Schlagwort: Krankheit

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HITZE

Ich frage nach der Rechnung, zahle zwanzig Euro. Davon sind zwei Euro Trinkgeld, etwas mehr als zehn Prozent. Ich kenne Leute, die nie Trinkgeld geben. Die gleichen Menschen, die zu viert für vier hundert Euro essen gehen, einzeln zu zahlen wünschen, die Rechnung genauestens auf Fehler überprüfen und debattieren, ob es fair ist, die Rechnung durch vier zu teilen, weil eine Person am Tisch ein Sprudelwasser mehr als die anderen hatte. Aber danach verkünden sie auf Instagram und Facebook, was für einen tollen Abend sie zusammen verbringen durften, Freunde sind doch das wichtigste. #nightoutwithfriends.

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NUR DA SEIN

In der Lobby des entsprechenden Gebäudes angekommen, läuft er, wie auf Auto-Pilot eingestellt, zuerst zum dort zur Verfügung gestellten Desinfektionsstand, desinfiziert sich die Hände, vergisst die Zwischenräume der Finger nicht, geht zum Aufzug, geht hinein, drückt Nummer 2 und steigt im zweiten Stockwerk wieder aus, wo er sich gleich nochmal die Hände desinfiziert, da er doch die Aufzugknöpfe berührt hat. M. kennt den Weg zur zuständigen Station für seine geliebte W., er weiß immer genau wohin, nur ab und zu wechseln die Zimmer. Routine ist derweil die einzige Sicherheit. Ab heute ist es die Nummer 227, ein Spezialzimmer, wo W. für zwei Wochen untergebracht ist. Hier wird sie vor der Außenwelt geschützt. Jede Bakterie, jedes in der Luft schwebende Ding, weswegen W. auch die Fenster ihres Zimmers nicht öffnen darf, könnte für W. lebensbedrohlich sein, ihr Immunsystem ist sehr schwach. Ihr würde es sowieso an der nötigen Kraft fehlen, das Fenster zu öffnen.

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EIGENTLICH SOLLTE ICH DAS JETZT SO ÜBERHAUPT NICHT

Mit mir an diesem Tresen sitzen zwei Männer, ja, nur Männer sitzen an diesem Tresen, ich weiß, ich bin auch für eine Quote. Einer der beiden Männer stinkt wahnsinnig. Nach Verwesung, nach faulen Eiern, nach abgestandenem Alkohol. Er nervt. Er ist so einer, der nervt, ihr wisst schon. Er redet über eine Kopie aus Luxemburg, dann Niederlanden, Homo-Ehe, dann die Juden irgendwas, 1890, dann höre ich 15. Dezember, ich höre Adolf, ich höre Nassau. Ich höre Bettel. Ich höre Juncker. Der Zusammenhang ist ja klar. Ist ja wirklich klar. Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden. Ich denke „fickt euch“. Nein, fickt euch wirklich. Ich denke aber auch, dass ich eigentlich nichts gegen sie habe. Jetzt denkt ihr, ah, Spada und sein ficken. Nein, fickt euch wirklich.