Kategorie: VOLLRAUSCH UND ERHOLUNG

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ENDLICH EIN TEXT ÜBER DICH

Wer will denn schon Masse sein, wenn man uns doch von klein auf eingetrichtert hat, dass ich wichtig bin, ich gesund sein muss, ich auch immer auf mich aufpassen muss, ich ohne mich nicht kann?
Du kannst hier so viel essen, wie Du willst. Oder besser: So viel essen wie Du kannst. Für einen lächerlichen Fixbetrag kriegst Du ein herrliches Thai-Buffet geboten, All you can eat. Massentierhaltung und Industriegemüse nie ohne Silbertablett. Kotzen kannst Du auf unseren unzähligen Sanitäranlagen, die natürlich im Preis enthalten sind. Danach kannst Du zur Entspannung von unserem vielseitigen Entspannungsangebot profitieren. Für einen kleinen, kaum ins Gewicht fallenden Extrabeitrag, zaubern Dir unsere extra aus dem Orient eingeflogenen Super-Guru-Massage-Yoga-Experten die beste Entspannung auf Deinen gesamten Körper.

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DIE VÖLLIGE ANGST(FREIHEIT) 2/2

Du kannst endlich wieder die Lexika, die deine Eltern dir für viel Geld erworben haben, vom Speicher holen und auf echtem Papier nach dir unbekannten Begriffen suchen. Dein Stalker kann nicht mehr nachprüfen, ob du online bist. Deine Nachbarin hat kein größeres Auto als du, denn ihr habt beide keins mehr. Die Leute gehen wieder raus, treffen sich, schauen sich in die Augen und auf Konzerten musst du keine Angst mehr haben, nichts zu sehen, da niemand sein blödes Handy in die Luft hält. Die Lösung für ein besseres Leben?

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DIE VÖLLIGE ANGST (FREIHEIT)

Als die Flüchtlingsdebatte so richtig am Brennen war, fiel auf, dass nicht selten die Menschen am meisten Angst vor „denen da draußen“ hatten, die selbst einen Migrationshintergrund hatten. Von irgendwo also weggingen, um woanders mehr vom Kuchen haben zu dürfen. Sie hatten Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird, für das sie ihr Leben lang gekämpft haben. Einen Kampf, den sie andere ungern führen sehen wollen. Sie wurden paranoid vor lauter Sorge, dass „die Neuen, die auch was vom Kuchen haben wollen“ zu viel vom Kuchen für sich beanspruchen wollen. Die Angst, dass es nicht mehr so komfortabel weitergehen wird, wie er oder sie es gewohnt war, nachdem sie oder er den Kampf gewonnen haben. Das macht Mensch unfrei und schlussendlich dumm und gewalttätig. Oder warum fürchten sich alle vor Greta?

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ENDLICH EIN TEXT ÜBER DAS WETTER

Erneut die Frage: Was habe ich nur falsch gemacht? Und ist es eine gute Idee übers Wetter, über die Jahreszeit, zu schreiben? Schließlich wissen wir alle, dass, wenn das Thema Wetter aufkommt, es eigentlich nichts mehr zu sagen, oder schreiben gibt. Nur schlimmer: Die Abende, wo sich auf einmal Witze erzählt werden. Es kann nur noch bergab gehen. Doch es beschäftigt uns Menschen. Das Wetter, ständig bestimmt es unser Leben, unsere Laune, unsere Mobilität. Es ist die Zeit der „Ganz schön kalt wieder, gestern waren es doch noch…“, „Was? Schon dunkel“ oder „Ich zieh hier weg“ Sätze. Und doch zieht keiner weg. Denn gutes Geld wird nicht dort gemacht, wo es schönes Wetter gibt. Und gutes Geld kommt meistens vor gutem Wetter. Wäre das nicht so, hätten wir höchstwahrscheinlich kein globales Klimaproblem.

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ZWISCHENBILANZ

Ein anderer Schriftsteller fragte mich heute, es war Tag der offenen Tür in diesen Kreativräumen in Differdingen, ob ich es nicht auch krass finde, dass wir uns an 2000 erinnern können. „Was meinst Du?“, fragte ich. „Du bist doch über 30, und 2000 ist fast 20 Jahre her… Hast du Erinnerungen aus diesem Jahr?“, fragte und antwortete er. „Ja“, habe ich tatsächlich, „ich erinnere mich an die Angst, dass alle dachten, dass alles zusammenbrechen wird, die Computer, was auch immer das eigentlich heißt, die Krankenhäuser, so Systeme und so, ja“.

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DIE REDUKTION

Ich hörte, wie das durch Luft gepolsterte Bett das richtige Maß zwischen Fülle und Gemütlichkeit zu erreichen versuchte. Surrr. Surrr. Pffff. Pfff. Wie Atem, beständig, Rhythmus, Durchhaltevermögen. Mein Gegenüber hatte keins mehr. War das jetzt Frieden? War das die Suche nach Frieden? Draußen war es bereits dunkel, auch Nacht genannt. Ich schaute durch das große Fenster und lernte jedes Lichtlein persönlich kennen. Ich fragte mich, wie lange ich hier sitzen werde. Neben der Suche nach Frieden. Werden die Lichtlein ewig brennen? Nicht mehr als weitere sechs Stunden, wie sich herausstellen sollte. Irgendeine Tür knallt. Ich schaue nach, es war nicht der Tod. Glück gehabt. Dieser kündigt sich auch selten an, ist selten laut, aber er ist. Und Du erkennst ihn, wenn es so weit ist. 

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DER GUTE MENSCH 3/3

Diese konsumwahnsinnigen Eltern mit ihren konsumwahnsinnigen Kindern stellen sich also auf die Straße und sollen hüpfen, so lautete die Ansage von der Bühne, wenn sie auch gegen Geld sind. S. war sichtlich erschüttert. Es wurde gehüpft. Gegen Kapitalismus, für mehr Meer und weniger Müll. Wer nicht hüpfte, ist ein Arschloch. So von oben herab protestieren, bevor sich wieder alle zurück in ihre Eigentumswohnung in den vierten Stock, Sonnenseite, verkriechen. S. fand das… naja… irgendwie… Und sich freuen, dass sie die Besseren sind, mit ihren Bio-Baumwollpullis und Bio-Äpfeln.

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DER GUTE MENSCH 2/3

Der Ton wird rauer. Das unausgesprochene Projekt Frieden scheint immer mehr in den Hintergrund zu rücken. Immer mehr im Vordergrund: Projekt Selbsterhaltung. Mensch ahnt, unbewusst oder nicht, dass alles, so, wie es derzeit ist, nicht wirklich lange noch funktionieren kann. Die Aggression steigt. Der Konsumwahn, die vielen Möglichkeiten, da kommt er sich selbst nicht mehr hinterher. Und auf der Suche nach dem Schuldigen wird der Fehler selten bei einem selbst erforscht und erst recht nicht gefunden.

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DER GUTE MENSCH 1/3

Kontext, Interpretation, ja, das spielt immer eine Rolle. Feuchtgebiete-Expertin Charlotte R. hat auf Instagram dazu aufgefordert, die Regale in den jeweiligen Supermärkten umzuräumen, sodass „der böse Smoothie-Hersteller“ von „den guten Smoothie-Herstellern“ verdeckt wird. Prompt folgten Instagram-Posts von irgendwelchen Leuten, die stolz filmen, wie sie Gutes tun. Eben die Regale umräumen. Und feiern sich gegenseitig, wie sie Sexismus bekämpft haben (gegebenenfalls nur ihre eigene Langeweile).

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WAS HABEN WIR GEMEINSAM?

Kurzer Blick auf die (auch nicht mehr so) neue Kennenlernkultur. Sie heißt App, Tinder, Bumble oder so ähnlich. Optimiertes Kennenlernen, sozusagen. Du sagst ihr, der App, was du am liebsten liest, Krimi oder Sachbuch? Was du am liebsten isst, vegan oder vollwert? Was du am liebsten trinkst, Smoothie oder Espresso? Was du arbeitest, Krankenpflegerin oder bildender Künstler? Und sie sagt dir, wen du in Zukunft lieben könntest. Ihr lest das gleiche Buch, ihr müsst euch lieben. In der realen Welt.

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BRENNENDE LUNGE

ICH natürlich nicht. ICH habe nichts mit eurer Dummheit zu tun. ICH habe hier noch eine weitere TRUE QUOTE für meine Instagram Story, die gerade ins Netz hochlädt, die euch ganz klar zeigt, wer am Untergang der Welt schuld ist. Nochmal: Das seid ihr. Nochmal: Ich nicht. Behaupte ich jetzt mal so, währenddessen ich hier halbnackig am Strand liege und meinem Bauch die optimale Bräune verpasse. Dazu mehr in der nächsten Story.

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HITZE

Ich frage nach der Rechnung, zahle zwanzig Euro. Davon sind zwei Euro Trinkgeld, etwas mehr als zehn Prozent. Ich kenne Leute, die nie Trinkgeld geben. Die gleichen Menschen, die zu viert für vier hundert Euro essen gehen, einzeln zu zahlen wünschen, die Rechnung genauestens auf Fehler überprüfen und debattieren, ob es fair ist, die Rechnung durch vier zu teilen, weil eine Person am Tisch ein Sprudelwasser mehr als die anderen hatte. Aber danach verkünden sie auf Instagram und Facebook, was für einen tollen Abend sie zusammen verbringen durften, Freunde sind doch das wichtigste. #nightoutwithfriends.

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VINCENT IST HOMOSEXUELL

Vincent kriegt kein‘ hoch, wenn er an Mädchen denkt, heißt es gleich zu Beginn der Single-Auskopplung. Was das wohl bedeuten soll? Sehr geehrte Damen und Herren, Vincent ist homosexuell, schwul, nicht heterosexuell, steht also nicht auf Frauen. Es ist die Geschichte eines Sohnes, der sein Coming-Out wagt, die Mutter völliges Verständnis dafür zeigt und ihren Sohn mit Liebe überschüttet, unabhängig seiner sexuellen Orientierung. Ein schöner Popsong auf der richtigen Seite der Menschlichkeit, wenn man so will.

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GAME OVER

WE WANT MORE, schreit die Meute, und ich frage mich, von was sie eigentlich mehr will? Mehr vom überteuerten Toast? Ein weiteres mies gezapftes Bier? Oder Sex? Wollt Ihr mehr Sex? Jaaaaaaa! Ach, fickt euch, am Ende müsst Ihr da alleine durch. Ihr wisst doch, dass die Zugabe mit eingeplant ist, Idioten. Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach dem lyrischen Ich, äh Wir, lyrisches Wir, mir krabbelt das grüne Tier den Hals hoch, ich will jedenfalls nicht mehr. Ich puste, treffe das blöde Tier nicht, es krabbelt weiter, wir werden Freunde. Und Ihr so, äh, was krabbelt euch hoch? Bestenfalls nicht die Galle, höhöhö.

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NUR DA SEIN

In der Lobby des entsprechenden Gebäudes angekommen, läuft er, wie auf Auto-Pilot eingestellt, zuerst zum dort zur Verfügung gestellten Desinfektionsstand, desinfiziert sich die Hände, vergisst die Zwischenräume der Finger nicht, geht zum Aufzug, geht hinein, drückt Nummer 2 und steigt im zweiten Stockwerk wieder aus, wo er sich gleich nochmal die Hände desinfiziert, da er doch die Aufzugknöpfe berührt hat. M. kennt den Weg zur zuständigen Station für seine geliebte W., er weiß immer genau wohin, nur ab und zu wechseln die Zimmer. Routine ist derweil die einzige Sicherheit. Ab heute ist es die Nummer 227, ein Spezialzimmer, wo W. für zwei Wochen untergebracht ist. Hier wird sie vor der Außenwelt geschützt. Jede Bakterie, jedes in der Luft schwebende Ding, weswegen W. auch die Fenster ihres Zimmers nicht öffnen darf, könnte für W. lebensbedrohlich sein, ihr Immunsystem ist sehr schwach. Ihr würde es sowieso an der nötigen Kraft fehlen, das Fenster zu öffnen.

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POP UP

Immer ein wenig arrogant, denn arrogant wirkt wichtig, weil arrogant ist sexy, das hat Dir der Barista, aus dem kultigen Kaffeeladen, bei Dir um die Ecke, ins Ohr geflüstert. Auch er tut nur so, schließlich ist er Schauspieler, „eigentlich hab ich ja Schauspiel studiert“, sagt er, „aber die da draußen erkennen mein Genie einfach nicht, meine Zeit kommt schon noch“, sagt er auch, die ganz große Zeit.

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ZU VIELE INFORMATIONEN

Wir wissen erstaunlich viel, und genau das ist das Problem, wir haben die Wahl, jeden Tag, entscheiden nichts, schauen zu, laufen zur Arbeit, laufen nach Hause, zahlen, verdauen, duschen, schlafen, essen, machen Sport, zahlen, holen uns den Schein für die Weiterbildung ab, hüpfen zu lauter Rockmusik, gehen ins Theater, konnten uns identifizieren, lesen die Nachrichten, können es nicht fassen, grausam, Tote, jeden Tag, nur ich, nur wir, leben wir noch?

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DU HAST KEINE WAHL

Familie ist wichtig, das wird oft gesagt und mag stimmen. Familie ist anstrengend, das mag auch stimmen. Familie ist alles, das mag gelegentlich stimmen, hoffentlich oft. Familie kann vieles sein. Familie kann mehr sein, als Du Dir je gewünscht hast, hättest Du Dir denn, kurz vor Tombolaziehung, was wünschen dürfen. Manchmal ist Familie viel zu wenig und man wünscht sich jeden Tag mehr, mehr Aufmerksamkeit, mehr Liebe, aber Du weißt, es ist nun, wie es ist, das ist eben Familie. Die Tombola ist unwiderruflich.

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DAS IST GELD

Apropos Geld. Georges Clooney, Nespresso-Ehrenmann, Klimaschützer und Sexiest Man Alive (1997) hat auch von dieser Sache mit Brunei gehört und fordert zum Boykott aller Hotels, die durch den Sultan finanziert werden, auf. Hotels in Los Angeles, Beverly Hills, London, Ascot, Mailand, Rom und Paris. Selbst Lena Meyer-Landrut kann die Menschenrechtsverletzungen nicht mehr hinnehmen und sieht sich nun gezwungen, andere Fünf-Sterne-Hotels buchen zu müssen. Geile PR-Aktion, Ihr seid voll die guten Menschen. Voll süß, der Aufstand der Reichen.

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0204

Am Sonntag war #TransDayOfVisibility, ein Tag vor dem 1. April. Gegen die Marginalisierung und Diskriminierung von Transsexuellen, für die Akzeptanz aller Geschlechteridentitäten. Der Tag macht Sinn und ist sehr wichtig, denn er setzt sich für mehr Humanismus ein. Jedenfalls mehr als Weihnachten. Politische, auf ein Thema aufmerksam machende Tage, wenn man so will, sind wichtig. Also: Die Themen selbst sind relevant, aber was ist mit den anderen Tagen? Wenn zum Beispiel Welt-Aids-Tag ist, ist dann nicht mehr Weltfrauentag? Und wenn internationaler Frauentag ist, ist dann Diskriminierung von Transsexuellen kein Thema mehr?

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DIE VERDUMMUNG

Gesagt, ein paar Tage später getan. D. stellt Refrain aus den 80er zur Verfügung und C.B. rappt irgendeinen Scheiß dazu, wie etwa, dass Cherry Cherry Lady etwas besonderes ist, fürs Leben oder halt auch nur für eine Nacht. Cherry Lady tanzt im Wonderbra und String dazu, als hätte sie nie was anderes gemacht. Wahrscheinlich hat sie nie was anderes gemacht. C.B. und D. machen jetzt Geld zusammen. Mit diesem scheiß Lied und ihrer scheiß Attitüde wollen sie nun Deutschland rasieren, wie man auf HipHop sagt. Irgendwann ganz Europa, dann die ganze Welt.

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DIE VERBITTERUNG

Man kann davon ausgehen, dass diese alten Säcke ein schlechtes Gewissen haben. Ganz tief drin, wenn man überhaupt von Tiefe sprechen kann. Insgeheim wissen sie, dass sie es waren, die unsere Umwelt verpestet haben. Es ihre Schuld ist, wenn die Meere voll mit Plastik, aber ohne Fische sind. Sie haben den ganzen Lachs ja auch weggefressen. Sie haben mit ihren fetten Autos die Crème de la Crème von krebserregenden Stoffen in die Luft geblasen, und ja, vielleicht sind sie auch einfach nur wütend, denn bald sind sie tot, viele Jahre sind es nicht mehr und vielleicht, es ist nur eine Vermutung, gönnen Sie diesen verdammten, verträumten und voll mit Hoffnung gepumpten ekligen jungen Menschen keine Zukunft, weil Sie in dieser längst keine Rolle mehr spielen werden.

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SO NORMAL

ABER sagst Du. Nach ABER machst Du immer eine kleine Pause und deutest an, dass jetzt aber wirklich ein wichtiger Satz, ein ganz normaler Satz kommt. Du wackelst komisch mit dem Kopf, spielst die niedliche Verwirrte, lässt ein paar „ähms“ und „ähs“ verlauten und erzählst dann, wie wichtig die anderen Berufe sind. Die wichtigen Berufe wie Feuerwehrfrau oder Onkologe. Du sagst, dass es DIE DOCH sind, die wahren Heldinnen und Helden und nicht so eine blöde Schauspielerin, wie Du es bist. Dann lachst Du, ein breites Lachen, strahlend weiße Zähne, so weiß, wie sie niemals sein könnten, würde Dir immer alles nur zufliegen. Die Allerjüngste bist Du ja auch nicht mehr.

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KEINE RUHE MIT NETFLIX

Für heute darf es die Geschichte von Cleo sein. Ein junges Dienstmädchen aus dem Film ROMA in Roma, ein mexikanischer Stadtteil. Der Film spielt zur Zeit des schmutzigen Krieges. Der Streifen wurde von Netflix produziert und hat so einiges an Preisen abgeräumt, selbst ein paar Oscars. Der soll richtig gut sein, obwohl er in schwarz-weiß für einen Streaming-Anbieter gedreht wurde. Wer traut sich denn sowas? Das Kino leider nicht.

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SINGLE STRESS 2/2

Die Rezensionen besagen insgesamt, dass man sich in diese Insel einfach nur verlieben kann. Ja muss. Für F. klingt Teneriffa wie die perfekte Frau: Vielfältig, liebenswert, Paradies auf Erden, üppige Vegetation, ausgewogenes Klima. Ist das sexistisch? F. hat in letzter Zeit viel über Sexismus gelesen. Manches fand er ganz schön übertrieben, aber ja, natürlich ist auch er für die Gleichberechtigung von allen Lebewesen. Nur hoffen, dass er nicht im Süden landet.

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SINGLE STRESS 1/2

F. gönnt sich eine Woche Teneriffa im Februar. Und dafür hat er einen triftigen Grund. „Das muss jetzt einfach sein“, hat er seinen Kollegen gesagt. F. hat nur Kollegen. Freundinnen, Freunde oder eine Freundin hat F. nicht. Teneriffa-Single-Urlaub. In Teneriffa warten noch mehr Singles auf ihn. Weibliche Singles und männliche Singles, doch ist F. strikt heterosexuell und interessiert sich demnach strikt für Frauen. Nur Frauen. Gerne auch jüngere Frauen. Über 18 sollten sie aber schon sein. Da hält F. sich strikt ans Gesetz.

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AUF JEDEN FALL DIE GANZE WELT

„Oh happy day“, hört S. Whoopy Goldberg in ihren Kopf, in Form eines Ohrwurms, krabbeln. „When Jesus washed“. Der Ohrwurm lässt sich nieder, währenddessen die Pflegerinnen die Kacke unter S. wegwischen. „Oh, when he washed“. Jetzt weiß S., wie es ist. Wenn Oma geht. Die Vorstellung wird real, aber so hatte sie es sich nicht vorgestellt. Sie hat sich eigentlich nie was vorgestellt. Aber ihre Frage, wie es wohl sein wird, wird erbarmungslos beantwortet. Von der Realität.

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GUTER RAUM, BÖSER RAUM

Wir denken an Utøya, diese unerträgliche grausame Tat. Über 60 junge Menschen fielen der wahnsinnigen Ideologie eines Mannes zum Opfer, die nichts als Hass für diese Welt übrig hatte. Die Trauer und die Verarbeitung des Verlustes um diese Menschen hatte knapp begonnen, als bereits die ersten Forderungen zur Wiedereinführung der Todesstrafe aufkamen. Tod mit Tod beantworten. Mord mit Mord. Gewalt. Gegengewalt. Die Gewalt, die von ihm ausging, wurde beinahe infektiös.

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LETZTE KOLUMNE…

Form aufbrechen und inhaltlich aufrüsten, um einfach mal ein paar mächtige Verben zu benutzen. Aufbrechen. Aufrüsten. Es gibt viel zu tun, nicht nur für diese Kolumne und ich brauche einfach ein bisschen Ruhe und Pause von diesem wöchentlichen „Immer-Was-Zu-Schreiben-Und-Sagen-Haben-Müssen“. Ich will nicht immer präsent sein. Die KritikerInnen können aufatmen. Für einen Monat. Das Leben ist eine Party. Mal richtig gut. Mal richtig schlecht. Ich komme wieder.