MEGA SUPER STIMMUNG

Hey Freunde! Hier bin ich wieder. Euer Lieblingskolumnist LUC SPADA. Der Name groß geschrieben, um mir selbst noch ein wenig mehr zu gefallen. Und ich habe gute Nachrichten dabei: Ich rede nie wieder über Gott. Nie wieder über Tod. Nie wieder beleidige ich irgendwelche Kritiker. Nein, ab sofort ist nur noch Party, mega super Stimmung, angesagt. Alles ist wirklich super lustig und juhu und yeah. Immer diese Beschwerden, diese Kritiker, IMMER DIESE PROBLEME.

Nein, ernsthaft, warum immer meckern? Die gestopfte Ente gestern war wirklich lecker und der Wein dazu, ein wirklicher Genuss.

Manchmal frage ich mich, ob diese Probleme, diese Hungersnöte, diese Armut, all diese Gründe, um schlechte Laune zu bekommen, ob die nicht alle einfach eine Erfindung von irgendwelchen Miesepetern sind, um uns die Stimmung zu versauen.

Nein, ernsthaft, das frage ich mich manchmal.

Und meine Antwort ist: Carpe diem!

Genießet einfach den Tag. Das Leben ist zu kurz, um sich Gedanken über eine bessere Welt zu machen, besonders dann, wenn man das große Glück hat, in die Hälfte der Welt reingeboren worden zu sein, Teil der Menschheit zu werden, die auch mit einer ignoranten Haltung und mit wenig Fantasie und Intelligenz ganz gut über die Runden kommt. Das ist doch wirklich grandios. Alles andere nur unnötiger Selbsthass.

Überhaupt ist meine Meinung, aber wirklich, es ist nur meine Meinung, und meine Meinung, die möchte ich aber immer noch haben, und ebenso wichtig ist es, sie auch äußern zu dürfen… äääh… Meine Meinung ist, dass hier alles super ist. Hauptsache die Stimmung ist gut, Hauptsache der Bass ist so richtig Bass, der Burger mit richtig viel Avocado, die Alarmanlage direkt mit der Polizei verbunden, denn man weiß ja nie, wer die Party crashen möchte. Und natürlich: Das Auto soll fett sein, groß, schnell, mit Ledersitzen und so richtig ordentlich Abgase in die Luft schleudern. Man muss sie ja nicht einatmen. So einfach ist es.

Und gestern, unerhört, da war so ein Obdachloser, und wie Obdachlose so sind, hatte er Hunger, das hatte er jedenfalls gesagt, und ich habe ihm angeboten, etwas zu essen für ihn zu kaufen. Ob er denn was aus dem nächsten Fast-Food-Restaurant haben möchte, habe ich ihn freundlich gefragt. Und der so, unverschämt wie diese Obdachlosen nun mal so sind, meinte, dass er so einen Dreck nicht frisst. Und ob ich denn glauben würde, dass, nur weil er obdachlos ist, auf der Straße lebt, er nicht das Recht auf ordentliches Essen hätte. Ich erwiderte nur, dass er aber ganz doll frech sei, ICH den Leuten gerne helfe, aber wenn sie meine Gutmütigkeit ausnutzen, dann ist aber Schluss. Schluss ist dann. Das habe ich wirklich gesagt. Und zu meiner Party auf meiner Dachterrasse wird er auch nicht eingeladen. Nein, ernsthaft, genug ist genug.

Zuerst erschienen im Lëtzebuerger Journal am 12. Juni 2018