EIGENTLICH SOLLTE ICH DAS JETZT SO ÜBERHAUPT NICHT

Mit mir an diesem Tresen sitzen zwei Männer, ja, nur Männer sitzen an diesem Tresen, ich weiß, ich bin auch für eine Quote. Einer der beiden Männer stinkt wahnsinnig. Nach Verwesung, nach faulen Eiern, nach abgestandenem Alkohol. Er nervt. Er ist so einer, der nervt, ihr wisst schon. Er redet über eine Kopie aus Luxemburg, dann Niederlanden, Homo-Ehe, dann die Juden irgendwas, 1890, dann höre ich 15. Dezember, ich höre Adolf, ich höre Nassau. Ich höre Bettel. Ich höre Juncker. Der Zusammenhang ist ja klar. Ist ja wirklich klar. Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden. Ich denke „fickt euch“. Nein, fickt euch wirklich. Ich denke aber auch, dass ich eigentlich nichts gegen sie habe. Jetzt denkt ihr, ah, Spada und sein ficken. Nein, fickt euch wirklich.

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DIE VERDUMMUNG

Gesagt, ein paar Tage später getan. D. stellt Refrain aus den 80er zur Verfügung und C.B. rappt irgendeinen Scheiß dazu, wie etwa, dass Cherry Cherry Lady etwas besonderes ist, fürs Leben oder halt auch nur für eine Nacht. Cherry Lady tanzt im Wonderbra und String dazu, als hätte sie nie was anderes gemacht. Wahrscheinlich hat sie nie was anderes gemacht. C.B. und D. machen jetzt Geld zusammen. Mit diesem scheiß Lied und ihrer scheiß Attitüde wollen sie nun Deutschland rasieren, wie man auf HipHop sagt. Irgendwann ganz Europa, dann die ganze Welt.

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DIE VERBITTERUNG

Man kann davon ausgehen, dass diese alten Säcke ein schlechtes Gewissen haben. Ganz tief drin, wenn man überhaupt von Tiefe sprechen kann. Insgeheim wissen sie, dass sie es waren, die unsere Umwelt verpestet haben. Es ihre Schuld ist, wenn die Meere voll mit Plastik, aber ohne Fische sind. Sie haben den ganzen Lachs ja auch weggefressen. Sie haben mit ihren fetten Autos die Crème de la Crème von krebserregenden Stoffen in die Luft geblasen, und ja, vielleicht sind sie auch einfach nur wütend, denn bald sind sie tot, viele Jahre sind es nicht mehr und vielleicht, es ist nur eine Vermutung, gönnen Sie diesen verdammten, verträumten und voll mit Hoffnung gepumpten ekligen jungen Menschen keine Zukunft, weil Sie in dieser längst keine Rolle mehr spielen werden.

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SO NORMAL

ABER sagst Du. Nach ABER machst Du immer eine kleine Pause und deutest an, dass jetzt aber wirklich ein wichtiger Satz, ein ganz normaler Satz kommt. Du wackelst komisch mit dem Kopf, spielst die niedliche Verwirrte, lässt ein paar „ähms“ und „ähs“ verlauten und erzählst dann, wie wichtig die anderen Berufe sind. Die wichtigen Berufe wie Feuerwehrfrau oder Onkologe. Du sagst, dass es DIE DOCH sind, die wahren Heldinnen und Helden und nicht so eine blöde Schauspielerin, wie Du es bist. Dann lachst Du, ein breites Lachen, strahlend weiße Zähne, so weiß, wie sie niemals sein könnten, würde Dir immer alles nur zufliegen. Die Allerjüngste bist Du ja auch nicht mehr.

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KEINE RUHE MIT NETFLIX

Für heute darf es die Geschichte von Cleo sein. Ein junges Dienstmädchen aus dem Film ROMA in Roma, ein mexikanischer Stadtteil. Der Film spielt zur Zeit des schmutzigen Krieges. Der Streifen wurde von Netflix produziert und hat so einiges an Preisen abgeräumt, selbst ein paar Oscars. Der soll richtig gut sein, obwohl er in schwarz-weiß für einen Streaming-Anbieter gedreht wurde. Wer traut sich denn sowas? Das Kino leider nicht.

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RESIDENZ ZUR CHOREOGRAPHISCHEN RECHERCHE

Annick Schadeck und ich sind mit einer Residenz in den Uferstudios für zeitgenössischen Tanz zur choreographischen Recherche ausgezeichnet worden. Gefördert durch Focuna. Mit unserem Projekt LOCKER RUF wollen wir eine Verbindung zwischen Sprache und Tanz finden. Uns an die verschiedenen Ebenen der daraus resultierenden Darstellungsweisen heranarbeiten und dessen Auswirkungen auf Choreographie und Sprache erkunden. Anschließend den Versuch unternehmen, die Tragweite unserer Ergebnisse in einen theatralischen Kontext zu setzen.

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SINGLE STRESS 2/2

Die Rezensionen besagen insgesamt, dass man sich in diese Insel einfach nur verlieben kann. Ja muss. Für F. klingt Teneriffa wie die perfekte Frau: Vielfältig, liebenswert, Paradies auf Erden, üppige Vegetation, ausgewogenes Klima. Ist das sexistisch? F. hat in letzter Zeit viel über Sexismus gelesen. Manches fand er ganz schön übertrieben, aber ja, natürlich ist auch er für die Gleichberechtigung von allen Lebewesen. Nur hoffen, dass er nicht im Süden landet.

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