Kategorie: VOLLRAUSCH UND ERHOLUNG

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LETZTE KOLUMNE…

Form aufbrechen und inhaltlich aufrüsten, um einfach mal ein paar mächtige Verben zu benutzen. Aufbrechen. Aufrüsten. Es gibt viel zu tun, nicht nur für diese Kolumne und ich brauche einfach ein bisschen Ruhe und Pause von diesem wöchentlichen „Immer-Was-Zu-Schreiben-Und-Sagen-Haben-Müssen“. Ich will nicht immer präsent sein. Die KritikerInnen können aufatmen. Für einen Monat. Das Leben ist eine Party. Mal richtig gut. Mal richtig schlecht. Ich komme wieder.

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AUCH WICHTIG

Außerdem unwichtig: Dein rassistischer Onkel bei der alljährlichen weihnachtlichen Familienfeier. Der neue Freund deiner Tante. Die Zeugen Jehovas. Der verspätete Zug. Die Mahnung, deine Rechnung endlich zu begleichen, obwohl dein Konto blank ist. Die Beule in deinem neuen Auto. Alles kurz nervig, etwas ärgerlich, aber lös-, ignorier- oder reparierbar.

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WAS WICHTIG IST

Vor Kurzem wurde ich wieder in einer Zeitung beleidigt. Dabei hatte der Artikel in der Sache nicht einmal was mit mir zu tun. 
Die Aufmerksamkeit wird demnach immer wieder auf mich gelenkt, ohne dass ich sie auf mich lenke. Der für den Artikel Verantwortliche scheint seinen Frust, nie ein echter Autor geworden zu sein, es als Luxemburger so dermaßen schwer zu haben und ein unausstehlich komplexierter Mensch zu sein, auf mich zu projizieren. Ist dem armen Kerl echt so langweilig?

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MISS KOCKELSCHEUER

Eine kleine Überraschung? Hä? Was soll das heißen? Hat jemand eurer S t i m m b e r e c h t i g t e n  keinen Bock mehr auf Blondinen oder wie? Und ist man erst dann eine gute Tennisspielerin, wenn man sowohl mit erfolgreichem Spiel als auch mit dem Aussehen 23 wunderschöne, hochgebildete, gut trainierte stimmberechtigte Pressevertreter überzeugen kann? Was nur geht in euch vor? Oder anders: Was bitte geht in euch nicht vor?

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ORDNUNG / CHAOS

Kinder laufen lautstark ins Schulgebäude, jeden Tag hat ein anderes Kind irgendwo eine Schramme, und jeden Tag kommt ein Elternteil sich darüber beschweren, dass ihr Kind gar nicht so nicht brav ist, wie der oder die LehrerIn im Hausaufgabenbuch behauptet hat. Dann wird sich darüber unterhalten. Alle haben Recht, niemand Unrecht und bestenfalls gibt eine Partei irgendwann auf und danach geht es dann irgendwie weiter, und man übt sich, in sich auf freundlich passive aggressive Art und Weise aus dem Weg zu gehen, damit keine weiteren Probleme entstehen. Diese Regelmäßigkeit also nicht gestört wird. Am Samstag wird ausgeschlafen, und am Sonntag werden die Eltern oder andere Familienmitglieder besucht. Und Ende jeden Monats kommt immer das gleiche Gehalt.

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WÄHLT MICH

Ich könnte, wenn ich das richtig verstanden habe, nur in Luxemburg Politik „machen“, da ich ja Luxemburger bin. Ich wäre dann einer dieser Künstler oder Sportler oder „Personen“, die irgendwann in die Politik gingen. Solchen wirft man gerne vor, dass sie nicht über die nötige Kompetenz für so einen verhassten, aber sehr wichtigen Beruf verfügen. Seitdem Trump aber Präsident ist, kann dieses Argument nicht mehr wirklich gelten. Oder aber es gilt das alte Prinzip: Wer nichts wird, wird Wirt. Oder eben Politiker. Höhö.

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FEDERWEISS

Ich nickte unbeeindruckt und machte klar, dass ich uns Getränke besorge. Bei letzterem ist in der Regel immer auf mich Verlass. Schon ratterte es, beim Gang von etwa fünf Metern bis zur Bar, in meinem Kopf: Federweißer, krass, Federweißer, sie nimmt einen Federweißen. Also das, was die Alten im Dorf tranken. Im Dorf, wo du aufgewachsen bist, Spada. Soll ich auch so einen trinken? Oh mein Gott. Einen Federweißer und kein Gin Tonic? Darf ich in Zeiten, wo die Grenze zwischen Faschismus und Traditionalismus so dünn verläuft, auf ein solch arg antikes Getränk switchen?

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DER GENUSS MUSS WEG

Unheimlich. Was ist denn bitte wichtiger, als sich Zeit für ein gutes Essen zu nehmen? Bestenfalls in Gesellschaft. Ah, ich kann ihn schon fühlen, lautstark und intensiv höre ich ihn protestieren, wenn Essen nicht gewürdigt und als Last bezeichnet wird: Der Luxemburger in mir. Nichts geht über ein gutes, einfaches Essen. Idealerweise gut fettig, in üppiger Quantität und mit viel Wein und Schnaps zum Abgang und Untergang. Da sind wir uns dann auch einmal einig, der Luxemburger und ich.

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DEIN URTEIL BITTE JETZT

Unter diesem „Bitte beurteilen Sie Ihre heutige Fahrt“ ist ein QR-Code abgedruckt. Dieser schreit danach, gescannt zu werden, um womöglich ganz automatisch in meinem Handy einen Fragebogen zu starten, der mich über diese Fahrt ausfragt, mit dem Ziel, am Ende der ganzen Fragerei, mir die Beurteilung im allgemeinen zu vereinfachen: Wie sauber ist der Zug? Wie freundlich die Bahn-MitarbeiterInnen? Sind die Snacks frisch oder bereits abgelaufen? War der Kaffee grau oder schwarz? Wollen Sie in Zukunft etwas mehr grün oder etwas weniger grün, wenn Sie aus dem Fenster schauen? Haben die Fahrgäste einen belesenen Eindruck auf Sie gemacht? Jede Frage wäre mit einer Zahl zwischen 1 und 10, ja oder nein oder sonst irgendwas zu beantworten.

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#WIRSINDLEER

Was der Rapper sagen wollte, ist, dass es natürlich wichtig ist, aufzustehen, irgendwie irgendwo Position zu beziehen, wenn Unrecht geschieht, aber dass wir alle der Staat, das Land, die Gesellschaft sind. Die Gesellschaft, die es zulässt, davon profitiert oder es ignoriert, dass die eine Seite für fünf Euro von Kindern zusammengenähte T-Shirts kaufen kann und die andere Seite, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, im Mittelmeer absäuft. Und nein, Du brauchst Deine Hände nicht in Unschuld zu waschen, weil Du ausschließlich in Second-Hand-Läden unterwegs bist.