OUTTAKES III: KLEINES LAND

Ganz egal wie reich, erfolgreich oder witzig das kleine Etwas ist, es leidet und das Leid wird zu Neid, Wut, Missgunst. Pump up the Zentimeter-Wahnsinn. Großzügige Promo-Spenden, getarnt als Subventionen oder Stipendien, sollen kulturelle Übervielfalt jenseits der eng gestrickten Grenzen demonstrieren:
Schaut alle her! Wir sind zwar klein, aber oho, es ist mehr als ein Kalenderspruch.

Semi-erfolgreiche Marketing-Strategien machen aus mir zwar immerhin keinen Verlierer, keinen, der für Geld Brot verkaufen muss, obwohl Bäcker natürlich keine Verlierer sind, aber das Risiko, nur auf Teelöffel dosierter Basis, zeugt nicht von nachhaltiger Größe und der einzig wahre Wert, Zeit, verstreicht bis die verschissene Endlichkeit mich einholt und im Grab der zwar nie mittellosen, doch mittelmäßig beachteten, zerfallen lässt. Doch ist es genau sie, die ich brauche, mehr als das große Geld, mehr als die Zentimeter, mehr als Gesundheit und große Fernsehshows, um der Zeitbegrenzung hinterhältig in den Rücken zu fallen. Meine Zeit gegen Zeit.

Die Waffen sind Ideen, die bewertet und je nachdem umgesetzt werden müssen. Es sind die Eingebungen, die der Maschine, in der Hülle, mit Haut überzogen und Haar bedeckt, eine Daseinsberechtigung simulieren und der Controller bin ich und ich, möglicherweise er, versucht stets die Überhand zu behalten. Der Endgegner bin ich, also, denkt er und trotzdem bleibe ich nicht.

Hier, meine veröffentlichten Ideen, ein paar Worte, ein bisschen ich, ein bisschen du, ein bisschen Sex, ein bisschen Angst und natürlich, der Tod. Der Tod lebt. Die 150 Euro im Jahr, die gesponserten Posts, die Kritik-Wichser, die den Frust über ihre eigene Fantasielosigkeit auf mich projizieren, mein Selbstmitleid, mein Übermut, meine Selbstüberschätzung, meine Angst zu scheitern: Das alles kostet fucking Zeit, die ich nicht habe, mir aber dennoch nehme und das ist der Grund, Schatz, warum ich leider auch letzte Woche keine hatte. Nächste Woche wird alles besser. Noch vor dem nächsten grauen Haar, werden wir uns sehen und einen Kaffee trinken, vielleicht gut essen gehen, ein Selbstbild erzeugen, dann noch einen Absacker trinken und zwei Kippen schnorren. Sorge dich nicht: Einmal Newcomer, immer Newcomer.

Auf allen Titelbildern der hiesigen Lokalsülze und untergründigen Selbstzerfickerei bin ich schon gestrandet, doch geil war das nicht. Nein, wirklich geil war das alles nicht. Die nächsten Kapitel werden geschrieben, die Lebensereignisse wie Pop Up Fenster in der eigenen Timeline geteilt, kurz maximiert, als Moment vermarktet und im Vertrag festgehalten.

Wird es ein Bestseller?

(Jedenfalls macht zwei Straßen weiter ein neuer Burger-Laden auf. Mit hausgemachten Pommes, regionaler Bio-Sauce und sprechenden Tomaten.)