FINALE IN LÜBECK / 20 FILTERFREIE BILDER

Der letzte Auftritt als Bühnenpoet auf einer Bühne, jedenfalls auf einer Poetry-Slam-Bühne, innerhalb und/oder außerhalb eines Wettbewerbes, ist nun etwas mehr als zwei Wochen her. Vor zehn Jahren hatte ich einer meiner schönsten Auftritte in Lübeck und zehn Jahre danach, im Theater Lübeck, am 31. Mai 2018, meinen letzten, als Poetry Slammer. War der letzte Auftritt auch der beste? Die Lokalpresse war allenfalls nicht begeistert. Das nehme ich als Kompliment.

Mit jedem Jahr wurde mir klarer, dass ich Wettbewerb und Poesie oder Literatur eher schlecht als recht zusammen kriege. So blieb ich eher eine skurrile Randerscheinung. Das ist gut so. Viele Menschen durfte ich kennenlernen, viele habe ich fest ins Herz geschlossen. Ich hoffe dies beruht auf Gegenseitigkeit. Falls nicht: Selbstlosigkeit braucht der Mensch, der Poet sowieso.

Mit dem Alter wurde mir das Format immer fremder. Das, was als Output an Text von der Bühne ins Publikum geschmettert wurde, erschien mir immer gefälliger. Anders ausgedrückt: Man hat sich auseinander gelebt. Wir waren gute Kumpels, aber Liebe? Nein, Liebe war es nie. Wir bleiben aber Freunde.

In Zukunft will ich mich zunehmend auf das geschriebene Wort konzentrieren. Natürlich nicht ohne die dazugehörigen Lesungen. Selbstverständlich werde ich die Bühne nicht komplett aufgeben. Ich brauche einfach nur mehr als fünf Minuten und Zuschauer, die mehr als nur einen witzigen Abend erleben möchten. Das klingt arroganter und gemeiner, als es tatsächlich gemeint ist. Ich sage das jetzt mal so. Schließlich sind wir hier unter uns.

Warum sollte ein Abschied laut sein? Es bleiben 20 filterfreie Fotos aus Lübeck.

Widersprüchliches PS: Tatsächlich aber veranstalte ich noch einen Poetry Slam in Luxemburg, den ich zusammen mit Michel Abdollahi moderiere. Am 6. Juli 2018 ist der nächste. Live und draußen. Mehr Informationen auf khn.lu.