DAS IST GELD

In Brunei kann ein homosexueller Mensch gesteinigt werden, wenn er seine Homosexualität auslebt. Das ist fürchterlich, unerträglich. Der Sultan will das so. Der Sultan hat viele Kinder, lebt im größten Palast der Welt, hat eine Erstfrau und hatte zwei Zweitfrauen, wenn man Wikipedia glauben darf. 

Der Sultan ist einer der reichsten Menschen der Welt, aber nicht so reich wie Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos. Dafür hat der Sultan immerhin die Todesstrafe wieder eingeführt, das war 2014, und 2019 auch gegen schwule Männer. Falls sie mal Sex haben, weil sie Spaß haben, weil sie glücklich oder geil sind. Homosexuelle Frauen kommen bestenfalls mit Peitschenhieben davon. Der Sultan mag ganz einfach Frauen lieber, verstehen Sie? Sie verstehen. Natürlich nur, wenn die Frauen gehorchen. Der Sultan soll Flugzeuge mit vergoldeten Sanitäranlagen besitzen und einen riesigen Fuhrpark mit eigens für ihn hergestellten Autos. Was man also sagen kann: Das Auto, das Du fährst, ist höchstwahrscheinlich von einer Marke, die bereitwillig einem Menschen wie dem feinen Herrn Sultan eine spezielle Anfertigung geliefert hat. Fährst Du schon Bus?

Der Sultan pflegt enge Beziehungen zu Großbritannien, schmückt sich mit Ehrendoktortiteln, unter anderem der Oxford University. Oxford ignoriert die Proteste seiner Studenten, ihm diese Würde abzuerkennen. King’s College London und Aberdeen wollen darüber nachdenken. Warum? Studenten in Großbritannien sind wahrscheinlich alle heterosexuell. Oder wie es die Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z. formulieren würde: „Das ist Geld“. 

Auch sagen sie: „Dass ich Schwuchteln hasse, hab ich früher gerne gesagt / Heute nicht mehr, denn sonst platzt der Werbevertrag.“ Und warum? Genau. Das ist Geld.

Apropos Geld. Georges Clooney, Nespresso-Ehrenmann, Klimaschützer und Sexiest Man Alive (1997) hat auch von dieser Sache mit Brunei gehört und fordert zum Boykott aller Hotels, die durch den Sultan finanziert werden, auf. Hotels in Los Angeles, Beverly Hills, London, Ascot, Mailand, Rom und Paris. Selbst Lena Meyer-Landrut kann die Menschenrechtsverletzungen nicht mehr hinnehmen und sieht sich nun gezwungen, andere Fünf-Sterne-Hotels buchen zu müssen. Geile PR-Aktion, Ihr seid voll die guten Menschen. Voll süß, der Aufstand der Reichen.

Selbst die super sympathische Deutsche Bank, die mit Menschenfreund Donald Trump, Geschäfte macht(e), lässt ihre Mitarbeiter nicht mehr in des Sultans homosexuellenfeindlichen Hallen übernachten. Da leidet der Sultan sicherlich ganz doll, wenn er auf einige lächerliche Millionen Einnahmen, durch die paar Luxus-Hotels, verzichten muss. Ein bisschen Taschengeld weniger, nichts im Gegensatz zu den Gewinnen aus seinem Hauptgeschäft durch Öl und Gas.

Boykottiert die Hotels! Boykott ist wieder sexy.  Reserviert keine Zimmer in Hotels, die Ihr euch eh nie leisten konntet. Fleißig wird in den sozialen Medien geteilt. Sie sind sich einig, alle Deine Freundinnen, die Lehrer, die Krankenschwestern, die Studenten, die Instagrammerinnen, die Bildschirmaktivisten, die ihre Kinder nach wie vor in Rosa für Mädchen und Blau für Jungs einteilen. Solche, die auf Dorffesten „voll schwuuuull“ schreien, wenn ihnen etwas komisch vorkommt. Solche, die mit EasyJet fliegen und in Ibis Styles Hotels übernachten 

Was würde passieren, wenn der Sultan EasyJet und die Ibis-Kette aufkaufen würde? Würdet Ihr immer noch boykottieren? Ja? Dann brauchen wir uns ja keine Sorgen machen. Es ist so einfach, ein guter Mensch zu sein.

Zuerst veröffentlicht am 9. April 2019, Lëtzebuerger Journal