Kategorie: TEXTE

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GEDANKEN ZUR LAGE AUF DEM WEG ZU RUHE UND GELASSENHEIT

Du musst die Welt umarmen oder zumindest den regionalen Helden, lass es eine Heldin sein, aber regional, das muss schon sein. Lass es auf keinen Fall ein Rückspiegel sein. Auf dem Weg zum irreversiblen Muss braucht es einen absoluten Willen. Und wo kein Weg vorbei führt, stehst du. Wenn ich dich sehe, will ich mich nicht mehr in Luft aufgelöst verstehen. Was ich erkenne, sind nicht die Türen, die sperrangelweit offen stehen. Daneben ist eine Mauer. Da will ich durch. Break it like Copperfield. Wenn du alles falsch machen willst: Never kill your idols. Oder werde Zauberer. Lass es eine Zauberin sein. Lass es einen schlechten Übergang werden und lass dich verzaubern, werde deine eigene TV-Show und mach es ganz ohne Ironie. Es klatschen keine beautiful people, sie sind nur laut, denn die Bude ist voll people. Her mit dem Bier, auf dem Weg zum Deichkind Konzert, musst du erst deine Jacke in der Garderobe abgeben. Es ist Winter. Auf dem Weg zur Jacke darfst du deine Marke nicht verlieren. Deinen Sinn für schlechte Floskeln auch nicht. Markiere dein Terrain, lass es meinetwegen ein Glückskeks sein. Auf dem Weg zur Hölle musst du zwischenzeitlich ein Stück vom blauen Himmel abbeißen. Du schreibst mir eine Nachricht, dass du das heute schon gemacht hast. Hat gut geschmeckt. Sagst du. Ich schreibe nicht zurück. Ich komme da nicht ran und meine Zähne sind faul oder gelb oder beides. Zu blau für dich.

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TITEL HIER EINGEBEN GLEICH NACH DER PARTY

Du. Wenn die Party vorbei ist, singt Provinz, dann bin ich wieder alleine. Da hat sie recht, sie, der Zustand, die Band. Ich wollte nie, dass sie aufhört. Wenn Momente enden, klatschen Leute immer um die Wette. Und selten folgen Gewinner. Die Lichter werden zu Black, die Gespräche zu geschwätzigem Schnee, die Welt, na ja, die Welt. Ich könnte, ich schwöre, wenn ich müsste, ich würde die Party nie verlassen. Von oben kämen Neugeborene und Konfetti und im Raum, mein lautes Geschrei: ICH HABE EUCH GEWARNT. VOR SECHS JAHREN. WISST IHR NOCH? ICH HABE EUCH GEWARNT, IHR DÜRFT MIR NICHT DIE UNSCHULD NEHMEN.
Die Feuilletons waren sich schnell eins. Jung. Gutaussehend. Keine Ahnung von aktuellen Strömungen und ARTE war auch nicht mehr, als die kleine dumme Ausrede, um Frauen abzuschleppen. Sie haben es von Anfang an gewusst. Hier steckt zu viel Wahrheit drin, hier wird noch der Mensch kritisiert, aber keine Ahnung von Menschlichkeit. Und kein Roboter dieser Erde wird es mit mir aufnehmen können.

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DER STURM GEHÖRT MIR

Ich bin stärker, als ich annahm. Schwächer, als ich mir je eingestehen würde. Ich bin Verzweiflung und Sturm zugleich. Ich weiß jetzt, was es heißt, ich zu sein. Dass ich nicht du sein kann. Eine Erklärung, die richtigen Worte, habe ich natürlich nicht. Und es heißt nicht, dass ich mit dem Scheißkerl im Reinen bin, heißt nicht, dass morgen alles besser wird, heißt ebenso nicht, dass ich jetzt auch ich bin, aber ich weiß, wer ich ist. Oft lachen wir zusammen. Oft lacht er mich aus. Meistens, wenn ich am dünnhäutigsten bin und die Tränen plötzlich hochschießen. Ich verliere ihn oft. Dann bin ich wieder ganz Kind, als hätte ich meine Eltern, im Supermarkt, aus den Augen verloren. Dann stehe ich da. Zwischen Bio-Gurken und fucking Sesam-Riegeln. Wenn wir uns dann wiederfinden, schauen wir zusammen Mr. Robot und freuen uns, wenn einer von beiden einen langsamen, hässlichen Tod sterben muss. Am Ende darf der Gewinner am lautesten lachen. Der Sturm gehört mir.

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ICH BIN AUCH HEUTE IMMER NOCH MÜDE

Womöglich werde ich es auch morgen sein. Gestern hat mich ein junger Mann, jung, wie ich selbst ein junger Mann bin, gefragt, ob Schreiben mein Hobby ist. „Bloß nicht“, habe ich gesagt. Hobbys und ich, nein, das geht nicht, habe ich nicht gesagt. Puzzlespiele, Bastelkeller oder Seehofer: Zeitvertreib im Untergrund, nein, das ist nicht mein Ding. Schreiben ist Leben oder Leben ist Schreiben oder mein Leben ist meine Geschichte, beziehungsweise wird deine zum Plot meines Lebens. Du, junger Mann, du bist nun Teil meiner Geschichte, meines Schreibens. Das alles habe ich auch nicht gesagt. Ich habe gefragt, ob ich ihm was zu trinken holen soll. Die Getränke wären schließlich umsonst. Er hat gelacht. Nicht weil ich so wahnsinnig witzig war. Nichts zu danken, habe ich auch nicht gesagt.

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ESPRESSO

Beim Espresso gibt es einen gravierenden Unterschied, und das ist sein Konsument. Der Espresso-Trinker setzt sich hin oder bleibt gar stehen, wie das oft in Portugal der Fall ist, kippt das Ding runter und verschwindet wieder, weil er zur Arbeit muss, noch zu tun hat, auf der Durchreise ist. Die andere Hälfte der Espresso-Trinker und -Trinkerinnen bleibt sitzen, lässt den Espresso in Ruhe kalt werden, es ist ihm egal, wie er schmeckt. Hauptsache, er hat das günstigste Getränk im Laden bestellt. Er liest Zeitung, den neuen Roman von Haruki Murakami oder Michel Houellebecq, arbeitet, zeichnet oder schaut einfach so vor sich hin.

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GAME OF ANSTRENGENDE FANS

Was sollen unsere Nachfahren, unsere Kinder, über uns denken? Wir, die Würdelosen, die Idioten-Generation, die nicht mitbekam, dass der Erdball abbrannte, die Generation, die für jede Wahl ihre Bürger anbetteln muss, um von ihrem Demokratierecht Gebrauch zu machen, aber jederzeit mehr als eine Million Menschen im Internet mobilisierte, um Petitionen zu gründen und zu unterschreiben: Für freundlichere und fangerechtere Enden ihrer Lieblingsserien.… Das kannst Du Dir nicht ausdenken…. *blau angelaufener Smiley mit groß aufgerissenen Augen*.

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EUROPA

Natürlich ist es bequem zu sagen; dass wählen eh nichts hilft, weil die da oben alle korrupt sind, alle von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, die Parlamentarier in Brüssel immer nur kurz ihre Unterschrift lassen, um 300 Euro zu kassieren und sich dann im Stadtzentrum einen Bunten machen, die wirklichen Probleme eh nicht gelöst werden, ja, alles das, was Du sagst, weil Du keinen Bock hast, Dich damit zu beschäftigen, weil Du sagst, dass Du genug Probleme hast; Dein Freund nervt, Deine Vermieterin nervt, Dein Hund Durchfall hat, Dein Nachbar hässlich ist, Du einfach zu viel gesoffen hast und nicht zur Wahl gegangen bist, ja, das kannst Du sagen, das kannst Du alles machen, aber dann wundere Dich nicht, wenn die Faschisten Europa wieder belagern, wenn Minderheiten ausgerottet werden, wenn Du am Flughafen über zwei Stunden warten musst, weil die Pässe innerhalb Europas kontrolliert werden, dann halt bitte auch den Mund, dann sind nämlich nicht die da oben Schuld, sondern einfach nur Du, Du nicht wählender dummer Mensch.

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EIGENTLICH SOLLTE ICH DAS JETZT SO ÜBERHAUPT NICHT

Mit mir an diesem Tresen sitzen zwei Männer, ja, nur Männer sitzen an diesem Tresen, ich weiß, ich bin auch für eine Quote. Einer der beiden Männer stinkt wahnsinnig. Nach Verwesung, nach faulen Eiern, nach abgestandenem Alkohol. Er nervt. Er ist so einer, der nervt, ihr wisst schon. Er redet über eine Kopie aus Luxemburg, dann Niederlanden, Homo-Ehe, dann die Juden irgendwas, 1890, dann höre ich 15. Dezember, ich höre Adolf, ich höre Nassau. Ich höre Bettel. Ich höre Juncker. Der Zusammenhang ist ja klar. Ist ja wirklich klar. Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden. Ich denke „fickt euch“. Nein, fickt euch wirklich. Ich denke aber auch, dass ich eigentlich nichts gegen sie habe. Jetzt denkt ihr, ah, Spada und sein ficken. Nein, fickt euch wirklich.

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AUSHALTEN

G. sagte auch, dass man sich nicht einfach überrollen lassen kann. Dass man einen Wasserrohrbruch auch abdichten würde. Wasserrohrbruch. Den Vergleich nochmal vor Augen führen: Wasserrohrbruch und Menschen, wie Familie Kurdi, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien übers Wasser flüchteten und immer noch flüchten. Wasser als ständige Bedrohung. Abdichten, aushalten oder noch besser: eine Verschwörungstheorie drumrum stricken. Fakten leugnen. Sich nicht weichspülen lassen.

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UNERFÜLLTE LIEBE: NUR EIN ENTWURF

Google sucht. Nach 0,37 Sekunden schlägt die Suchmaschine ungefähr 116000 Ergebnisse vor. L. erfährt auf der Internetseite von FIT FOR FUN unter der Kategorie WISSEN alles, was er wissen muss. Der körperliche Längenwachstum soll also bei den meisten Menschen spätestens mit 19 Jahren abgeschlossen sein. Aha. Drei Jahre bleiben übrig. Höchste Zeit. Actions speak louder than words hat L. irgendwo mal gelesen und handelt sofort.

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ICH LÜGE IMMER

Ich weiß aber, was es heißt, verlassen zu werden. Dieses Gefühl kenne ich sehr gut, weil Menschen einen immer verlassen. Und ich immer Menschen verlassen werde, denn Menschen verlassen Menschen. Auf das Leben ist kein Verlass. Darauf ist Verlass. Diese Angst vorm Verlust Anderer und mir selbst, diese Angst ist der Antrieb für mein Schreiben. Da ich weiß, um was und wen es geht, wenn ich über mich, und mein nächstes Umfeld schreibe.

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AUF DEN SPUREN VON…

Aber tatsächlich, eins ist sicherlich wahr. Ab 60 stellt es sich als bemerkenswert schwierig heraus, kopulierungsfreudige Frauen mal eben so in einer Bar in der wirklichen, analogen Welt anzutreffen. Es sei denn, man versucht sich in der Swinger-Szene, doch der letzte Besuch, vor etwa fünf Jahren, in einem derartigen Etablissement sollte sich zu einem Desaster entwickeln, als der swingende Ehepartner, mit dessen Frau Geir gerade zu Gange war, ungefragt durch seine Hintertür eindrang. Das war ein eindeutiger Fall von „Cockblocker“, den Geir in Zukunft unbedingt verhindern möchte.

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Kafka

KAFKA IM KRIEG

Vielleicht ist es auch meine Haarfarbe, mein schwarzes, gepflegtes Haar, mein über die ganze untere Gesichtshälfte gleichmäßig verteilter Drei-Tage-Bart. Oder sind es meine fehlenden Sommersprossen? Das ist mir gleich aufgefallen, als die beiden Herren meine Wohnung betraten. Ich habe viel bessere Haut, viel besseres Haar. Mein gesamter Kopf – und Gesichtsbereich ist viel besser ausgestattet und gepflegt.