Autor: Luc Spada

Luc Spada schreibt Theaterstücke und Bücher. Als Schauspieler ist er in Haupt - und Nebenrollen in verschiedenen internationalen Film – und Kurzfilmproduktionen zu sehen. Auch tourt der luxemburgische Künstler mit unterschiedlichen Performances und literarischen Soloshows durch den gesamten deutschsprachigen Raum. 2010 wurde Luc Spada mit dem Künstlerstipendium der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens in Berlin ausgezeichnet.
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HITZE

Ich frage nach der Rechnung, zahle zwanzig Euro. Davon sind zwei Euro Trinkgeld, etwas mehr als zehn Prozent. Ich kenne Leute, die nie Trinkgeld geben. Die gleichen Menschen, die zu viert für vier hundert Euro essen gehen, einzeln zu zahlen wünschen, die Rechnung genauestens auf Fehler überprüfen und debattieren, ob es fair ist, die Rechnung durch vier zu teilen, weil eine Person am Tisch ein Sprudelwasser mehr als die anderen hatte. Aber danach verkünden sie auf Instagram und Facebook, was für einen tollen Abend sie zusammen verbringen durften, Freunde sind doch das wichtigste. #nightoutwithfriends.

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VINCENT IST HOMOSEXUELL

Vincent kriegt kein‘ hoch, wenn er an Mädchen denkt, heißt es gleich zu Beginn der Single-Auskopplung. Was das wohl bedeuten soll? Sehr geehrte Damen und Herren, Vincent ist homosexuell, schwul, nicht heterosexuell, steht also nicht auf Frauen. Es ist die Geschichte eines Sohnes, der sein Coming-Out wagt, die Mutter völliges Verständnis dafür zeigt und ihren Sohn mit Liebe überschüttet, unabhängig seiner sexuellen Orientierung. Ein schöner Popsong auf der richtigen Seite der Menschlichkeit, wenn man so will.

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ESPRESSO

Beim Espresso gibt es einen gravierenden Unterschied, und das ist sein Konsument. Der Espresso-Trinker setzt sich hin oder bleibt gar stehen, wie das oft in Portugal der Fall ist, kippt das Ding runter und verschwindet wieder, weil er zur Arbeit muss, noch zu tun hat, auf der Durchreise ist. Die andere Hälfte der Espresso-Trinker und -Trinkerinnen bleibt sitzen, lässt den Espresso in Ruhe kalt werden, es ist ihm egal, wie er schmeckt. Hauptsache, er hat das günstigste Getränk im Laden bestellt. Er liest Zeitung, den neuen Roman von Haruki Murakami oder Michel Houellebecq, arbeitet, zeichnet oder schaut einfach so vor sich hin.

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GAME OVER

WE WANT MORE, schreit die Meute, und ich frage mich, von was sie eigentlich mehr will? Mehr vom überteuerten Toast? Ein weiteres mies gezapftes Bier? Oder Sex? Wollt Ihr mehr Sex? Jaaaaaaa! Ach, fickt euch, am Ende müsst Ihr da alleine durch. Ihr wisst doch, dass die Zugabe mit eingeplant ist, Idioten. Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach dem lyrischen Ich, äh Wir, lyrisches Wir, mir krabbelt das grüne Tier den Hals hoch, ich will jedenfalls nicht mehr. Ich puste, treffe das blöde Tier nicht, es krabbelt weiter, wir werden Freunde. Und Ihr so, äh, was krabbelt euch hoch? Bestenfalls nicht die Galle, höhöhö.

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ZUSTAND:F****N

Interessant ist vor allem, dass die gleichen Leute, die ihre ganze Politik und ihr ganzes Leben auf Ausländerhass und Ausgrenzung aufbauen, Hate-Kommentare liken, die Menschen böses wünschen, plötzlich die sind, die den Rechtsstaat auf ihrer Seite sehen wollen, denselben, den sie sonst allerhöchstens herablassend belächeln., weil lëtzebuergescher (!!!) Rap sie kritisiert, die Lëtzebuergesch Sprooch sie ordentlich gefickt hat … herrlich, die Ironie und die immer wiederkehrende Erkenntnis, dass nichts im Leben geschenkt ist, am allerwenigsten die Intelligenz und noch weniger ein guter Fick.

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GAME OF ANSTRENGENDE FANS

Was sollen unsere Nachfahren, unsere Kinder, über uns denken? Wir, die Würdelosen, die Idioten-Generation, die nicht mitbekam, dass der Erdball abbrannte, die Generation, die für jede Wahl ihre Bürger anbetteln muss, um von ihrem Demokratierecht Gebrauch zu machen, aber jederzeit mehr als eine Million Menschen im Internet mobilisierte, um Petitionen zu gründen und zu unterschreiben: Für freundlichere und fangerechtere Enden ihrer Lieblingsserien.… Das kannst Du Dir nicht ausdenken…. *blau angelaufener Smiley mit groß aufgerissenen Augen*.

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NUR DA SEIN

In der Lobby des entsprechenden Gebäudes angekommen, läuft er, wie auf Auto-Pilot eingestellt, zuerst zum dort zur Verfügung gestellten Desinfektionsstand, desinfiziert sich die Hände, vergisst die Zwischenräume der Finger nicht, geht zum Aufzug, geht hinein, drückt Nummer 2 und steigt im zweiten Stockwerk wieder aus, wo er sich gleich nochmal die Hände desinfiziert, da er doch die Aufzugknöpfe berührt hat. M. kennt den Weg zur zuständigen Station für seine geliebte W., er weiß immer genau wohin, nur ab und zu wechseln die Zimmer. Routine ist derweil die einzige Sicherheit. Ab heute ist es die Nummer 227, ein Spezialzimmer, wo W. für zwei Wochen untergebracht ist. Hier wird sie vor der Außenwelt geschützt. Jede Bakterie, jedes in der Luft schwebende Ding, weswegen W. auch die Fenster ihres Zimmers nicht öffnen darf, könnte für W. lebensbedrohlich sein, ihr Immunsystem ist sehr schwach. Ihr würde es sowieso an der nötigen Kraft fehlen, das Fenster zu öffnen.

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EUROPA

Natürlich ist es bequem zu sagen; dass wählen eh nichts hilft, weil die da oben alle korrupt sind, alle von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, die Parlamentarier in Brüssel immer nur kurz ihre Unterschrift lassen, um 300 Euro zu kassieren und sich dann im Stadtzentrum einen Bunten machen, die wirklichen Probleme eh nicht gelöst werden, ja, alles das, was Du sagst, weil Du keinen Bock hast, Dich damit zu beschäftigen, weil Du sagst, dass Du genug Probleme hast; Dein Freund nervt, Deine Vermieterin nervt, Dein Hund Durchfall hat, Dein Nachbar hässlich ist, Du einfach zu viel gesoffen hast und nicht zur Wahl gegangen bist, ja, das kannst Du sagen, das kannst Du alles machen, aber dann wundere Dich nicht, wenn die Faschisten Europa wieder belagern, wenn Minderheiten ausgerottet werden, wenn Du am Flughafen über zwei Stunden warten musst, weil die Pässe innerhalb Europas kontrolliert werden, dann halt bitte auch den Mund, dann sind nämlich nicht die da oben Schuld, sondern einfach nur Du, Du nicht wählender dummer Mensch.

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POP UP

Immer ein wenig arrogant, denn arrogant wirkt wichtig, weil arrogant ist sexy, das hat Dir der Barista, aus dem kultigen Kaffeeladen, bei Dir um die Ecke, ins Ohr geflüstert. Auch er tut nur so, schließlich ist er Schauspieler, „eigentlich hab ich ja Schauspiel studiert“, sagt er, „aber die da draußen erkennen mein Genie einfach nicht, meine Zeit kommt schon noch“, sagt er auch, die ganz große Zeit.

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ZU VIELE INFORMATIONEN

Wir wissen erstaunlich viel, und genau das ist das Problem, wir haben die Wahl, jeden Tag, entscheiden nichts, schauen zu, laufen zur Arbeit, laufen nach Hause, zahlen, verdauen, duschen, schlafen, essen, machen Sport, zahlen, holen uns den Schein für die Weiterbildung ab, hüpfen zu lauter Rockmusik, gehen ins Theater, konnten uns identifizieren, lesen die Nachrichten, können es nicht fassen, grausam, Tote, jeden Tag, nur ich, nur wir, leben wir noch?

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DU HAST KEINE WAHL

Familie ist wichtig, das wird oft gesagt und mag stimmen. Familie ist anstrengend, das mag auch stimmen. Familie ist alles, das mag gelegentlich stimmen, hoffentlich oft. Familie kann vieles sein. Familie kann mehr sein, als Du Dir je gewünscht hast, hättest Du Dir denn, kurz vor Tombolaziehung, was wünschen dürfen. Manchmal ist Familie viel zu wenig und man wünscht sich jeden Tag mehr, mehr Aufmerksamkeit, mehr Liebe, aber Du weißt, es ist nun, wie es ist, das ist eben Familie. Die Tombola ist unwiderruflich.

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DAS IST GELD

Apropos Geld. Georges Clooney, Nespresso-Ehrenmann, Klimaschützer und Sexiest Man Alive (1997) hat auch von dieser Sache mit Brunei gehört und fordert zum Boykott aller Hotels, die durch den Sultan finanziert werden, auf. Hotels in Los Angeles, Beverly Hills, London, Ascot, Mailand, Rom und Paris. Selbst Lena Meyer-Landrut kann die Menschenrechtsverletzungen nicht mehr hinnehmen und sieht sich nun gezwungen, andere Fünf-Sterne-Hotels buchen zu müssen. Geile PR-Aktion, Ihr seid voll die guten Menschen. Voll süß, der Aufstand der Reichen.

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OH LOVE

2019. Du bist wohl erfolgreicher als je zuvor. Ich bin, naja, ich bin halt immer noch… da. 2019. Dein Jahr. Es ist viel passiert in den letzten Jahren, wie man es auf Instagram verfolgen konnte. Mal hast du einen Bikini an und postest es auf Instagram. Dann hast du deinen Bikini wieder aus und postest es auf Instagram. Nicht zu vergessen sind auch deine unverwechselbaren saugut bezahlten Partnerschaften mit großen Kosmetikunternehmen: Ey Leute, dieser Lippenstift ist so krass rot, seht ihr? Wie krass rot der ist? Ihr müsst den unbedingt kaufen. Mega rot.

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WORKSHOP / WORDEXPLOSION

Im Rahmen des SNJ-Empowerment-Programms haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer meines Schreibworkshops über Monate hinweg ihre Gedanken, Ideen, Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste niedergeschrieben. Die Meisten unter ihnen wollen anonym bleiben, beziehungsweise ihre Texte nicht (oder nur zum Teil ) veröffentlichen. Um dennoch einen kleinen Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen, habe ich Ausschnitte, Sätze und kleine Geschichten von den jeweiligen TeilnehmerInnen als Audiodatei über -, unter -, nebeneinander gelegt, auf deutsch, französisch, englisch und luxemburgisch.

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0204

Am Sonntag war #TransDayOfVisibility, ein Tag vor dem 1. April. Gegen die Marginalisierung und Diskriminierung von Transsexuellen, für die Akzeptanz aller Geschlechteridentitäten. Der Tag macht Sinn und ist sehr wichtig, denn er setzt sich für mehr Humanismus ein. Jedenfalls mehr als Weihnachten. Politische, auf ein Thema aufmerksam machende Tage, wenn man so will, sind wichtig. Also: Die Themen selbst sind relevant, aber was ist mit den anderen Tagen? Wenn zum Beispiel Welt-Aids-Tag ist, ist dann nicht mehr Weltfrauentag? Und wenn internationaler Frauentag ist, ist dann Diskriminierung von Transsexuellen kein Thema mehr?

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EIGENTLICH SOLLTE ICH DAS JETZT SO ÜBERHAUPT NICHT

Mit mir an diesem Tresen sitzen zwei Männer, ja, nur Männer sitzen an diesem Tresen, ich weiß, ich bin auch für eine Quote. Einer der beiden Männer stinkt wahnsinnig. Nach Verwesung, nach faulen Eiern, nach abgestandenem Alkohol. Er nervt. Er ist so einer, der nervt, ihr wisst schon. Er redet über eine Kopie aus Luxemburg, dann Niederlanden, Homo-Ehe, dann die Juden irgendwas, 1890, dann höre ich 15. Dezember, ich höre Adolf, ich höre Nassau. Ich höre Bettel. Ich höre Juncker. Der Zusammenhang ist ja klar. Ist ja wirklich klar. Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden. Ich denke „fickt euch“. Nein, fickt euch wirklich. Ich denke aber auch, dass ich eigentlich nichts gegen sie habe. Jetzt denkt ihr, ah, Spada und sein ficken. Nein, fickt euch wirklich.

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DIE VERDUMMUNG

Gesagt, ein paar Tage später getan. D. stellt Refrain aus den 80er zur Verfügung und C.B. rappt irgendeinen Scheiß dazu, wie etwa, dass Cherry Cherry Lady etwas besonderes ist, fürs Leben oder halt auch nur für eine Nacht. Cherry Lady tanzt im Wonderbra und String dazu, als hätte sie nie was anderes gemacht. Wahrscheinlich hat sie nie was anderes gemacht. C.B. und D. machen jetzt Geld zusammen. Mit diesem scheiß Lied und ihrer scheiß Attitüde wollen sie nun Deutschland rasieren, wie man auf HipHop sagt. Irgendwann ganz Europa, dann die ganze Welt.

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DIE VERBITTERUNG

Man kann davon ausgehen, dass diese alten Säcke ein schlechtes Gewissen haben. Ganz tief drin, wenn man überhaupt von Tiefe sprechen kann. Insgeheim wissen sie, dass sie es waren, die unsere Umwelt verpestet haben. Es ihre Schuld ist, wenn die Meere voll mit Plastik, aber ohne Fische sind. Sie haben den ganzen Lachs ja auch weggefressen. Sie haben mit ihren fetten Autos die Crème de la Crème von krebserregenden Stoffen in die Luft geblasen, und ja, vielleicht sind sie auch einfach nur wütend, denn bald sind sie tot, viele Jahre sind es nicht mehr und vielleicht, es ist nur eine Vermutung, gönnen Sie diesen verdammten, verträumten und voll mit Hoffnung gepumpten ekligen jungen Menschen keine Zukunft, weil Sie in dieser längst keine Rolle mehr spielen werden.

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SO NORMAL

ABER sagst Du. Nach ABER machst Du immer eine kleine Pause und deutest an, dass jetzt aber wirklich ein wichtiger Satz, ein ganz normaler Satz kommt. Du wackelst komisch mit dem Kopf, spielst die niedliche Verwirrte, lässt ein paar „ähms“ und „ähs“ verlauten und erzählst dann, wie wichtig die anderen Berufe sind. Die wichtigen Berufe wie Feuerwehrfrau oder Onkologe. Du sagst, dass es DIE DOCH sind, die wahren Heldinnen und Helden und nicht so eine blöde Schauspielerin, wie Du es bist. Dann lachst Du, ein breites Lachen, strahlend weiße Zähne, so weiß, wie sie niemals sein könnten, würde Dir immer alles nur zufliegen. Die Allerjüngste bist Du ja auch nicht mehr.

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KEINE RUHE MIT NETFLIX

Für heute darf es die Geschichte von Cleo sein. Ein junges Dienstmädchen aus dem Film ROMA in Roma, ein mexikanischer Stadtteil. Der Film spielt zur Zeit des schmutzigen Krieges. Der Streifen wurde von Netflix produziert und hat so einiges an Preisen abgeräumt, selbst ein paar Oscars. Der soll richtig gut sein, obwohl er in schwarz-weiß für einen Streaming-Anbieter gedreht wurde. Wer traut sich denn sowas? Das Kino leider nicht.

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RESIDENZ ZUR CHOREOGRAPHISCHEN RECHERCHE

Annick Schadeck und ich sind mit einer Residenz in den Uferstudios für zeitgenössischen Tanz zur choreographischen Recherche ausgezeichnet worden. Gefördert durch Focuna. Mit unserem Projekt LOCKER RUF wollen wir eine Verbindung zwischen Sprache und Tanz finden. Uns an die verschiedenen Ebenen der daraus resultierenden Darstellungsweisen heranarbeiten und dessen Auswirkungen auf Choreographie und Sprache erkunden. Anschließend den Versuch unternehmen, die Tragweite unserer Ergebnisse in einen theatralischen Kontext zu setzen.

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SINGLE STRESS 2/2

Die Rezensionen besagen insgesamt, dass man sich in diese Insel einfach nur verlieben kann. Ja muss. Für F. klingt Teneriffa wie die perfekte Frau: Vielfältig, liebenswert, Paradies auf Erden, üppige Vegetation, ausgewogenes Klima. Ist das sexistisch? F. hat in letzter Zeit viel über Sexismus gelesen. Manches fand er ganz schön übertrieben, aber ja, natürlich ist auch er für die Gleichberechtigung von allen Lebewesen. Nur hoffen, dass er nicht im Süden landet.

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SINGLE STRESS 1/2

F. gönnt sich eine Woche Teneriffa im Februar. Und dafür hat er einen triftigen Grund. „Das muss jetzt einfach sein“, hat er seinen Kollegen gesagt. F. hat nur Kollegen. Freundinnen, Freunde oder eine Freundin hat F. nicht. Teneriffa-Single-Urlaub. In Teneriffa warten noch mehr Singles auf ihn. Weibliche Singles und männliche Singles, doch ist F. strikt heterosexuell und interessiert sich demnach strikt für Frauen. Nur Frauen. Gerne auch jüngere Frauen. Über 18 sollten sie aber schon sein. Da hält F. sich strikt ans Gesetz.

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AUSHALTEN

G. sagte auch, dass man sich nicht einfach überrollen lassen kann. Dass man einen Wasserrohrbruch auch abdichten würde. Wasserrohrbruch. Den Vergleich nochmal vor Augen führen: Wasserrohrbruch und Menschen, wie Familie Kurdi, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien übers Wasser flüchteten und immer noch flüchten. Wasser als ständige Bedrohung. Abdichten, aushalten oder noch besser: eine Verschwörungstheorie drumrum stricken. Fakten leugnen. Sich nicht weichspülen lassen.

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AUF JEDEN FALL DIE GANZE WELT

„Oh happy day“, hört S. Whoopy Goldberg in ihren Kopf, in Form eines Ohrwurms, krabbeln. „When Jesus washed“. Der Ohrwurm lässt sich nieder, währenddessen die Pflegerinnen die Kacke unter S. wegwischen. „Oh, when he washed“. Jetzt weiß S., wie es ist. Wenn Oma geht. Die Vorstellung wird real, aber so hatte sie es sich nicht vorgestellt. Sie hat sich eigentlich nie was vorgestellt. Aber ihre Frage, wie es wohl sein wird, wird erbarmungslos beantwortet. Von der Realität.

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GUTER RAUM, BÖSER RAUM

Wir denken an Utøya, diese unerträgliche grausame Tat. Über 60 junge Menschen fielen der wahnsinnigen Ideologie eines Mannes zum Opfer, die nichts als Hass für diese Welt übrig hatte. Die Trauer und die Verarbeitung des Verlustes um diese Menschen hatte knapp begonnen, als bereits die ersten Forderungen zur Wiedereinführung der Todesstrafe aufkamen. Tod mit Tod beantworten. Mord mit Mord. Gewalt. Gegengewalt. Die Gewalt, die von ihm ausging, wurde beinahe infektiös.

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MIT 365 FRAGEN INS NEUE JAHR

2018 hatte ich viele Fragen. Einige habe ich selbst gestellt. Einige hast du sicherlich auch gestellt. Einige, so habe ich gehört, wurden gestellt. Einige, so hast du sicherlich schon gehört, wurden gestellt. Selten hatte ich gute Antworten parat. Und du sicherlich auch nie, außer wenn du natürlich fürs Feuilleton schreibst. Du das Leben nur als Begriff verstehst. Gehört aus Romanen von Proust oder deiner Doktorarbeit. Lass uns 2019 ein paar gute Antworten finden. Hier 365 Fragen.

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SCHWULE KÄNGURUS / BYE FEIERKROP

Schauen Sie sich das Stück doch einfach mal an! Theater kann so schön sein. Vorsichtshalber haben wir zwei Tickets auf Ihren Namen reserviert. Ganz ohne Scherz. Sie werden sicherlich nicht zu einem schlechteren Menschen. Der Tiger und der Panther im besagten Stück sind wie Sie, lieber Fernand, unsicher und ängstlich. Und um sich zu schützen, verbreiten sie Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Dann aber lernen sie Django kennen, welcher ein Känguru und ganz schön cool ist, super boxen kann (Kän- gurus können nämlich prima boxen) und tatsächlich auch noch… Spoiler-Alert… homosexuell (schwul, hihi) ist und trotz- dem… Spoiler-Alert 2… immer noch cool ist und den armen Panther oder Tiger auch nicht gleich anspringt. Wo Homos sich doch so wenig unter Kontrolle haben. Wegen der Triebe und so…