Weg gibt, ja, dass auch Du sterben wirst, aber irgendwo anders wieder neues Leben geboren wird, SEI NICHT SO TRAURIG, und weil das alles sehr wichtig ist, die AUSSAGE, wirken soll, dudelt leise im Hintergrund CIRCLE OF LIFE von Elton John.

Apropos Ende, Elton John hört auf, denn er hat mit über siebzig erkannt, dass es im Leben Wichtigeres als Welttourneen gibt und will jetzt noch eine machen, um sich anschließend voll und ganz seiner Familie zu widmen. Denn, was doch so viele unter diesen MusikerInnen und SchauspielerInnen nicht einsehen möchten, ist, dass man dann aufhören soll, wenn es am schönsten ist und nicht dann, wenn der Infusionsbeutel auf der Bühne zum unvermeidbaren Begleiter wird. Was die Rolling Stones dazu sagen, weiß ich leider nicht.

Letzten Donnerstag war ich auch am Ende, meines Romans, und wie das oft so ist, endet es ganz woanders, als man anfangs dachte. Es soll ja Leute geben, die von Anfang an genau wissen, wo die Reise hingehen soll. Nicht nur die Leute, die Romane schreiben, auch die anderen. Die machen einen genauen Plan.

So mit spätestens achtzehn nehmen sie sich vor, dass sie fünf Jahre studieren werden. Im Studium-Package mit eingeschlossen: einmal sich von Alkohol übergeben und einmal am Joint ziehen, drei One-Night-Stands, um später, wenn sie alt sind, erzählen zu können, wie wild sie FRÜHER SO drauf waren, zwei feste Beziehungen, wohlwissend, dass sie die beenden wollen, aber so hat man das auch mal erlebt: Liebeskummer, bevor sie anschließend, nachdem letzteres Package LEER ist, endlich den oder die PartnerIn finden, der oder die fürs Leben, Antrag und die Kinder herhalten muss.

Auch wichtig: Nichtraucher sein, bevor die drei vor der null steht, um diesen Problemen rechtzeitig aus dem Weg zu gehen, vor denen in so großer Schrift auf den Zigarettenschachteln gewarnt wird. Ich kenne derzeit Leute, die auf dem besten Weg dorthin sind, und wenn sie angekommen sind, werden sie müde sein.

Ein gutes Ende ist ja auch kein Zuckerschlecken.

Zuerst erschienen am 30. Januar 2018, Lëtzebuerger Journal