IM TAXI STREITEN

Das Wunder Liebe lässt sich breit reden. Wunder Liebe lässt sich auch ganz fabelhaft als TV-Show produzieren. Leider oder nicht leider? ist keine Frage von Shakespeare und kein Werbeslogan eines Bestattungsunternehmens. Und den Kopf haben wir auch nur aus der Verpflichtung heraus das schweigsame Herz erklären zu müssen. Das Herz, es spricht nicht und lässt einen doch nie ausreden. Doch wenn es klopft, machen wir erstmal weiter.

„Liebst du mich?“, fragt er mich.

„Hast du mich je geliebt?“, fragt er mich.

„Liebst du mich nicht mehr?“, fragt er mich.

„Wie geht die Liebe? Geht sie vorbei? Läuft sie? Bleibt sie?“, fragt er mich.

Fragen werfen einen meistens zurück, zurück in unverarbeitete Geschichten, die keinen Freiraum für gute Antworten erlauben. Wiederkäuer!

„Meiner Liebe wurden ein Bein, zumindest ein Fuß, aber mit Sicherheit ein paar Zehen amputiert.“, erkläre ich, ohne allzu genau auf diese kleinen fürchterlichen Dinger eingehen zu wollen, weil krumm, weil dick, aber immerhin noch schlauer als Füße.

Dann fange ich an zu lachen, um nicht zu weinen. Lachen soll angeblich gesund sein.

„Möchtegernfinger“, lache ich jetzt noch lauter.

Niemand lacht mit. Ich höre auf zu lachen. Wir spielen komisches Paar im Laberladen, speisen vom Plastikteller und sehen vor lauter Wörter das Porzellan nicht mehr.

„Sind wir überhaupt ein Paar?“, will er wissen.

„Pah! Paar!“, antworte ich.

„Zusammen?“, fragt er.

„Zusammen?“, frage ich.

„Aber Worte haben wir?“, fragt er.

„Ja, Worte haben wir.“, antworte ich freundlich.

Ich verspreche ihm, dass er mir wirklich nicht egal ist, ich einfach nicht mehr kann, allgemein und überhaupt. Mein Kopf leer. Mein Herz wund. Meine Augen verwüstet.

„Wieso musst du auch immer weinen?“, fragt er.

„Weil die Tränen so salzig schmecken.“, erwidere ich.

„Was?“, fragt er.

„Was weiß ich…“, antworte ich.

Eigentlich weiß ich ganz genau, wenn ich nicht weiß.

„Frag doch die Wissenschaft.“, ergänze ich patzig.

„Da frag ich doch lieber den Papst.“, sagt er.

„Frag dann lieber Proust.“, dieses Mal weniger patzig.

„Marcel?“, fragt er.

„Ja.“, antworte ich.

Wir waren die ganze Nacht unterwegs. Viel gelacht, um im Taxi zu streiten. Die Abgründe weit geöffnet und jeder durfte einmal reinspringen. Er hat mich geschlagen. Ich habe ihn geschlagen. Ein Moment, der von Herzen kam. Oder von den Drogen. Die Suche ist wahr. Der Hass auch. Die Liebe sowieso.

Das Wunder will gefunden werden. Und den Faden haben sie hinter den Kulissen versteckt.