GEDANKEN ZUR LAGE AUF DEM WEG ZU RUHE UND GELASSENHEIT

Auf dem Weg zu mehr Liebe brauche ich weniger Hass. In mir. Auf mich. Auf dem Weg zu einem Kaltgetränk brauche ich Durst. Und Eiswürfel. Auf dem Weg zu mehr Verantwortung muss ich loslassen. Und beim Hochschauen fliegt eine Taube vorbei, sie kann mich kreuzweise. Auf dem Weg zu mehr Frieden brauche ich echte Konfrontation. Wahrhaftige Zusammenstöße. Unterwegs zum letzten Mohikaner ist wahrscheinlich viel Blut geflossen. Auf dem Weg zum Superstar bedarf es keiner Scheu vor der Straße. Auf dem Weg zum Schuss Milch muss heute keiner sterben. Jedenfalls kein Mensch, vielleicht aber eine Kuh oder eine Pflanzengattung.

Wenn du wirklich davon überzeugt bist, dass alle Lebewesen gleich sind, lass deinen Hund laufen, die Mücke leben und das Mittelmeer austrocknen.

Auf dem Weg in eine neue Zeit musst du aus der alten gelernt haben. Oder auch nicht, aber dann wird es eine scheiß neue Zeit. Auf dem Weg zu uns muss ich an mir vorbei. Und zwar so, dass ich keinen Blick mehr nach hinten riskieren muss. Kein Rückspiegel, kein blinder Fleck. Für eine Nacht braucht es endlich wieder einen Tag, den ich auch wirklich erlebe.

Keine Eilmeldungen über infizierte Biere, keine ergrauten Überlebende, die tödlichen Erkrankungen nachtrauern. Gestern da lag er noch neben dir, heute ist er weg. Den Weg können wir nur Hand in Hand gehen, aber erst will ich in den Spiegel schauen, ganz ohne Arme. Wie sieht das aus?

Wie siehst du heute wieder aus?

Du musst die Welt umarmen oder zumindest den regionalen Helden, lass es eine Heldin sein, aber regional, das muss schon sein. Lass es auf keinen Fall ein Rückspiegel sein. Auf dem Weg zum irreversiblen Muss braucht es einen absoluten Willen. Und wo kein Weg vorbei führt, stehst du. Wenn ich dich sehe, will ich mich nicht mehr in Luft aufgelöst verstehen. Was ich erkenne, sind nicht die Türen, die sperrangelweit offen stehen.

Daneben ist eine Mauer. Da will ich durch. Break it like Copperfield. Wenn du alles falsch machen willst: Never kill your idols. Oder werde Zauberer. Lass es eine Zauberin sein. Lass es einen schlechten Übergang werden und lass dich verzaubern, werde deine eigene TV-Show und mach es ganz ohne Ironie. Es klatschen keine beautiful people, sie sind nur laut, denn die Bude ist voll people. Her mit dem Bier, auf dem Weg zum Deichkind Konzert, musst du erst deine Jacke in der Garderobe abgeben. Es ist Winter. Auf dem Weg zur Jacke darfst du deine Marke nicht verlieren. Deinen Sinn für schlechte Floskeln auch nicht.

Markiere dein Terrain, lass es meinetwegen ein Glückskeks sein. Auf dem Weg zur Hölle musst du zwischenzeitlich ein Stück vom blauen Himmel abbeißen. Du schreibst mir eine Nachricht, dass du das heute schon gemacht hast. Hat gut geschmeckt. Sagst du. Ich schreibe nicht zurück. Ich komme da nicht ran und meine Zähne sind faul oder gelb oder beides.

Zu blau für dich.

Das kann nicht sein, antworte ich nicht, ich torkle einfach weiter. Das hat früher funktioniert. Warum soll es nicht ewig so weitergehen? Zu viel Stau für mich, aber es geht weiter, langsam, aber immer weiter. Auf dem Weg zum Text speichere ich sicherheitshalber den Entwurf. Besser als nichts ist nicht der richtige Weg, wenn es besser werden soll. Auf dem Weg zur Aufregung muss dir richtig lange langweilig sein. Und wenn ich mich auf den Weg zu dir mache, darf er nicht an mir vorbei führen.