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SINGLE STRESS 1/2

F. gönnt sich eine Woche Teneriffa im Februar. Und dafür hat er einen triftigen Grund. „Das muss jetzt einfach sein“, hat er seinen Kollegen gesagt. F. hat nur Kollegen. Freundinnen, Freunde oder eine Freundin hat F. nicht. Teneriffa-Single-Urlaub. In Teneriffa warten noch mehr Singles auf ihn. Weibliche Singles und männliche Singles, doch ist F. strikt heterosexuell und interessiert sich demnach strikt für Frauen. Nur Frauen. Gerne auch jüngere Frauen. Über 18 sollten sie aber schon sein. Da hält F. sich strikt ans Gesetz.

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AUSHALTEN

G. sagte auch, dass man sich nicht einfach überrollen lassen kann. Dass man einen Wasserrohrbruch auch abdichten würde. Wasserrohrbruch. Den Vergleich nochmal vor Augen führen: Wasserrohrbruch und Menschen, wie Familie Kurdi, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien übers Wasser flüchteten und immer noch flüchten. Wasser als ständige Bedrohung. Abdichten, aushalten oder noch besser: eine Verschwörungstheorie drumrum stricken. Fakten leugnen. Sich nicht weichspülen lassen.

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AUF JEDEN FALL DIE GANZE WELT

„Oh happy day“, hört S. Whoopy Goldberg in ihren Kopf, in Form eines Ohrwurms, krabbeln. „When Jesus washed“. Der Ohrwurm lässt sich nieder, währenddessen die Pflegerinnen die Kacke unter S. wegwischen. „Oh, when he washed“. Jetzt weiß S., wie es ist. Wenn Oma geht. Die Vorstellung wird real, aber so hatte sie es sich nicht vorgestellt. Sie hat sich eigentlich nie was vorgestellt. Aber ihre Frage, wie es wohl sein wird, wird erbarmungslos beantwortet. Von der Realität.

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GUTER RAUM, BÖSER RAUM

Wir denken an Utøya, diese unerträgliche grausame Tat. Über 60 junge Menschen fielen der wahnsinnigen Ideologie eines Mannes zum Opfer, die nichts als Hass für diese Welt übrig hatte. Die Trauer und die Verarbeitung des Verlustes um diese Menschen hatte knapp begonnen, als bereits die ersten Forderungen zur Wiedereinführung der Todesstrafe aufkamen. Tod mit Tod beantworten. Mord mit Mord. Gewalt. Gegengewalt. Die Gewalt, die von ihm ausging, wurde beinahe infektiös.

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MIT 365 FRAGEN INS NEUE JAHR

2018 hatte ich viele Fragen. Einige habe ich selbst gestellt. Einige hast du sicherlich auch gestellt. Einige, so habe ich gehört, wurden gestellt. Einige, so hast du sicherlich schon gehört, wurden gestellt. Selten hatte ich gute Antworten parat. Und du sicherlich auch nie, außer wenn du natürlich fürs Feuilleton schreibst. Du das Leben nur als Begriff verstehst. Gehört aus Romanen von Proust oder deiner Doktorarbeit. Lass uns 2019 ein paar gute Antworten finden. Hier 365 Fragen.

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SCHWULE KÄNGURUS / BYE FEIERKROP

Schauen Sie sich das Stück doch einfach mal an! Theater kann so schön sein. Vorsichtshalber haben wir zwei Tickets auf Ihren Namen reserviert. Ganz ohne Scherz. Sie werden sicherlich nicht zu einem schlechteren Menschen. Der Tiger und der Panther im besagten Stück sind wie Sie, lieber Fernand, unsicher und ängstlich. Und um sich zu schützen, verbreiten sie Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Dann aber lernen sie Django kennen, welcher ein Känguru und ganz schön cool ist, super boxen kann (Kän- gurus können nämlich prima boxen) und tatsächlich auch noch… Spoiler-Alert… homosexuell (schwul, hihi) ist und trotz- dem… Spoiler-Alert 2… immer noch cool ist und den armen Panther oder Tiger auch nicht gleich anspringt. Wo Homos sich doch so wenig unter Kontrolle haben. Wegen der Triebe und so…

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LETZTE KOLUMNE…

Form aufbrechen und inhaltlich aufrüsten, um einfach mal ein paar mächtige Verben zu benutzen. Aufbrechen. Aufrüsten. Es gibt viel zu tun, nicht nur für diese Kolumne und ich brauche einfach ein bisschen Ruhe und Pause von diesem wöchentlichen „Immer-Was-Zu-Schreiben-Und-Sagen-Haben-Müssen“. Ich will nicht immer präsent sein. Die KritikerInnen können aufatmen. Für einen Monat. Das Leben ist eine Party. Mal richtig gut. Mal richtig schlecht. Ich komme wieder.

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AUCH WICHTIG

Außerdem unwichtig: Dein rassistischer Onkel bei der alljährlichen weihnachtlichen Familienfeier. Der neue Freund deiner Tante. Die Zeugen Jehovas. Der verspätete Zug. Die Mahnung, deine Rechnung endlich zu begleichen, obwohl dein Konto blank ist. Die Beule in deinem neuen Auto. Alles kurz nervig, etwas ärgerlich, aber lös-, ignorier- oder reparierbar.

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WAS WICHTIG IST

Vor Kurzem wurde ich wieder in einer Zeitung beleidigt. Dabei hatte der Artikel in der Sache nicht einmal was mit mir zu tun. 
Die Aufmerksamkeit wird demnach immer wieder auf mich gelenkt, ohne dass ich sie auf mich lenke. Der für den Artikel Verantwortliche scheint seinen Frust, nie ein echter Autor geworden zu sein, es als Luxemburger so dermaßen schwer zu haben und ein unausstehlich komplexierter Mensch zu sein, auf mich zu projizieren. Ist dem armen Kerl echt so langweilig?

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NEUE FOTOS / SCHAUSPIEL

Neue Fotos von Gabriela Kaziuk für Schauspiel sind online. Unter ACTING sind alle Fotos, sowie Showreel und Image Video (nicht zur kommerziellen Verbreitung und als Pressefotos geeignet) zum Download bereitgestellt. Pressefotos unter Kontakt auf Anfrage!

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MISS KOCKELSCHEUER

Eine kleine Überraschung? Hä? Was soll das heißen? Hat jemand eurer S t i m m b e r e c h t i g t e n  keinen Bock mehr auf Blondinen oder wie? Und ist man erst dann eine gute Tennisspielerin, wenn man sowohl mit erfolgreichem Spiel als auch mit dem Aussehen 23 wunderschöne, hochgebildete, gut trainierte stimmberechtigte Pressevertreter überzeugen kann? Was nur geht in euch vor? Oder anders: Was bitte geht in euch nicht vor?

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ORDNUNG / CHAOS

Kinder laufen lautstark ins Schulgebäude, jeden Tag hat ein anderes Kind irgendwo eine Schramme, und jeden Tag kommt ein Elternteil sich darüber beschweren, dass ihr Kind gar nicht so nicht brav ist, wie der oder die LehrerIn im Hausaufgabenbuch behauptet hat. Dann wird sich darüber unterhalten. Alle haben Recht, niemand Unrecht und bestenfalls gibt eine Partei irgendwann auf und danach geht es dann irgendwie weiter, und man übt sich, in sich auf freundlich passive aggressive Art und Weise aus dem Weg zu gehen, damit keine weiteren Probleme entstehen. Diese Regelmäßigkeit also nicht gestört wird. Am Samstag wird ausgeschlafen, und am Sonntag werden die Eltern oder andere Familienmitglieder besucht. Und Ende jeden Monats kommt immer das gleiche Gehalt.

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AKTION REAKTIONÄR

Vier Jahre danach. Ein weiterer wütender Mensch, der unter stolzen Luxemburgern (Anführungszeichen!) sehr bekannt ist, hat mir mit einer Klage (allgemeine Beleidung) gedroht, ja, behauptet, er hätte die Klage bereits eingereicht. Das war vor zehn Tagen, kurz nachdem mein Beitrag LËTZEBUERGESCH IST TOT in den sozialen Medien steil ging und gut 20.000 Mal geklickt wurde. Davor erschien der Artikel bereits in gedruckter Form im Feierkrop. Thema war einmal mehr die Sprache und wie sie von Rassisten instrumentalisiert wurde und wird.

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TITTENFEST

Clickbaiting auf ganz neuer Ebene: Clicktitting. Klick Titte, um mehr Titten zu sehen. Klick jetzt. Was für ein Kick!

Die Stimmung in Kayl war vorzüglich, war grandios. Lehrerinnen und andere weibliche Individuen aus dem durchschnittlichen Festangestellten-Milieu waren mit fettem Décolleté auf Männersuche, um ihr Leben endgültig fett zu machen.

Tja Frau. Eine erfüllte Titte macht noch lange kein erfülltes Leben. Für ein erfülltes Leben einer Frau braucht es immer noch die Bestätigung eines richtigen Mannes. Und um die Männchen auf sich aufmerksam zu machen, das weiß doch jeder RTL-Fan, braucht es Titten und viel Alkohol, damit die Titten sich auch frei machen. Titten Titten Titten. Mehr Titten. Wir wollen Titten. Titten. Titten. Titten. Copy. Paste. Titten. Titten. Titten.

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WÄHLT MICH

Ich könnte, wenn ich das richtig verstanden habe, nur in Luxemburg Politik „machen“, da ich ja Luxemburger bin. Ich wäre dann einer dieser Künstler oder Sportler oder „Personen“, die irgendwann in die Politik gingen. Solchen wirft man gerne vor, dass sie nicht über die nötige Kompetenz für so einen verhassten, aber sehr wichtigen Beruf verfügen. Seitdem Trump aber Präsident ist, kann dieses Argument nicht mehr wirklich gelten. Oder aber es gilt das alte Prinzip: Wer nichts wird, wird Wirt. Oder eben Politiker. Höhö.

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LËTZEBUERGESCH IST TOT

Die Idioten, die den ganzen Tag über nur jammern, dass nicht genug auf lëtzebuergesch gemacht, geredet, gegessen und geguckt wird, sind doch genau die Idioten, die noch nie ein Buch von Nico Helminger oder Pol Greisch gelesen haben, da ihnen die Sprache noch egaler ist, als der Franzose, der in Luxemburg arbeitet, aber nach Ladenschluss eben keine Zeit hat Sprachkurse zu besuchen, weil er nach Hause fahren muss.

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FEDERWEISS

Ich nickte unbeeindruckt und machte klar, dass ich uns Getränke besorge. Bei letzterem ist in der Regel immer auf mich Verlass. Schon ratterte es, beim Gang von etwa fünf Metern bis zur Bar, in meinem Kopf: Federweißer, krass, Federweißer, sie nimmt einen Federweißen. Also das, was die Alten im Dorf tranken. Im Dorf, wo du aufgewachsen bist, Spada. Soll ich auch so einen trinken? Oh mein Gott. Einen Federweißer und kein Gin Tonic? Darf ich in Zeiten, wo die Grenze zwischen Faschismus und Traditionalismus so dünn verläuft, auf ein solch arg antikes Getränk switchen?

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LOCKER RUF / IN ENTWICKLUNG

LOCKER RUF ist der Versuch Wort und Tanz zu einer Einheit verschmelzen zu lassen. Ein Recherche-Projekt zusammen mit der Tänzerin und Choreografin Annick Schadeck. LOCKER RUF ist der Moment im Warteraum. Eine Geduldsprobe. Eine stetige Flucht. Die Entscheidung zu entscheiden nicht selbst zu entscheiden. Ein Zusammenkommen. Eine Trennung. Eine Suche. Ein Widerspruch in Wiederholungsschleife.

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DER GENUSS MUSS WEG

Unheimlich. Was ist denn bitte wichtiger, als sich Zeit für ein gutes Essen zu nehmen? Bestenfalls in Gesellschaft. Ah, ich kann ihn schon fühlen, lautstark und intensiv höre ich ihn protestieren, wenn Essen nicht gewürdigt und als Last bezeichnet wird: Der Luxemburger in mir. Nichts geht über ein gutes, einfaches Essen. Idealerweise gut fettig, in üppiger Quantität und mit viel Wein und Schnaps zum Abgang und Untergang. Da sind wir uns dann auch einmal einig, der Luxemburger und ich.

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DEIN URTEIL BITTE JETZT

Unter diesem „Bitte beurteilen Sie Ihre heutige Fahrt“ ist ein QR-Code abgedruckt. Dieser schreit danach, gescannt zu werden, um womöglich ganz automatisch in meinem Handy einen Fragebogen zu starten, der mich über diese Fahrt ausfragt, mit dem Ziel, am Ende der ganzen Fragerei, mir die Beurteilung im allgemeinen zu vereinfachen: Wie sauber ist der Zug? Wie freundlich die Bahn-MitarbeiterInnen? Sind die Snacks frisch oder bereits abgelaufen? War der Kaffee grau oder schwarz? Wollen Sie in Zukunft etwas mehr grün oder etwas weniger grün, wenn Sie aus dem Fenster schauen? Haben die Fahrgäste einen belesenen Eindruck auf Sie gemacht? Jede Frage wäre mit einer Zahl zwischen 1 und 10, ja oder nein oder sonst irgendwas zu beantworten.

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#WIRSINDLEER

Was der Rapper sagen wollte, ist, dass es natürlich wichtig ist, aufzustehen, irgendwie irgendwo Position zu beziehen, wenn Unrecht geschieht, aber dass wir alle der Staat, das Land, die Gesellschaft sind. Die Gesellschaft, die es zulässt, davon profitiert oder es ignoriert, dass die eine Seite für fünf Euro von Kindern zusammengenähte T-Shirts kaufen kann und die andere Seite, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, im Mittelmeer absäuft. Und nein, Du brauchst Deine Hände nicht in Unschuld zu waschen, weil Du ausschließlich in Second-Hand-Läden unterwegs bist.

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OUTTAKES IV: DIE WÜRDE

Ich sage nichts und drücke ihre Hand und wehre mich gegen diesen unchristlichen Gedanken ihr das Kissen unter dem Kopf wegzuziehen, um ihr nicht die Hand, sondern das nicht mehr ganz so saubere Kissen auf das Gesicht zu drücken. Sie will es. Ich kann es nicht. Sie schreit mich nochmal an. Kurze Stille. Schrei. Tränen. Schrei. Stille. Sie will ihren letzten Atemzug hinter sich bringen und ich soll ihr dabei helfen. Mir selbst helfen, damit ich nicht mehr mit ansehen muss, wie sie leidet. Sie mir nicht dabei zuschauen muss, wie ich ihr ihren Wunsch nicht erfüllen kann. Unterlassene Hilfeleistung? Womöglich in zweihundert Jahren. Mein Gedanke wird unterbrochen. Jetzt beschimpft sie mich ganz plötzlich auf italienisch, weil ich der Sohn meiner Mutter bin.

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KOPIERE UND FÜGE EIN UND LEITE WEITER

Liebe Kolumne-Freundinnen, Liebe Kolumne-Freunde, Liebe Journal-Leserinnen und Journal-Leser, auch ich schließe mich nun an, ich weiß zwar noch nicht genau an wen oder was, und würde ich es wissen, wüsste ich nicht wie und eigentlich auch nicht warum, aber wenn das jetzt alle machen, mache ich das auch, weil ich bin ein freier Mensch, der sich alleine auf der Tatsache ausruht, dass er das machen kann, was er machen will, weil frei, weil Wahl haben, weil… Du sollst das bloß nicht hinterfragen.

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UNERFÜLLTE LIEBE: NUR EIN ENTWURF

Google sucht. Nach 0,37 Sekunden schlägt die Suchmaschine ungefähr 116000 Ergebnisse vor. L. erfährt auf der Internetseite von FIT FOR FUN unter der Kategorie WISSEN alles, was er wissen muss. Der körperliche Längenwachstum soll also bei den meisten Menschen spätestens mit 19 Jahren abgeschlossen sein. Aha. Drei Jahre bleiben übrig. Höchste Zeit. Actions speak louder than words hat L. irgendwo mal gelesen und handelt sofort.

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GANGSTER-SHIT

Angeboten zufolge kriegst Du wahlweise, wenn Du jetzt Deinen Sommerurlaub für die nächsten drei Jahre buchst, Poolboy oder Poolgirl umsonst dazu. Die Möglichkeit, das ganze Angebot ohne Pool zu buchen, für einen lächerlichen Aufpreis, ist selbstverständlich überhaupt kein Thema. Oder glaubst Du, ich weiß nicht, was Dein Onkel F. letzten Sommer in Thailand getan hat? One night in Paris, one night in Bangkok, one night im Stau. Irgendwo steckt man immer fest.

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BETRUNKENE SOMMERLOCH-KOLUMNE

Man rät davon ab, im betrunkenen Zustand Smartphones zu benutzen, um Ex-FreundInnen nicht mit geschmacklosen Angeboten nach Mitternacht zu belästigen. Da ich mich blendend mit meinen Ex-Freundinnen verstehe, bevorzuge ich nach Mitternacht eine betrunkene Kolumne zu schreiben und meine LeserInnen zu belästigen, aber nicht meine Ex-Freundinnen mit geschmacklosen Textnachrichten zu schikanieren. Äh. Dann lieber eine betrunkene Kolumne. Wie oft soll ich das noch schreiben? Betrunkene Kolumne. Klingt aber wirklich gut? Äh. Was kommt nach einer Frage? Ein? oder!? Ein! oder? Äh. Nicht, dass es noch eine geschmacklose betrunkene Kolumne wird.