ICH BIN AUCH HEUTE IMMER NOCH MÜDE

Womöglich werde ich es auch morgen sein. Gestern hat mich ein junger Mann, jung, wie ich selbst ein junger Mann bin, gefragt, ob Schreiben mein Hobby ist. „Bloß nicht“, habe ich gesagt. Hobbys und ich, nein, das geht nicht, habe ich nicht gesagt. Puzzlespiele, Bastelkeller oder Seehofer: Zeitvertreib im Untergrund, nein, das ist nicht mein Ding. Schreiben ist Leben oder Leben ist Schreiben oder mein Leben ist meine Geschichte, beziehungsweise wird deine zum Plot meines Lebens. Du, junger Mann, du bist nun Teil meiner Geschichte, meines Schreibens. Das alles habe ich auch nicht gesagt. Ich habe gefragt, ob ich ihm was zu trinken holen soll. Die Getränke wären schließlich umsonst. Er hat gelacht. Nicht weil ich so wahnsinnig witzig war. Nichts zu danken, habe ich auch nicht gesagt.

Das Jahr endet heute. Jedes Jahr endet ein Jahr. Das machen Jahre so. Nach zwölf Monate hören sie auf und beginnen dann wieder von vorne. Mit dem ersten Monat des Jahres, wie all die Jahre davor. Und jedes Jahr ist es ein gutes oder schlechtes oder mittelmäßiges oder gleichgültiges Jahr gewesen. Aber morgen wird bestimmt alles besser, noch mittelmäßiger, noch besser. Jedes Jahr. Die Kartons sind gepackt, werden kurz vor Mitternacht in den Keller gestellt und neue Kartons sind bereit, mit Neuerlebtem vollgestopft zu werden.

Kein Arschloch sein, das ist ein guter Vorsatz, wenn es denn einen geben muss. „Du bist nicht so einer, der Vorsätze hat“, hat irgendjemand irgendwann zu mir gesagt. Aber kein Arschloch sein, das ganze Jahre über, Jahr für Jahr, das ist doch schon etwas. Und „Einfach mal Fresse halten“, wie ich neulich auf FluxFm gehört habe, das ist auch nicht schlecht. Und ob dein neues Tier wirklich einen eigenen Account auf Instagram braucht, ist vielleicht auch eine Überlegung wert. Klar ist es süß. Klar liebst du es ganz doll, aber braucht das Tier zusätzlich (virtuelle) Aufmerksamkeit? Denk da mal drüber nach.

Ich denke, dass es besser, bestenfalls ziemlich gut, wird. Die Getränke sind kalt, der Countdown bereit, die Menschen, wie sie sich selbst so gerne nennen, tendenziell etwas überdreht. Wir werden sehen.