LËTZEBUERGESCH IST TOT

Ernsthaft! Schafft Luxemburgisch ab. Das scheint der einzige Weg, um zu verhindern, dass die paar rassistischen Idioten die arme Sprache instrumentalisieren, um weiter eine Rechtfertigung zum Ausländerhass aufrecht zu halten.

Gäbe es die luxemburgische Sprache nicht mehr, dann müssten auch (und zwar ausnahmslos) alle Parteien sich endlich ein richtiges Wahlprogramm überlegen, eine wahrhaftige Vision für das Land für die nächsten Jahre entwickeln. Stattdessen wird irgendein sinnloser Scheiß daher geredet und blind und hirnfrei, mal ignorant, mal bewusst auf den braunen Zug mit aufgesprungen.

Anstelle Lösungen für eine bessere Welt, ein besseres Land mit mehr Sozialstaat und weniger Rassismus, für eine gelungene Integration und genug Brot für alle, zu suchen, dreht sich alles um die Angst vor dem Verlust unserer Sprache, unserer Identität.

Dabei gibt es fucking Filme auf Luxemburgisch. Manche gewinnen sogar Preise in Frankreich. Sogar Serien, wenn sie auch nicht vor Qualität strotzen, werden komplett auf luxemburgisch gedreht. Es gibt fucking luxemburgische Shakespeare-Übersetzungen. Sogar im französischen Supermarkt wird zunehmend mit luxemburgisch beworben. Kulturhäuser im ganzen Land programmieren immer mehr Stücke auf Luxemburgisch. Moderne literarisch-wertvolle Bücher werden auf Luxemburgisch veröffentlicht. 

Was wollt ihr denn noch?

Der Bildungsminister antwortet mit einer Webseite über die Kulturgeschichte von Luxemburg. Ein bisschen Medien, ein bisschen Definition von Kultur (ist gar nicht so einfach Kultur zu definieren, hihi, auch nicht auf Lëtzebuergesch), ein bisschen Theatergeschichte und und und… ach fuck! Sorry, féck! Und sorry, sorry ist nicht lëtzebuergesch. Pardon dann, oh, ist französisch. Hilfe! Wir sind zu international.

Jetzt gibt es also auch noch eine Webseite auf luxemburgisch über die luxemburgische Kulturgeschichte und die ganzen Beleidigten werden sich dennoch nicht zufrieden geben. 

Die Idioten, die den ganzen Tag über nur jammern, dass nicht genug auf lëtzebuergesch gemacht, geredet, gegessen und geguckt wird, sind doch genau die Idioten, die noch nie ein Buch von Nico Helminger oder Pol Greisch gelesen haben, da ihnen die Sprache noch egaler ist, als der Franzose, der in Luxemburg arbeitet, aber nach Ladenschluss eben keine Zeit hat Sprachkurse zu besuchen, weil er nach Hause fahren muss.

Meine Fresse! Und die Politiker mancher Parteien, die dieses Spiel mitmachen, aus Angst bald nicht gewählt zu werden. Sie geben klein bei und machen halt schlichtweg einfach mit. Statt zu widersprechen, diesem braunen Mist Widerstand entgegen zu setzen und den richtigen Weg zu weisen, wird der falsche mitgelaufen. Ja, #MerdeAlors, aber was folgt nach der großen hochgelobten ehrlichen Wut?

Unsere Vielfarbigkeit und unsere Mehrsprachigkeit machen unseren „internationalen Flair“ aus. Ohne letzteren hätten wir noch weniger in dieser Welt zu melden. Was hätten wir überhaupt zu melden, wenn wir kein Steuerparadies wären?

Womöglich würden wir noch auf Bäumen leben und hätten nicht einmal Bananen. Aber immerhin sprechen wir Luxemburgisch. Fuck, ist das erbärmlich. Sorry. Féck!

In Luxemburg wird am 14. Oktober 2018 gewählt. 

Artikel zuerst in leicht abgeänderter Form im Feierkrop erschienen, 28. September 2018