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LËTZEBUERGESCH IST TOT

Die Idioten, die den ganzen Tag über nur jammern, dass nicht genug auf lëtzebuergesch gemacht, geredet, gegessen und geguckt wird, sind doch genau die Idioten, die noch nie ein Buch von Nico Helminger oder Pol Greisch gelesen haben, da ihnen die Sprache noch egaler ist, als der Franzose, der in Luxemburg arbeitet, aber nach Ladenschluss eben keine Zeit hat Sprachkurse zu besuchen, weil er nach Hause fahren muss.

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FEDERWEISS

Ich nickte unbeeindruckt und machte klar, dass ich uns Getränke besorge. Bei letzterem ist in der Regel immer auf mich Verlass. Schon ratterte es, beim Gang von etwa fünf Metern bis zur Bar, in meinem Kopf: Federweißer, krass, Federweißer, sie nimmt einen Federweißen. Also das, was die Alten im Dorf tranken. Im Dorf, wo du aufgewachsen bist, Spada. Soll ich auch so einen trinken? Oh mein Gott. Einen Federweißer und kein Gin Tonic? Darf ich in Zeiten, wo die Grenze zwischen Faschismus und Traditionalismus so dünn verläuft, auf ein solch arg antikes Getränk switchen?

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LOCKER RUF / IN ENTWICKLUNG

LOCKER RUF ist der Versuch Wort und Tanz zu einer Einheit verschmelzen zu lassen. Ein Recherche-Projekt zusammen mit der Tänzerin und Choreografin Annick Schadeck. LOCKER RUF ist der Moment im Warteraum. Eine Geduldsprobe. Eine stetige Flucht. Die Entscheidung zu entscheiden nicht selbst zu entscheiden. Ein Zusammenkommen. Eine Trennung. Eine Suche. Ein Widerspruch in Wiederholungsschleife.

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DER GENUSS MUSS WEG

Unheimlich. Was ist denn bitte wichtiger, als sich Zeit für ein gutes Essen zu nehmen? Bestenfalls in Gesellschaft. Ah, ich kann ihn schon fühlen, lautstark und intensiv höre ich ihn protestieren, wenn Essen nicht gewürdigt und als Last bezeichnet wird: Der Luxemburger in mir. Nichts geht über ein gutes, einfaches Essen. Idealerweise gut fettig, in üppiger Quantität und mit viel Wein und Schnaps zum Abgang und Untergang. Da sind wir uns dann auch einmal einig, der Luxemburger und ich.

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DEIN URTEIL BITTE JETZT

Unter diesem „Bitte beurteilen Sie Ihre heutige Fahrt“ ist ein QR-Code abgedruckt. Dieser schreit danach, gescannt zu werden, um womöglich ganz automatisch in meinem Handy einen Fragebogen zu starten, der mich über diese Fahrt ausfragt, mit dem Ziel, am Ende der ganzen Fragerei, mir die Beurteilung im allgemeinen zu vereinfachen: Wie sauber ist der Zug? Wie freundlich die Bahn-MitarbeiterInnen? Sind die Snacks frisch oder bereits abgelaufen? War der Kaffee grau oder schwarz? Wollen Sie in Zukunft etwas mehr grün oder etwas weniger grün, wenn Sie aus dem Fenster schauen? Haben die Fahrgäste einen belesenen Eindruck auf Sie gemacht? Jede Frage wäre mit einer Zahl zwischen 1 und 10, ja oder nein oder sonst irgendwas zu beantworten.

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#WIRSINDLEER

Was der Rapper sagen wollte, ist, dass es natürlich wichtig ist, aufzustehen, irgendwie irgendwo Position zu beziehen, wenn Unrecht geschieht, aber dass wir alle der Staat, das Land, die Gesellschaft sind. Die Gesellschaft, die es zulässt, davon profitiert oder es ignoriert, dass die eine Seite für fünf Euro von Kindern zusammengenähte T-Shirts kaufen kann und die andere Seite, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, im Mittelmeer absäuft. Und nein, Du brauchst Deine Hände nicht in Unschuld zu waschen, weil Du ausschließlich in Second-Hand-Läden unterwegs bist.

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OUTTAKES IV: DIE WÜRDE

Ich sage nichts und drücke ihre Hand und wehre mich gegen diesen unchristlichen Gedanken ihr das Kissen unter dem Kopf wegzuziehen, um ihr nicht die Hand, sondern das nicht mehr ganz so saubere Kissen auf das Gesicht zu drücken. Sie will es. Ich kann es nicht. Sie schreit mich nochmal an. Kurze Stille. Schrei. Tränen. Schrei. Stille. Sie will ihren letzten Atemzug hinter sich bringen und ich soll ihr dabei helfen. Mir selbst helfen, damit ich nicht mehr mit ansehen muss, wie sie leidet. Sie mir nicht dabei zuschauen muss, wie ich ihr ihren Wunsch nicht erfüllen kann. Unterlassene Hilfeleistung? Womöglich in zweihundert Jahren. Mein Gedanke wird unterbrochen. Jetzt beschimpft sie mich ganz plötzlich auf italienisch, weil ich der Sohn meiner Mutter bin.

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KOPIERE UND FÜGE EIN UND LEITE WEITER

Liebe Kolumne-Freundinnen, Liebe Kolumne-Freunde, Liebe Journal-Leserinnen und Journal-Leser, auch ich schließe mich nun an, ich weiß zwar noch nicht genau an wen oder was, und würde ich es wissen, wüsste ich nicht wie und eigentlich auch nicht warum, aber wenn das jetzt alle machen, mache ich das auch, weil ich bin ein freier Mensch, der sich alleine auf der Tatsache ausruht, dass er das machen kann, was er machen will, weil frei, weil Wahl haben, weil… Du sollst das bloß nicht hinterfragen.