ALLES SCHWARZ

Am letzten Freitag war alles schwarz. Wie jeder andere Tag im Herbst und Winter auch, ab 16.00. Nur an diesem konkreten und besagten Freitag kannst du endlich richtig absahnen. Du kannst deine ganze Langeweile mit fünfzig Prozent Rabatt totkaufen. Auf Reiseportalen, im Provinz-Supermarkt oder beim miesen Internetgiganten. Black Friday, auch super: Black Friday Week. Ein schwarzer Freitag, die ganze Woche lang.

Ich schreibe die heutige Kolumne also nur, um mir diesen, möglicherweise völlig grundlosen Hass von der Seele zu schreiben. Die Kolumne als Ventil, es ist schöner, den Schmerz mit ein paar Leserinnen zu teilen.

Wie „so ein schlechter Ohrwurm“, wie die „Deckkäpp“ oder andere „So Sachen“, die viel zu laut sind, völlig nutzlos, nicht witzig, nicht erhellend (ich sage jetzt nicht, dass alles immer erhellend sein muss, zum Beispiel finde ich Miley Cyrus „richtig cool“) und zu allem Übel, immer viel zu viele Menschen anziehen. Klar kannst du vier wichtige Denker ins neimënster einladen, die Ideen zu einer besseren Welt diskutieren. Mit Glück verirren sich zwanzig Menschen dorthin. Außer natürlich du heißt Richard David Precht, der Black Friday unter den Denkern. Na gut, ein andermal, pardon.

Da strömen sie vor sich hin, diese von Gier getriebenen Massen. Stopfen die Tüten voll mit Geizgeilheit-Schnickschnack, bevor sie später zu Fridays for Future eilen. Natürlich kommt die Tradition, wie alle anderen geilen Traditionen auch, aus den Vereinigten Staaten: Thanksgiving, Halloween und eben Black Friday, tatsächlich ein reiner „Wirtschaftstag“. Wikipedia erklärt, und sie hat immer recht, dass die Amis den Tag nutzen, da Brückentag, da zwischen Thanksgiving und Wochenende, um die ersten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. 

Es genügt also nicht, wie jeder normale Mensch, am 24. Dezember so schnell wie möglich, bevor die Läden um 16.00 schließen, alle Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Nein, am besten gleich schon am Black Friday anfangen. Ist doch völlig klar. Warum auch den Brückentag für Zeit mit der Familie nutzen. Das war doch die Idee von Weihnachten, oder? Aber hey, „komm Familie, wir gehen Schnäppchen in der hässlichen Mall jagen.“

Black Friday. Ein Tag ohne Sonne, ein Tag, inmitten unzähliger Debatten, dass die Welt, so wie sie gerade ist, für in naher Zukunft kommende Generationen nicht mehr lebenswert sein wird. Black Friday, black week, black year. Kommt einfach weiter kaufen. Denkt nicht nach. Die vierte Visa gibt‘s umsonst dazu. Hauptsache dein zweites Smartphone bekamst du for free dazu, denn genug ist lange nicht genug.

Zuerst veröffentlicht am 4. Dezember 2019, Lëtzebuerger Journal