WORTE

In dieser Kolumne soll es um Worte gehen. Keine große Überraschung eigentlich, denn ohne Worte gäbe es diese Kolumne nicht. Ohne Worte hätte ich keinen Beruf und die Schüler in Schulen nur noch Sportunterricht. Keine Worte würden möglicherweise für noch viel mehr Selfies sorgen. Auch an dieser Stelle würden einfach Selfies gedruckt oder angezeigt werden. Apropos Selfies, Fotos, ich glaube, es wird Zeit für ein neues Foto von mir, hier, oben, über dieser Kolumne. Meinetwegen auch von jemand anderem. Ich habe ja die Worte.

Ohne Worte wären die paar alten Männer, die derzeit unter dem Deckmantel der Demokratie, sich in Diktatur für Dummies üben, nie an die Macht gekommen. Nicht, das ist gewusst, weil sie ihre Worte besonders klug gewählt haben, sondern sie sie schlichtweg so lange wiederholt haben, bis ein paar Millionen Menschen zu viel „Ja ok“ gesagt haben.

Das erinnert mich an meine Feten-Zeit in Luxemburg, wo ich mich gewundert habe, dass diese schmierigen jungen Männer immer die heißesten jungen Frauen abbekommen haben. Und das jede Woche, immer eine andere, klar. Da war ich ziemlich neidisch, denn ich bekam nicht einmal eine ab, ich wollte doch einfach nur eine Freundin bis in alle Ewigkeit. Und die bekamen, egal wie dumm und respektlos sie sich benahmen, bis in alle Ewigkeit, wöchentlich, eine gut aussehende Frau ab.

Nun gut, Ewigkeit ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Vielleicht sind die jungen schmierigen Männer von früher mittlerweile verheiratet und erzählen sonntags in trauter Familienrunde, wie wild sie es früher getrieben haben und was für ein Glück es ist, nun endlich, geerdet zu sein.

O. hieß einer dieser ekligen und unfreundlichen, wirklich nicht schönen Männer. Er war von Dahlem bis Hesperingen dafür bekannt, dass er sie alle bekam. Wie konnte das bloß sein? Er: Alle. Ich: Keine.

Eine gute Freundin (Friendzone), J., die sich auch für einen „Abend“ mit ihm einließ, es zwar bereute und eigentlich auch gar nicht wollte, klärte mich auf. Es lag daran, dass er so lange fragte, um sie buhlte, es immer wieder versuchte, sich an sie ranzumachen, bis sie aufgab, Nein zu sagen und folglich Ja sagte, damit er einfach nicht mehr nervte. Frei nach dem Motto: Lass es uns hinter uns bringen, aber dann ist Ruhe. Es funktionierte.

Und obwohl es noch keinen #Aufschrei oder #metoo gab, wusste ich tatsächlich damals schon, dass diese Taktik keine war, mit der ich glücklich werden würde. Bis heute sollte J. Recht behalten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ein Mann wie Trump amerikanischer Präsident geworden wäre? Oder Mario Barth Stadien mit menschenverachtenden Witzen füllen darf? Die Daseinsberechtigung beruht auf der Wiederholung der Worte. Also fing ich an, Gedichte zu schreiben, aber achte dabei immer auf starke Metaphern.

Zuerst erschienen am 10. April 2018, Lëtzebuerger Journal