Schlagwort: Leben

Weiterlesen

TITEL HIER EINGEBEN GLEICH NACH DER PARTY

Du. Wenn die Party vorbei ist, singt Provinz, dann bin ich wieder alleine. Da hat sie recht, sie, der Zustand, die Band. Ich wollte nie, dass sie aufhört. Wenn Momente enden, klatschen Leute immer um die Wette. Und selten folgen Gewinner. Die Lichter werden zu Black, die Gespräche zu geschwätzigem Schnee, die Welt, na ja, die Welt. Ich könnte, ich schwöre, wenn ich müsste, ich würde die Party nie verlassen. Von oben kämen Neugeborene und Konfetti und im Raum, mein lautes Geschrei: ICH HABE EUCH GEWARNT. VOR SECHS JAHREN. WISST IHR NOCH? ICH HABE EUCH GEWARNT, IHR DÜRFT MIR NICHT DIE UNSCHULD NEHMEN.
Die Feuilletons waren sich schnell eins. Jung. Gutaussehend. Keine Ahnung von aktuellen Strömungen und ARTE war auch nicht mehr, als die kleine dumme Ausrede, um Frauen abzuschleppen. Sie haben es von Anfang an gewusst. Hier steckt zu viel Wahrheit drin, hier wird noch der Mensch kritisiert, aber keine Ahnung von Menschlichkeit. Und kein Roboter dieser Erde wird es mit mir aufnehmen können.

Weiterlesen

DIE REDUKTION

Ich hörte, wie das durch Luft gepolsterte Bett das richtige Maß zwischen Fülle und Gemütlichkeit zu erreichen versuchte. Surrr. Surrr. Pffff. Pfff. Wie Atem, beständig, Rhythmus, Durchhaltevermögen. Mein Gegenüber hatte keins mehr. War das jetzt Frieden? War das die Suche nach Frieden? Draußen war es bereits dunkel, auch Nacht genannt. Ich schaute durch das große Fenster und lernte jedes Lichtlein persönlich kennen. Ich fragte mich, wie lange ich hier sitzen werde. Neben der Suche nach Frieden. Werden die Lichtlein ewig brennen? Nicht mehr als weitere sechs Stunden, wie sich herausstellen sollte. Irgendeine Tür knallt. Ich schaue nach, es war nicht der Tod. Glück gehabt. Dieser kündigt sich auch selten an, ist selten laut, aber er ist. Und Du erkennst ihn, wenn es so weit ist. 

Weiterlesen

WAS HABEN WIR GEMEINSAM?

Kurzer Blick auf die (auch nicht mehr so) neue Kennenlernkultur. Sie heißt App, Tinder, Bumble oder so ähnlich. Optimiertes Kennenlernen, sozusagen. Du sagst ihr, der App, was du am liebsten liest, Krimi oder Sachbuch? Was du am liebsten isst, vegan oder vollwert? Was du am liebsten trinkst, Smoothie oder Espresso? Was du arbeitest, Krankenpflegerin oder bildender Künstler? Und sie sagt dir, wen du in Zukunft lieben könntest. Ihr lest das gleiche Buch, ihr müsst euch lieben. In der realen Welt.

Weiterlesen

EIGENTLICH SOLLTE ICH DAS JETZT SO ÜBERHAUPT NICHT

Mit mir an diesem Tresen sitzen zwei Männer, ja, nur Männer sitzen an diesem Tresen, ich weiß, ich bin auch für eine Quote. Einer der beiden Männer stinkt wahnsinnig. Nach Verwesung, nach faulen Eiern, nach abgestandenem Alkohol. Er nervt. Er ist so einer, der nervt, ihr wisst schon. Er redet über eine Kopie aus Luxemburg, dann Niederlanden, Homo-Ehe, dann die Juden irgendwas, 1890, dann höre ich 15. Dezember, ich höre Adolf, ich höre Nassau. Ich höre Bettel. Ich höre Juncker. Der Zusammenhang ist ja klar. Ist ja wirklich klar. Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden. Ich denke „fickt euch“. Nein, fickt euch wirklich. Ich denke aber auch, dass ich eigentlich nichts gegen sie habe. Jetzt denkt ihr, ah, Spada und sein ficken. Nein, fickt euch wirklich.

Weiterlesen

AUF JEDEN FALL DIE GANZE WELT

„Oh happy day“, hört S. Whoopy Goldberg in ihren Kopf, in Form eines Ohrwurms, krabbeln. „When Jesus washed“. Der Ohrwurm lässt sich nieder, währenddessen die Pflegerinnen die Kacke unter S. wegwischen. „Oh, when he washed“. Jetzt weiß S., wie es ist. Wenn Oma geht. Die Vorstellung wird real, aber so hatte sie es sich nicht vorgestellt. Sie hat sich eigentlich nie was vorgestellt. Aber ihre Frage, wie es wohl sein wird, wird erbarmungslos beantwortet. Von der Realität.

Weiterlesen

AUCH WICHTIG

Außerdem unwichtig: Dein rassistischer Onkel bei der alljährlichen weihnachtlichen Familienfeier. Der neue Freund deiner Tante. Die Zeugen Jehovas. Der verspätete Zug. Die Mahnung, deine Rechnung endlich zu begleichen, obwohl dein Konto blank ist. Die Beule in deinem neuen Auto. Alles kurz nervig, etwas ärgerlich, aber lös-, ignorier- oder reparierbar.

Weiterlesen

OUTTAKES IV: DIE WÜRDE

Ich sage nichts und drücke ihre Hand und wehre mich gegen diesen unchristlichen Gedanken ihr das Kissen unter dem Kopf wegzuziehen, um ihr nicht die Hand, sondern das nicht mehr ganz so saubere Kissen auf das Gesicht zu drücken. Sie will es. Ich kann es nicht. Sie schreit mich nochmal an. Kurze Stille. Schrei. Tränen. Schrei. Stille. Sie will ihren letzten Atemzug hinter sich bringen und ich soll ihr dabei helfen. Mir selbst helfen, damit ich nicht mehr mit ansehen muss, wie sie leidet. Sie mir nicht dabei zuschauen muss, wie ich ihr ihren Wunsch nicht erfüllen kann. Unterlassene Hilfeleistung? Womöglich in zweihundert Jahren. Mein Gedanke wird unterbrochen. Jetzt beschimpft sie mich ganz plötzlich auf italienisch, weil ich der Sohn meiner Mutter bin.

Weiterlesen

ID-KRISE

Bei zehn Kilometer Laufstrecke pro Tag kann man sich dann auch vier Gin Tonics (aus gesundheitlicher Perspektive) leisten. Würden die Addiktologen hier zustimmen? Oder sollte ich auf Rotwein umsteigen? Selten war ich so glücklich, einen angeschwollenen Fuß ertragen zu müssen. So brauche ich mich nicht mehr aus der Wohnung zu bewegen, aber dann habe ich wiederum Angst, fett zu werden, aber die Anti-Bodyshame-AktivistInnen im Internet behaupten, dass es völlig ok, ist fett zu sein. Hauptsache ein Body, weil ohne Body wüsste die Seele nicht, wohin. Habe ich das soeben geschrieben? Es ist eine ID-Krise, ich habe Dich gewarnt. Oder ist es eine frühzeitige Midlife-Crisis?

Weiterlesen

MEGA SUPER STIMMUNG

Genießet einfach den Tag. Das Leben ist zu kurz, um sich Gedanken über eine bessere Welt zu machen, besonders dann, wenn man das große Glück hat, in die Hälfte der Welt reingeboren worden zu sein, Teil der Menschheit zu werden, die auch mit einer ignoranten Haltung und mit wenig Fantasie und Intelligenz ganz gut über die Runden kommt. Das ist doch wirklich grandios. Alles andere nur unnötiger Selbsthass.

Weiterlesen

GERADE NOCH UND JETZT SCHON WIEDER

„Es sind die kleinen Dinge im Leben“, denke ich, aber niemals würde ich einen derartig abgedroschenen Spruch irgendwo aufschreiben oder laut sagen, um eine gewisse Melancholie und Schwere, die man als Schriftsteller doch aufrechterhalten versuchen muss, um vom Feuilleton ernst genommen zu werden, zu bewahren. Ruf ist schließlich alles. Da darf man sich nicht so primitiven Freuden (die kleinen Dinge), ausgelöst durchs Wetter, hingeben. Naja.

Weiterlesen

ÜBER DAS PERFEKTE ENDE

Apropos Ende, Elton John hört auf, denn er hat mit über siebzig erkannt, dass es im Leben Wichtigeres als Welttourneen gibt und will jetzt noch eine machen, um sich anschließend voll und ganz seiner Familie zu widmen. Denn, was doch so viele unter diesen MusikerInnen und SchauspielerInnen nicht einsehen möchten, ist, dass man dann aufhören soll, wenn es am schönsten ist und nicht dann, wenn der Infusionsbeutel auf der Bühne zum unvermeidbaren Begleiter wird. Was die Rolling Stones dazu sagen, weiß ich leider nicht.

Weiterlesen

OUTTAKES I: STERBEN

Findest du das traurig? Ich finde das traurig. Selten finde ich es nicht besonders traurig, sondern eher beruhigend. Wenn die von der Steuer nerven, Liebeskummer, die Tode der anderen. Irgendwann wird es schon ein Ende haben. Dann aber schaltet sich gleich und ungefragt dieser Selbsterhaltungstrieb ein, erbarmungslos. Gelegentlich ist letzterer noch ekelhafter, als die immer wieder aufkommende Angst vor dem Tod. Die endgültige Stille.