Es ist natürlich schade, dass die schmucke Satirezeitung Den neie Feierkrop es nicht geschafft hat, in den 25 Jahren ihres Bestehens, die Dummheit endgültig aus dem Großherzog zu schaffen. Morgen kommt die letzte Ausgabe. Ich aber kämpfe weiter.

Dummheit, wohin man blickt. Insbesondere in den 2.0-Kommentarspalten und ebenso unter den Menschen, die glücklicherweise nur (in Luxemburg) die Oppositionsbank drücken. Nein. Es sind dieses Mal nicht die Süßwasserpiraten, sondern es ist der böse alte Mann aus der Wir sind keine Faschisten, Homophobe und Chauvinisten-Partei.

Fernand Kachkéipchen wollte in einer parlamentarischen Anfrage nur mal so wissen, wie es sein kann, dass Grundschulklassen Theaterstücke besuchen müssen, indem ein schwules Känguru vorkommt. Nebenbei erwähnt: Das Stück wurde bereits in Baden-Baden vom Programm genommen, denn man konnte sich dort nicht vorstellen, dass Kinder bereit sind, etwas über diese schreckliche Homosexualität zu erfahren.

Wie kann das nur sein? Der alte Mann zittert. Wo bleiben nur die Theaterstücke mit echten Menschen, ja, heterosexuellen, natürlichen, Menschen? Wäre es nicht an der Zeit eine Hetero-Quote für sämtliche Bühnen des Großherzogtums und für ganz Europa einzuführen? 100 Prozent Hetero. 0 Prozent Homo. Keine Angst, liebe Homosexuelle, die Rollen der Clowns dürft ihr weiterhin übernehmen. Ihr seid doch immer so lustig und macht den ganzen Tag lang mega-krasse Party.

In der Realität, in der Schule, darf dieser Trend, diese Mode, wie dieser ach so coole, aktuelle und super-lockere Papst die Homosexualität bezeichnete, nicht Überhand gewinnen. Für eine psychiatrische Behandlung für homosexuelle Kinder plädierte er übrigens auch. Dummheit von ganz oben, wenn man so will.

Danach sind die Heten noch Randgruppe, und Homo ist so ganz normal. Alle Autos und Straßenschilder werden pink gefärbt und alle echten steakfressenden und lautstark rülpsenden Männer müssen Angst um ihre Existenz haben.

Warum die Angst?

„Was für Idioten ihr doch seid“, würde man am liebsten schreien, aber bleiben wir höflich. Jeder einzelne Becher Milch (sorry, du blöde Kuh) ist schädlicher für ein Kind, als ein Besuch in einem Theaterstück, das über sexuelle Vielfalt aufklärt.

Haben wir Verdienstorden für gute Aufklärung oder Vergleichbares in Luxemburg? Ja? Dann bitte zeichnet jeden Lehrer und jede Lehrerin, die ihre Grundschulklasse zu einer Aufführung von „Ein Känguru wie du“ im Februar ins Neumünster zwingen werden, mit so einem Ding aus. Und die in Baden-Baden und an allen anderen Orten gleich mit.

Und liebe Wir sind keine Faschisten, Homophobe und Chauvinisten-Partei: Warum diese Wut? Wovor habt ihr Angst? Dass am Ende des Tages jeglicher Hass und jegliches Vorurteil aus der Welt geschafft würde? Liebe, Empathie und Vielfalt sind definitiv die falschen Gegnerinnen, die ihr euch gesetzt habt.

Und lieber Fernand, warum haben Sie Angst vor Homosexualität? Heiraten Sie doch einfach mal einen Mann. Wagen Sie es. Niemand wird Sie auslachen! Das ist alles nicht mehr so kompliziert wie früher.

Schauen Sie sich das Stück doch einfach mal an! Theater kann so schön sein. Vorsichtshalber haben wir zwei Tickets auf Ihren Namen reserviert. Ganz ohne Scherz. Sie werden sicherlich nicht zu einem schlechteren Menschen. Der Tiger und der Panther im besagten Stück sind wie Sie, lieber Fernand, unsicher und ängstlich. Und um sich zu schützen, verbreiten sie Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Dann aber lernen sie Django kennen, welcher ein Känguru und ganz schön cool ist, super boxen kann (Kän- gurus können nämlich prima boxen) und tatsächlich auch noch… Spoiler-Alert… homosexuell (schwul, hihi) ist und trotz- dem… Spoiler-Alert 2… immer noch cool ist und den armen Panther oder Tiger auch nicht gleich anspringt. Wo Homos sich doch so wenig unter Kontrolle haben. Wegen der Triebe und so…

Es ist ja auch schwer sich so gut unter hormonelle Kontrolle zu bekommen, wie die Heteros es die letzten Jahrtausende über so vorbildlich vorgemacht haben. Siehe Oktoberfest, Päischtcroisière oder irgendeine x-beliebige Weihnachtsfeier eines Unternehmens deiner Wahl. Oder den zweiten Weltkrieg.

Und der Gewinn so eines eines Theaterbesuchs? Man lernt sich kennen, man mag sich, liebt sich und hält einfach mal die Fresse.

Zum ersten Mal, in leicht abgeänderter Form, am 14. Dezember 2018, im Den neie Feierkrop veröffentlicht

Karikatur: GWS18 / Feierkrop