SINGLE STRESS 1/2

F. gönnt sich eine Woche Teneriffa im Februar. Und dafür hat er einen triftigen Grund. „Das muss jetzt einfach sein“, hat er seinen Kollegen gesagt. F. hat nur Kollegen. Freundinnen, Freunde oder eine Freundin hat F. nicht. Teneriffa-Single-Urlaub. In Teneriffa warten noch mehr Singles auf ihn. Weibliche Singles und männliche Singles, doch ist F. strikt heterosexuell und interessiert sich demnach strikt für Frauen. Nur Frauen. Gerne auch jüngere Frauen. Über 18 sollten sie aber schon sein. Da hält F. sich strikt ans Gesetz.

„Das war ein STRESS, aber geschafft. Gleich geht’s los. Hoffnungsvoller Smiley“, hat F. seinen Status auf Facebook gerade aktualisiert. Standort: Flughafen. 

Sieben Menschen liken das. Sieben Arbeitskollegen, die nicht in den Single-Urlaub fliegen. Sich auch nicht für den STRESS interessieren. Sie fragen nicht nach. Hauptsache liken.

Alle Sieben Arbeitskollegen sind verheiratet. Da ist eine Investition in einen Single-Urlaub keine Investition, die sich lohnen würde. Die Sieben Arbeitskollegen haben aber ausgemacht, dass sie OHNE IHRE FRAUEN nach Paris fahren. Ein Wochenende nur. F. kann natürlich nicht mit. Er hat ja bereits Pläne. Stichwort: Single-Urlaub.

„What happens in Paris, stays in Paris“, haben die Männer gestern laut, mit verschwörerischem Unterton am Kantinentisch des Arbeitgebers, gelacht. Ein richtiges MÄNNER-Wochenende. Mit echten MÄNNER-Aktivitäten. Wie früher sollte es werden. Früher, vor drei Monaten in Amsterdam. Vor sechs in Saarbrücken. Vor neun auf Mallorca.

Früher war F. auch mal dabei, aber das war nichts für ihn. Diese Wochenenden. Auch fürchtete er sich ein wenig vor seinen Arbeitskollegen. Diese bullenähnlichen Gestalten.

Er war bereit, die große Liebe zu suchen und hoffentlich auch zu finden, um alle kommenden Wochenenden nur noch mit der Herzdame zu verbringen. Auch gerne in Paris. Ohne Männer. 

Der Single-Reise-Anbieter versprach, dass unter der Februar-Sonne Teneriffas jedes Herz seine Klappe finden würde. Das sollte wohl ein keckes Wortspiel sein. Was wohl Menschen mit Herzklappe aber ohne Partnerin oder Partner über derartige Wortspielereien denken?

Stress also. Die Sicherheitskontrolle. Nein, die Sicherheitsleute, die F. auf Sprengstoff untersuchten. Sie strichen mit einem komischen „Stück Irgendwas“ über seine Sachen samt neuer Design-Unterhosen von D&G, die er speziell für den Aufenthalt auf Teneriffa gekauft hatte. F. war doch kein Terrorist. Und peinlich war das auch.

„Ich bin kein Terrorist“, hatte F. den Sicherheitsleuten erklärt, aber die baten ihn frecherweise, auch seine Schuhe auszuziehen. 

„Warum die Schuhe?“, F. hatte Stinkefüße.

„Vorsichtsmaßnahme“, die genervten Sicherheitsleute.

„Ich habe Sie gewarnt“, F. wieder.

„Machen Sie schon“, die Sicherheitsleute hatten kein Verständnis für Wenig-Flieger wie F. 

„Immer diese Leute, die selten fliegen. Heutzutage darf echt jeder Arsch fliegen. Fast wie Bus fahren“, murmelte einer vom Sicherheitspersonal. 

„Bedank Dich bei EasyJet und Ryanair. Kostet ja nichts mehr“, murmelte ein anderer. 

F.s Füße und Schuhe stanken tatsächlich. Nach faulen Eiern und abgestandenem Bier. Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko stellte F. jedoch nicht dar. Dem Urlaub stand nun nichts mehr im Weg. Auf nach Teneriffa.

Zuerst veröffentlicht im Lëtzebuerger Journal, 19. Februar 2019