GERADE NOCH UND JETZT SCHON WIEDER

Gerade noch, soeben quasi, nicht einmal eine Stunde ist es her, dass Freundin L. sich die Schuhe auszog, dann die Socken, und logischerweise die enthüllten Füße in die Isar tauchte, um festzustellen, dass sie, die Isar, den Winter noch nicht ganz abstreifen konnte. Aber immerhin, die Sonne ist zurück.

„Endlich Sonne“, hört man die Leute dann sagen.

„Boah. Ey. Gleich so dermaßen heiß, damit hätte man ja nicht gerechnet, nicht so doll jedenfalls“, hört man die Leute auch sagen.

„Das Wasser ist vielleicht, trotz Sonne, noch etwas zu kalt“, hat unser Freund J. erkannt.

„Ganz schön fies, dieser Schein-Sommer, wie er uns Badeurlaub vorgaukelt, obwohl es eigentlich noch immer viel zu kalt dafür ist. Allenfalls das Wasser“, versuche ich noch irgendwas Schlaues hinzuzufügen, was mir allerdings nur so mittelmäßig gelingt.

Dennoch, schön ist das hier, im Süden Deutschlands. Gar schöner als sein Ruf. Sogar hier, wo es den Leuten ähnlich gut geht, wie in Luxemburg, da sie viel arbeiten, um viel Geld zu besitzen, weil alles viel Geld kostet, wissen es die Leute zu schätzen, wenn die Sonne sich die Ehre gibt und alle in Scharen zum nächstgelegensten Fluss laufen, auf der Wiese oder dem Kieselstrand, die an letzteren grenzen, Platz nehmen und ein Bier trinken oder irgendwas mit Bällen spielen oder einfach nur ein Buch lesen, eine Wurst oder zwei oder eine Paprika grillen und sich darüber freuen, dass sie leben. Tatsächlich, wer hätte das gedacht? Es reicht zu leben, um glücklich zu sein und so abgelutscht es klingen mag, am allermeisten dann, wenn die Temperaturen steigen, die Kleider, die den Körper verhüllen, aufs mindeste beschränkt werden und es draußen heller ist. Leben ist unfassbar viel.

„Es sind die kleinen Dinge im Leben“, denke ich, aber niemals würde ich einen derartig abgedroschenen Spruch irgendwo aufschreiben oder laut sagen, um eine gewisse Melancholie und Schwere, die man als Schriftsteller doch aufrechterhalten versuchen muss, um vom Feuilleton ernst genommen zu werden, zu bewahren. Ruf ist schließlich alles. Da darf man sich nicht so primitiven Freuden (die kleinen Dinge), ausgelöst durchs Wetter, hingeben. Naja.

Und jetzt schon wieder vorbei, es ist abends, auf dem Weg zurück von Süden nach Osten, in der Hoffnung, dass die schönen Momente mir und uns nicht verwehrt bleiben, die Schönheit so schnell nicht vorbei geht und der kleine nervige Hippie in einem nie aufgeben wird, denn tatsächlich ist alles, was bleibt, die Erinnerung. Und die kl…

Zuerst erschienen am 17. April 2018, Lëtzebuerger Journal