WAS WICHTIG IST

Vor Kurzem wurde ich wieder in einer Zeitung beleidigt. Dabei hatte der Artikel in der Sache nicht einmal was mit mir zu tun. 

Die Aufmerksamkeit wird demnach immer wieder auf mich gelenkt, ohne dass ich sie auf mich lenke. Der für den Artikel Verantwortliche scheint seinen Frust, nie ein echter Autor geworden zu sein, es als Luxemburger so dermaßen schwer zu haben und ein unausstehlich komplexierter Mensch zu sein, auf mich zu projizieren. Ist dem armen Kerl echt so langweilig?

Ich wollte reagieren mit einem Konter-Text, ein paar coolen Sprüchen und habe es dann sein gelassen. Klischee-Spruch: Der Klügere gibt nach. 

In Zukunft bevorzuge ich, mit guter Literatur zu antworten. Ich habe keinen Bock mehr auf sinnlose Auseinandersetzungen fürs Ego. Disziplin. Arbeiten. Großzügigkeit. 

All we need.

Was brauchen wir denn eigentlich überhaupt? Was ist denn wirklich wichtig? Mein Opa hat immer gesagt, dass die Gesundheit sehr wichtig ist. Gesund sein und studieren gehen. 

Die Menschen am Tresen im Gastronomiebereich der einschlägigen Supermärkte sagen das auch immer: Gesund sein ist alles. Mein Opa hatte schlichtweg keine Zeit, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, die keine waren. Er musste eine Familie ernähren. Irgendwann kam mein Großvater für eine „Kleinigkeit“ ins Krankenhaus, und ein paar Wochen später war er tot. Daran muss ich derzeit oft denken. Was wichtig ist. 

Nicht mehr Zeit als nötig mit negativen Menschen und Situationen verbringen. 

Man weiß tatsächlich nicht, wann es vorbei ist. Und so blöd und cheesy es klingen mag: Es geht manchmal schneller als gedacht.

Gesundheit lernt man dann schätzen, wenn man krank ist. Psychisch wie physisch. Dieser Sache kann ich inzwischen voll und ganz zustimmen. Ich bin zwar nur selten, und wenn, nur sehr kurz krank, aber dies gilt nicht für alle in meinem Umkreis. 

Und wenn Eltern, Partnerin, FreundInnen krank sind, ist das meines Erachtens nach viel schlimmer zu ertragen, als wenn man es selbst ist. Bestenfalls aus Empathie. 

Schlimmstenfalls aus einer latenten Instrumentalisierung des Leides anderer heraus: Wie kann die Person gegenüber es mir nur antun, krank zu werden? Denkt die denn gar nicht an mich?

Sich zu psychischen oder physischen Krankheiten verhalten, als Betroffene(r) oder als Angehörige(r) ist äußerst schwierig. Man kann helfen, unterstützen und hoffen. Sein Bestes geben, ist oft nicht gut genug und doch mehr als überhaupt nichts. Worauf ich hinaus will, ist, die Suche nach dem Kern. Also nochmal: Was ist wichtig? 

Nächste Woche mehr.

Zuerst veröffentlicht am 4. Dezember 2018, Lëtzebuerger Journal