SINGLE STRESS 2/2

Raus aus dieser Höllenmaschine, die sich Flugzeug nennt. Ein Zeug, das fliegt. Ein Zeug im Flug. Wer kam denn bitte auf diese Wortzusammensetzung? Das hätte F. sicher besser gekonnt. Ihn hatte aber niemand gefragt, als man einen Namen für Zeug im Flug suchte. Jedenfalls ist es jetzt zu spät, aber immerhin pünktlich gelandet, das Flugzeug. Auf die Minute.

15.25. 24 Grad. Der Himmel ist blau. 

Da braucht man ja eigentlich keine Frau mehr, wenn die Sonne so verlässlich scheint. Allerdings hat F. bereits für die Reise, inklusive des „feuchtfröhlichen“ Rahmenprogramms, gezahlt. Da kommt er nicht mehr raus.

F. wird abgeholt und ins Hotel gefahren. Eigener Chauffeur. Exquisit. Ob er Trinkgeld zahlen muss? Gran Palacio oder so heißt das vorübergehende Wohnzeug. 1 Euro Trinkgeld wird schon reichen.

Um 18.00 wird die erste Vorstellungsrunde sein. Der Veranstalter und seine Frau präsentieren ihre Vision und die einzelnen Programmpunkte. Anschließend ein gemütliches Meet & Greet mit den anderen Singles. 1 Prosecco im Preis inbegriffen. Jeder weitere Prosecco kostet dann aber 5 Euro. F. hofft, dass er auch Bier trinken darf. Gibt es Bier in Spanien? Gehört Teneriffa zu Spanien? Gehört Spanien zur EU? Stand da kein Spexit bevor? Spexit. Hm. Klingt für F. wie Slimfast, nur mit anderen Buchstaben. Exit aus dem Speck. 

Das muss die Hitze sein. Wahnsinn, was die für Gedanken und Ideen freisetzt.

Ja, bald wird es losgehen. Hoffentlich. Inzwischen ist es ihm aber egal, ob ES klappen wird oder nicht. Es hieß, es gäbe eine Zufriedenheitsgarantie. Wäre F. also nicht zufrieden mit dem, was er geboten bekommt, hat er, laut Veranstalter und seiner Frau, ein Recht auf hundertprozentige Rückerstattung. 

Da stellt sich natürlich die Frage, wo die Zufriedenheit anfängt und wo sie aufhört. Würde er beispielsweise keine potenzielle Liebe seines Lebens antreffen, kriegt er dann sein ganzes Geld zurück? Oder etwa wenn es die ganze Woche, mit Ausnahme von heute, regnet? Das Büfett nicht schmeckt? Da hat er wieder vergessen, das Kleingedruckte zu lesen.

Das letzte Mal, als F. recherchiert hatte, war Teneriffa mit 4,6 von 5 möglichen Punkten bewertet. 3.746 Rezensionen. Unerwartet vielfältig soll die Insel sein. Teneriffas Süden ist aber Tourismus pur. F. weiß nicht, ob er Süden oder Norden ist. Die Hände sind ihm gebunden. Da muss er voll und ganz auf den Veranstalter zählen.

Die Rezensionen besagen insgesamt, dass man sich in diese Insel einfach nur verlieben kann. Ja muss. Für F. klingt Teneriffa wie die perfekte Frau: Vielfältig, liebenswert, Paradies auf Erden, üppige Vegetation, ausgewogenes Klima. Ist das sexistisch? F. hat in letzter Zeit viel über Sexismus gelesen. Manches fand er ganz schön übertrieben, aber ja, natürlich ist auch er für die Gleichberechtigung von allen Lebewesen. Nur hoffen, dass er nicht im Süden landet.

Im Palacio angekommen, checkt F. gleich ein. Das Zimmer schlicht, etwas Luxus: Eine Kapsel-Espresso-Maschine. Ristretto. Decaffeinato. Und im Kühlschrank: Ja, es gibt Bier in Spanien. Dann wäscht er sich noch gleich die Füße, um beim ersten Kennenlernen nicht sofort unangenehm aufzufallen. Hier tragen die Menschen nämlich alle Sandalen, ohne Socken. Mit Socken, das machen nur die Deutschen. Das hat keinen Stil. Und ohne Stil, keine Liebe. Und Liebe ist, was F. will.