DIALOG INS NICHTS

„Das Geld ist noch nicht angekommen? Komisch. Wir haben es eigentlich schon vor einem Monat überwiesen. Komisch, wirklich komisch“, höre ich die Stimme auf der anderen Seite der Telefonleitung.

„Ja wirklich? Wirklich komisch. Langsam dieses Online-Banking“, höre ich mich sagen, was ich soeben sagte.

Ich schaue der LED-Leuchte über dem Fernseher zu, wie sie abwechselnd rot, gelb, anderes gelb, grün, hellblau, dunkelblau, pink und orange leuchtet und frage mich, ob sie nicht mehr Sinn machen würde, wenn sie unterhalb des Fernsehers angebracht werden würde, wenn sie denn überhaupt gekauft wurde, um das Fernsehbild zu optimieren.

„Sind Sie noch dran?“, höre ich die Buchhalterin sagen.

Oder wie auch immer diese Leute genannt werden, die man erreichen muss, wenn der Auftraggeber vor drei Monaten eine Rechnung vom Auftragnehmer (ich) gestellt bekam, die er bis heute noch nicht beglichen hat.

„Ja, ich bin noch dran.“, antwortet der Auftragnehmer, der in den folgenden Seiten des entsprechenden Vertrags „Künstler“ genannt wurde.

Ich schaue den Schneeflocken zu, wie sie vom Himmel hinunterfallen, ohne dass ich aber den Himmel selbst sehen kann. Ich nehme aber an, dass sie von dort oben gefallen kommen, denn sonst könnten sie unmöglich hier unten landen.

„Was meinen Sie denn?“, fragt Frau Wieauchimmer.

„Ich meine nichts, außer, dass es Zeit wird, dass die Firma, die Sie zahlt, um meine Gage zu überweisen, mir meine Gage überweist“, antworte ich.

„Es tut mir leid, aber das Geld muss angekommen sein. Vielleicht liegt es an der IBAN?“, gibt Frau W. mir zu bedenken, wie sie es mir vor einem Monat bereits zu bedenken gab.

Der kleine Pudel neben mir fängt an zu zittern, obwohl er doch so einen schwarzen „Pulli“ von seiner Besitzerin, meiner Mama, übergezogen bekam. Schließlich ist Winter. Ich streichle den Pudel. Er knurrt mich an. Ich hör auf, ihn zu streicheln. Vielleicht steckt der Teufel in ihm. Undankbare Töle.

„Können Sie nicht einfach zugeben, dass Sie es zum dritten Mal vergessen haben. Versprechen Sie mir lediglich, dass Sie das Geld heute wirklich überweisen. Das mit der IBAN hatten wir schon vor einem Monat. Die stimmt. Lügen Sie doch nicht immer. Das ist mir zu anstrengend. Ich habe meine Arbeit gemacht. Sie zahlen. Fertig!“, versuche ich streng, aber mit freundlichem Unterton, der mir als zickig durchrutscht, anzusagen.

„Also hören Sie mal…“, versucht sie mich zu rügen.

Sie weiß, dass sie lügt und weiß, dass ich es weiß, und das ist ihr peinlich. Mir ist es egal. Ich muss ja auch meine Miete zahlen und habe Erfahrung im Geld eintreiben. Ich könnte Geldeintreiber werden. Ich unterbreche sie.

„Ich habe keine Lust, zu diskutieren. Kümmern Sie sich darum“, antworte ich und lege auf.

Der Hund knurrt schon wieder. Dieses Mal habe ich aber wirklich gar nichts gemacht. Es vergehen drei Minuten und eine E-Mail trifft ein. Es ist Frau W., die sich über meinen Ton beschwert und mitteilt, dass das Geld nun unterwegs ist, mit angehängtem PDF-Auszug als BEWEIS. Sie wünscht mir „Einen wirklich schönen Tag noch“.

„Habe ich doch gesagt, dass Sie lügen.“, schreibe ich nicht.

„Geht doch“, auch nicht.

Danke. Liebe Grüße, Luc.

Zuerst erschienen am 6. März 2018, Lëtzebuerger Journal