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Endlich der zweite April. Könnt Ihr euch erinnern? Gestern? Wie lustig war das denn wieder? Da hat doch tatsächlich jemand im Radio behauptet, dass, wenn Ihr bis 10.00 alle irgendwo anruft und hihihihiAtempausehihihihihiAtempause in den Hörer schreit, Ihr einen Welpen geschenkt bekommt. Das war natürlich ein Aprilscherz. Was haben wir gelacht. Welpen. Hahahaha. Wie witzig ist eine Welt, wo der Kalender uns diktiert, wann wir witzig sein dürfen? APRIIIL APRIIIIL!

Wie verliebt ist ein Paar, das zusammen mit vierzig anderen Pärchen das exakt gleiche Vier-Gang-Menü zum Valentin-Vorteil-Preis von 75 Euro speist? 41 Pärchen, mit 82 Tellern vor ihnen, die genau gleich aussehen? Aus 82 Gläsern den exakt gleichen Hauswein schlürfen? Wie romantisch ist das? Wie viel Liebe ist da im Preis mit drin? Wie weihnachtlich ist Weihnachten? Wie weiblich ist der Weltfrauentag?

Der zweite April ist ein komischer Tag. Der zweite April hat es immer besonders schwer. Nach so einem ersten April muss man ganz besonders stark dafür kämpfen, ernst genommen zu werden. Die Tage vor und nach Valentinstag sind da deutlich angenehmer, da man seinen Partner dann endlich wieder in aller Ruhe passiv-aggressiv hassen kann. Einmal im Jahr seine Liebe beweisen, muss auch reichen. Weihnachten, Valentinstag, 1.April(Tag), Valentinstag, Frauentag, Männertag. Warum?

Am Sonntag war #TransDayOfVisibility, ein Tag vor dem 1. April. Gegen die Marginalisierung und Diskriminierung von Transsexuellen, für die Akzeptanz aller Geschlechteridentitäten. Der Tag macht Sinn und ist sehr wichtig, denn er setzt sich für mehr Humanismus ein. Jedenfalls mehr als Weihnachten. Politische, auf ein Thema aufmerksam machende Tage, wenn man so will, sind wichtig. Also: Die Themen selbst sind relevant, aber was ist mit den anderen Tagen? Wenn zum Beispiel Welt-Aids-Tag ist, ist dann nicht mehr Weltfrauentag? Und wenn internationaler Frauentag ist, ist dann Diskriminierung von Transsexuellen kein Thema mehr? 

Natürlich ist das überspitzt ausgedrückt und es ist selbstverständlich von großer Bedeutung, dass alle möglichen Sujets aufgearbeitet werden müssen, um verbessert zu werden. Quasi jedem Tag sein Tag. Doch ist es auch symptomatisch für eine Gesellschaft, die nicht in ihrem Ganzen nach Heilung strebt, sondern sich auf der alleinigen Tatsache ausruht, am entsprechenden Tag kurz dabei gewesen zu sein. Ja, ich bin dafür #irgendeinthema. Jedes Thema kriegt seine begrenzte Aufmerksamkeit, ohne miteinzubeziehen, beziehungsweise nicht in dem Maße, wie es nötig wäre, dass alle diese Tage ja nur deswegen nötig sind, weil der Mensch an sich zu gierig, zu neidisch und oft nicht genügend aufgeklärt ist. Sozusagen müsste jeder Tag der Tag für mehr Menschlichkeit sein. Dann wäre lachen auch wieder öfters als nur einmal im Jahr möglich.

Zuerst veröffentlicht am 2. April 2019, Lëtzebuerger Journal