TAG3+4_TEST ONE TWO ONE TWO: DIE SONNE SCHEINT IMMER NOCH

Kennt ihr den Witz? Von Otto? Im Altenheim?

Seid ihr alle da? Aber nicht mehr lange.

Derzeit ist es schwer, darüber zu lachen. Klar, es war nie wirklich okay darüber zu lachen, ohne sich ein bisschen zu schämen, sich schlecht zu fühlen, aber jetzt könnte der Witz Realität werden, aber nicht mehr lange als Synonym für ein oder zwei Monate, wenn die Isolation, die Maßnahmen nicht greifen, wie die Wissenschaftler, Expertinnen und Politiker warnen.

Es ist kein Spaß. Es werden Situationen im Hochsommer entstehen, in Ländern, über die wir derzeit kaum reden, da wir so sehr mit uns selbst beschäftigt sind und sein müssen, die uns an reine Horrorszenarien aus Science-Fiction Filmen erinnern werden. Wir werden an emotionale Grenzen stoßen. So oder so ähnlich behauptet es Virologe Christian Drosten im Interview mit Jan Böhmermann und Olli Schulz in der Episode Fest & Flauschig Zuhause – 01 vom 18. März 2020 auf Spotify. Wer kompakt, sehr deutlich, die derzeitige Situation noch einmal richtig kapieren will, dem sei diese Folge doch sehr empfohlen.

Und das Intro zum Katastrophenfilm bietet uns derzeit bereits Italien, wo über siebzig italienische Militärfahrzeuge die Särge aus den Krankenhäusern abholen, um die Verstorbenen andernorts zu begraben oder einzuäschern. An einem Tag: 475 tote Menschen. Und zu sagen (Stichwort: Whataboutism), dass in Griechenland, dass im Mittelmeer, dass hier und dort, ändert nichts an dieser Tatsache und doch, es stimmt, ist es unerträglich, dass auf dieser Welt derzeit so viel Leid ist (immer schon war) und vielen Menschen nicht geholfen werden kann. Oder könnte, wenn … Wir müssen diese globale Krise auch als Chance begreifen, dass der Egoismus, der stetige Wachstum auf Kosten von Menschenleben aufhören muss und wir näher zusammenrücken müssen. Aber bis dahin … bis dahin werden wir Hauptprotagonisten eines Schauspiels ohne Fiktion und vorgeschriebenes Drehbuch. Und wenn es vorbei ist, haben wir die Chance zu schöneren Menschen zu werden, einen Gesellschaftswandel, der unaufhaltbar ist und wird, zum besseren mitzugestalten.

Schwer zu kapieren, dass die oft zitierte Naturkatastrophe in Zeitlupe erst am Anfang stehen soll. Was soll denn noch passieren? Nichts Gutes und wir müssen alle mit anpacken, um den Supergau zu verlangsamen und nicht komplett eskalieren zu lassen. Dass aus nichts Gutes bestenfalls doch nicht ganz so schlimm wird.

Erst der Anfang, ey, scheiße, dachte ich heute Morgen. Die Sonne schien mir ins Gesicht. Immerhin das. Dann die nächste Nachricht: In Luxemburg, diesem kleinen Mini-Ding, sind binnen 24 Stunden 134 neue Infektionen positiv getestet worden und zwei weitere Tote. Das ist verdammt viel und es sind nur Zahlen, da wird oft vergessen: Dahinter stecken Menschen, wie du und ich, mit Familie, Angehörigen, die ihrer und der Sicherheit ihrer Mitmenschen wegen komplett isoliert bleiben müssen, um nicht angesteckt zu werden. Eine Herausforderung für die psychische und physische Gesundheit. Du bist besser allein, was für eine Zumutung, wenn es aktuell nicht die einzige Lösung wäre.

Surrealer Shit, wie die coolen Kids in den Straßen von Berlin sagen, wenn sie zusammen im Park sitzen, diesen Corona nicht so ernst nehmen.

Fick Corona

schreien sie!

Umarmen sich einander, küssen gegen die Panikmache … Nur aufpassen, dass Corona euch nicht fickt. Corona akzeptiert kein Nein. Er will immer mehr. Immer weiter, schneller, noch mehr … Erinnert mich an einen Krebsfall in meiner Familie, als der Arzt erklärte, dass alles, was dieser scheiß Krebs will, wachsen ist. Um ihn zu stoppen, sind drastische Maßnahmen nötig. Offensichtlich. Und der Ausgang immer ungewiss. Bereits nach vier Tagen in Isolation flirte ich mit dem Gedanken, dass es bestimmt gleich vorbei ist, versuche den Ernst des Geschehens zu verdrängen. Schließlich ist bald Festivalsaison, schließlich ist die Pauschalreise (naja, die nicht wirklich) längst gebucht, schließlich ist doch Sommer und Sommer ist immer geil, weil Sommer eben. Und Sonne. Mit diesen rotfarbigen Getränken auf heruntergekommenen Holztischen. Mit Menschen, die einen anlachen, einfach so. Und nicht selten sind sie dabei knapp bekleidet, was einen doch immer wieder freut. Im Sommer. Innere Werte dürfen situationsbedingt auch mal überbewertet werden.

Wie geht es weiter? Frag mich nicht. Ich habe keine Ahnung. Gestern habe ich mich so viel über diesen Virus informiert, bis mir ganz schummerig wurde. Ich habe exakt den Fehler gemacht, vor dem ich im letzten Beitrag gewarnt habe. Heute bin ich ruhiger. Das ist schön. Ich hoffe, du bist es auch. Ich hoffe, du kriegst dich beschäftigt und bist bereit weiterzumachen, weiter auszuhalten, weiter gemeinsam alleine zu bleiben. Und schon bald nehmen wir uns in den Arm.

Bis dahin: Schreib mir übers E-Mail Formular, wenn du Bock hast oder Zeit totschlagen willst und was loswerden willst. Schreib Tagebuch. Schreiben tut gut, du musst es ja nicht zwingend veröffentlichen. Beweg dich genug innerhalb deiner vier Wände. Mach 7-Minuten-Training, dein Körper wird es dir danken. Geh joggen und halte Abstand zu den (hoffentlich) wenigen Menschen, die dir auf der Straße begegnen. Such dir Quellen, auf die du dich verlassen kannst, um über aktuelle Geschehnisse im Bild zu bleiben, aber ohne alle fünf Minuten den Aktualisieren-Button zu drücken. Versuch also informiert zu bleiben, ohne dich (wie ich, gestern) wahnsinnig zu machen. Vertrau der Wissenschaft, vertrau Fakten. Nicht diesen ominösen Freundinnen und Freunden, von denen einige in deinen und meinen sozialen Netzwerken herumschwirren, die die ganze Krise nicht in ihrer Komplexität begreifen wollen und wilde Verschwörungstheorien entwerfen. Es ist nie einfach, nie nur, sondern immer ein Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren. Kurz: Sei kein Arschloch.

Liebe, Luc

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