WÄHLT MICH

Wer die Welt zum Positiven hin mitgestalten möchte, kann klein anfangen. Nichts mit Plastik kaufen, dann freut sich die Umwelt. Demonstrieren für eine Gesellschaft gegen Rassismus, dann freut sich zumindest das Gewissen. Ein Konto bei einer fairen Bank eröffnen. Eine Bank also, die nicht in böse Sachen, wie etwa Waffenindustrie, investiert. Dann freuen sich die Menschen, die überleben. Unterstütze vor Ort. Handle lokal. Hilf deinem Nachbarn, wenn er weint, weil seine Frau ihn verlassen hat. Schenke ihm Taschentücher. Oder helfe der alten Dame über die Straße, koch Suppe für Bedürftige. Ja. Alles das hilft.

Wer aber wirklich so richtig doll viel mitgestalten und verändern will, bestenfalls zum Positiven und zeitlich vorwärts gewandt, muss in die Politik und Politiker werden.

Ich will Politiker werden, denke ich. Jetzt. In diesem Moment. Ich will, dass es allen besser geht. Ich pfeife auf reiche Menschen und Großkonzerne, die keine Steuern zahlen wollen. Ich will, dass niemand eine Stelle, egal ob als IntendantIn eines Theaters, als Premier oder LehrerIn, länger als fünf Jahre inne haben soll. Zumindest sollen solche Träger öffentlicher Ämter Ort und Stelle gelegentlich wechseln.

Der Gedanke ist noch nicht ganz ausgereift. Verzeihung. Kurz: Veränderung muss sein, besonders in einem kleinen Land. Und ich weiß, dass ich nicht korrupt bin, dass ich niemals Macht ausnutzen würde, und niemals würde ich Menschenrechte mit Füßen treten. Oder doch? Nein, ich sicher nicht. Du doch auch nicht?

Ich könnte, wenn ich das richtig verstanden habe, nur in Luxemburg Politik „machen“, da ich ja Luxemburger bin. Ich wäre dann einer dieser Künstler oder Sportler oder „Personen“, die irgendwann in die Politik gingen. Solchen wirft man gerne vor, dass sie nicht über die nötige Kompetenz für so einen verhassten, aber sehr wichtigen Beruf verfügen. Seitdem Trump aber Präsident ist, kann dieses Argument nicht mehr wirklich gelten. Oder aber es gilt das alte Prinzip: Wer nichts wird, wird Wirt. Oder eben Politiker. Höhö.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, will ich noch kurz anmerken, dass der Beruf des Wirtes für mich der allergrößte ist. Wirte retten auf lange Zeit die ganze Gesellschaft. Da bin ich überzeugt. Wäre ich Politiker, dürften Wirte sich in Warteschlangen, egal welcher Art, immer vorne anstellen. Wer die ganze Nacht Bier serviert, hat dies auch verdient.

Auch müsste man einer Partei beitreten, aber ich wüsste nicht welcher. Ich will nicht, dass es der Umwelt noch schlechter geht, ich habe kein Probleme mit Menschen, die nicht weiß, männlich und heterosexuell sind und finde es wichtig, dass harte Arbeit fair bezahlt wird. Und ein bisschen weniger arbeiten würde den Menschen auch ganz gut tun. Und übrigens: Geld ist nicht alles. So allgemein gesagt. Sollte das nicht die Einstellung eines jeden Menschen und Partei sein? Ich könnte auch eine eigene Partei gründen. Nein, keine Spaßpartei.

Spaßparteien finde ich scheiße. Dann macht halt Comedy, wenn ihr Spaß haben wollt. Und wie beende ich diese Kolumne? Ääähmmm. Wenn ich in die Politik gehe, wählt mich, ok?

Zuerst veröffentlicht im Lëtzebuerger Journal, 16. Oktober 2018