Zurück zur Frage von letzter Woche: Was ist wichtig? Wir halten fest, was nicht wichtig ist: KulturkritikerInnen. Insbesondere nicht solche, die nichts, mit Ausnahme ihrer eigenen Geschichte, auf Kunstschaffende projizieren. Hier darf man Mitleid haben, aber sich nicht allzu sehr ärgern. Auch nicht wichtig sind alte Politiker, die sich über homosexuelle Kängurus in Theaterstücken, die von Schulklassen besucht werden, empören. Politiker, die in den nächsten Jahren der völligen Irrelevanz zum Opfer fallen werden, sind zur Zeit verständlicherweise etwas nervös und zickig.
Wie Wespen vor Einbruch des Herbstes.

Außerdem unwichtig: Dein rassistischer Onkel bei der alljährlichen weihnachtlichen Familienfeier. Der neue Freund deiner Tante. Die Zeugen Jehovas. Der verspätete Zug. Die Mahnung, deine Rechnung endlich zu begleichen, obwohl dein Konto blank ist. Die Beule in deinem neuen Auto. Alles kurz nervig, etwas ärgerlich, aber lös-, ignorier- oder reparierbar.

Letzte Woche erwähnte ich, dass Gesundheit wichtig ist. So abgedroschen, kitschig und altbacken es auch klingen mag. Wenn Du oder Dir nahestehende Menschen krank werden oder sich von dieser Welt verabschieden, unfreiwillig oder möglicherweise sogar bewusst, wird alles andere egal. Die Prioritäten werden neuverteilt. Es wird einem schlagartig klar, was zählt. Beziehungsweise was nicht zählt, wie bereits oben angerissen.

Erlebnisse durch Tod oder Krankheit, im unmittelbaren Umfeld, beeinflussen nachhaltig und tiefgehend den weiteren Verlauf des Lebens. Das kann ich nicht wirklich in konkrete(re) Worte fassen, aber es ist wie ein still, aber unüberhörbarer Drang, ein Druck, in einem selbst, dass die Tage der Unschuld ab sofort vorbei sind. Der Eindruck von früher, dass alles unendlich ist, zu einer Zeit, als die größte Sorge eine schlechte Note war, ist endgültig vorbei, und später lernt man dann auch noch, dass Schule und Bildung nicht zwingend etwas miteinander zu tun haben müssen. Zur guten Bildung gehört bekanntlich nicht nur stumpf irgendwelche Rechtschreibregeln wiederholen. Das ist aber ein anderes Thema.

Wir halten fest, dass Gesundheit und Zeit wichtig sind. Die gesunde Zeit nutzen und schätzen, wenn man denn dieses Leben leben will. Kann das möglich sein? Dieses Leben nicht leben wollen: Das ist ein schwieriges Thema, und meine Erfahrungen mit letzterem haben mir den Umgang mit selbigem nicht wirklich leichter gemacht.

Es geht letztendlich um Entscheidungen im Leben. Entscheidungen machen das Leben erlebbar, positiv wie negativ. Man kann sich klar darauf einigen, dass Entscheidungen wirklich wichtig sind. Entscheidungen müssen klar sein, um im Nachhinein dann festzustellen, ob sie richtig oder falsch waren.

Nächste Woche dann mehr.

Zuerst am 11. Dezember 2018, leicht verändert, im Lëtzebuerger Journal erschienen