Vom luxemburgischen Rap-Song FCK LXB von Turnup Tun fühlten sich einige sehr luxemburgische Luxemburger angegriffen, erstatteten Anzeige, der Fall kam vor Gericht. Es begann eine längst nötige Debatte über Zensur und Ficken.

Die Luxemburger werden nicht gerne gefickt. Das ist zwar schade, aber dann müssen die paar übergebliebenen, fickwilligen Inländer dafür eben ins Ausland. Ist drüben sowieso günstiger. Ganz besonders fällt auf, dass die Luxemburger nicht gerne gefickt werden, die Zeit ihres Lebens damit verbringen andere links-grün-versiffte Luxemburger oder Ausländer mit Wohnsitz in Luxemburg, zu ficken. Es sind die werten Herren und Damen von rechts außen. 

Ich erinnere mich an einen Like, der Asselborn eine ähnliche Spritztour in Dallas wünschte, wie sie John F. Kennedy erlebte. Geliket von dem jungen Mann, dem sich ein paar betrunkene Straßenschilder in den Weg stellten, shit happens. Ich rede von Geografielehrern und frustrierten Mitläufern, die Parallelgesellschaften prophezeien, Angst schüren und kontinuierlich den Untergang der luxemburgischen Sprache voraussagen. Das sind genau die Vögel, die nichts für die luxemburgische Sprache tun, außer sie für ihre hirnrissigen und intelligenzbefreiten Ideologien zu missbrauchen.

Nichts neues, sagst du, du hast recht.

Neu ist, dass diese von Missmut durchtränkten Populisten mit ihrer Anzeige durchkamen. Im Visier der luxemburgische Rapper Turnup Tun, der mit einer nicht megabrillanten, aber sehr eingängigen und catchy Hip-Hop-Nummer die rechte Szene empört hat, demnach Daumen hoch, denn wer die Rechten empört, hat immer recht.

Es geht um ein paar Ficks, es wird nicht explizit erwähnt wie und wie oft und wo rein, Hauptsache danach sind alle ordentlich geféckt. Ich möchte aufs Wort fécken, also: ficken, etwas tiefer (höhö) eingehen.

Einerseits bedeutet ficken bumsen, Geschlechtsverkehr zelebrieren, den Akt vollziehen, hämmern, tackern, ihr wisst schon und andererseits gibt es Ficken wie, na ja, fick dich, geh mir nicht auf den Sack, du nervst, ich scheiße auf dich … ah! Scheißen? Ein Genuss, die Fäkalsprache.

Nehmen wir kurz mich als Beispiel. Es gibt einige Kritiker, die mir unter anderem, in meinen Büchern, vorwerfen, dass ich zu viel Fäkalsprache benutze, das finde ich nicht, also ist meine Antwort klar: Ich scheiße auf euch Kritiker. Würde ich real auf diese Kritiker scheißen, also Hosen runter, Unterhose und defäkieren? Nein, das mache ich nicht. Ich drücke mit diesen Worten lediglich aus, dass sie mir egal sind, ihre Meinung nicht relevant ist, dass sie mir leidtun, in ihren viel zu engen Redaktionsräumen, in denen die gescheiterten Romanciers sich tagtäglich aufhalten müssen. Das ist ein gutes Beispiel, oder? Nichts zu danken.

Zurück zum Ficken. Nicht wenige Internet-Aktivistinnen setzen sich dafür ein, dass Ausdrücke wie fick dich ganz aus dem Sprachgebrauch verschwinden sollen. Warum? Sie befürchten, dass mit dem entsprechenden Sprachgebrauch zu Vergewaltigung und allgemein sexueller Gewalt aufgerufen wird, die sexuelle Demütigung, Teil des Ausdrucks ist. Das mag in einigen Situationen stimmen, in diesem Fall aber nicht.

Ein Fick dich, Luc oder fick den Luc bedeutet nicht, dass der Rapper dazu auffordert, dass seine Zuhörerinnen und Zuhörer mich aufsuchen sollen, um mich wortwörtlich zu ficken. Ohne mein Einverständnis, eine Vergewaltigung also. Worte bedeuten nicht immer das, was der Duden vorschreibt, jedes Milieu, jede Szene, jeder Mensch benutzt Sprache so, wie es ihm passt. Buppen (früher ein luxemburgisches Wort für Kartoffeln, heute für Geschlechtsverkehr) sind auch nicht zwingend für alle Luxemburger Kartoffeln, richtig? Genau, ficken!

Auch ist die Hip-Hop-Szene nicht dafür bekannt, dass ihre Protagonisten Worte wie ficken oder Hurensohn scheuen. Dafür ist nicht jeder Hurensohn der Sohn einer Hure. Richtig? Eben… Ich schreibe das nicht, um über diese Art Sprachgebrauch zu werten, nur will ich veranschaulichen, dass Hip-Hop eine eigene Kunstsprache hat und sich oft über eine derbere Wortwahl Gehör verschafft. Das musst du nicht mögen, hat aber seine Daseinsberechtigung und eine treue Community. Und das muss eine Demokratie aushalten und besonders solche, die immer wieder schwören, dass sie feine Demokraten sind.

Die ersten Zeilen aus Turnup Tuns Nummer sind wie folgt: Féck Lëtzebuerg, Féck dat ganzt Land, Féck Intoleranz, A Leit ouni Verstand, Féck den Haff, Net gewielt an net geschenkt, Féck deng Gang, Nee ech sinn net aleng (Fick das ganze Land, Fick Intoleranz und Leute ohne Verstand, Fick den Hof, nicht gewählt und nicht geschenkt, fick deine Gang, nein, ich bin nicht alleine)

Es braucht keinen besonders klugen Menschen, um zu kapieren, dass hier niemand wirklich gefickt werden soll. Die Aussage ist: Wir scheißen auf Nationalisten und Intoleranz, mehr nicht.

Später im Song werden ein paar Menschen namentlich, mit dem kleinen feinen Wort Féck davor, erwähnt. Drei unter ihnen erstatteten Anzeige, Persönlichkeitsverletzung, Beleidigung und so. Das Gericht sprach Turnup Tun erst mal frei.

Interessant ist vor allem, dass die gleichen Leute, die ihre ganze Politik und ihr ganzes Leben auf Ausländerhass und Ausgrenzung aufbauen, Hate-Kommentare liken, die Menschen böses wünschen, plötzlich die sind, die den Rechtsstaat auf ihrer Seite sehen wollen, denselben, den sie sonst allerhöchstens herablassend belächeln., weil lëtzebuergescher (!!!) Rap sie kritisiert, die Lëtzebuergesch Sprooch sie ordentlich gefickt hat … herrlich, die Ironie und die immer wiederkehrende Erkenntnis, dass nichts im Leben geschenkt ist, am allerwenigsten die Intelligenz und noch weniger ein guter Fick.