ALSO GOTT

„Oh Gott“, ich muss also über Gott schreiben. Schließlich habe ich es versprochen. Letzte Woche. Und da ich kein Politiker, sondern Schriftsteller bin, halte ich meine Versprechen. Höhö. Schenkelklopfer.

Vor was hat der Mensch am meisten Angst? Wahrscheinlich, dass es keinen Gott gibt. Kein höheres Etwas, das die Verbindung zwischen Leben jetzt und Leben (?) nach jetzt erklärt. Oft hört man, dass die größten ZynikerInnen, die radikalsten AtheistInnen, meist im Alter, spätestens auf dem Sterbebett, plötzlich an Gott glauben.

Freundin L. neben mir erklärt, dass es bei den ÄgypterInnen etwa so war, dass es da dieses große Ding, äääh Tagebuch, gab, das die Ex-Lebenden in ihrer Lebenszeit schrieben und mit in die Unterwelt (Tod) nahmen, damit Anubis (Gott der Totenriten und der Mumifizierung, laut Wikipedia) nachlesen konnte, was der soeben Gestorbene Zeit seines Lebens falsch machte und so von den Sünden freigesprochen werden konnte. Schließlich legten sie alle ihre „fiesen Lebensentscheidungen“ offen. Schwarz auf Papyrus. Oder so. Da sind die GöttInnen dann kulant.

Ähnlich wie beim Fall der Steuerhinterziehung rund um Uli Hoeneß. Die RichterInnen sind bekanntermaßen irdische GöttInnen.

Natürlich kann man auch sein Tagebuch anlügen oder vor Gericht lügen. Das hätten die ÄgypterInnen aber niemals getan und vor allem Uli nicht. Kann ein Würstchenfabrikant denn lügen? Niemals.

Naja. Vielleicht stimmt das alles nicht und Freundin L. verwechselt die kleine Anekdote mit einer Folge aus „Game of Thrones“. Ich habe auch nur mit einem Ohr zugehört. Schaut selbst nach.

Probleme machen eigentlich nur die mit Gott zusammenhängenden Clubs. Homosexuelle sind entweder lediglich toleriert, dürfen sich aber heilen lassen oder werden gejagt. Frauen werden oft nur als Beiwerk des Mannes geduldet. Und so weiter, das ist alles gewusst. Mit einer Mitgliedskarte in einem solchen Club meinen Glauben an Gott zu unterschreiben, ist demnach bedenklich.

Gott darf also nicht mit einer von Menschenhand geschaffenen Institution gleichgestellt werden. Vielleicht ist er nicht einmal er und auch keine sie. Vielleicht ist Gott alles und nichts, ein Espresso und ein Straßenschild, eine Kastanie und ein Kinderlächeln, ein Rave, der traurigste und schönste Moment im Leben eines Menschen. Erstmal ist Gott aber nur ein Wort, von Menschen erfunden, das einen unbegreiflichen „Inhalt“ in eine Form, das Wort, bringen muss.

Das Wort Gottes würde Licht ins Unerklärliche bringen, aber er hat noch nie zu mir geredet. Also suche ich weiter – und bis dahin ist es Menschlichkeit, Verantwortung und Liebe, für die ich meinen Glauben bedingungslos zur Verfügung stelle.

Zuerst erschienen im Lëtzebuerger Journal am 5. Juni 2018