Schlagwort: Tod

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35 35 35 ES IST NOCH ETWAS ZEIT 35 35 35

Mit 35 Jahren fängt das Leben nicht an, hört es bestenfalls nicht auf. Der Kater verzeiht nicht mehr ganz so viel und der Sixpack gelingt nur noch in Zusammenarbeit mit einem guten Fotobearbeitungsprogramm. Aber nicht alles ist schlecht. Es ist nie zu spät, wie wir Life Coaches sagen. Hier 35 Tipps, Ideen, aber auch Feststellungen.

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TAG3+4_TEST ONE TWO ONE TWO: DIE SONNE SCHEINT IMMER NOCH

Umarmen sich einander, küssen gegen die Panikmache … Nur aufpassen, dass Corona euch nicht fickt. Corona akzeptiert kein Nein. Er will immer mehr. Immer weiter, schneller, noch mehr … Erinnert mich an einen Krebsfall in meiner Familie, als der Arzt erklärte, dass alles, was dieser scheiß Krebs will, wachsen ist. Um ihn zu stoppen, sind drastische Maßnahmen nötig. Offensichtlich. Und der Ausgang immer ungewiss. Bereits nach vier Tagen in Isolation flirte ich mit dem Gedanken, dass es bestimmt gleich vorbei ist, versuche den Ernst des Geschehens zu verdrängen. Schließlich ist bald Festivalsaison, schließlich ist die Pauschalreise (naja, die nicht wirklich) längst gebucht, schließlich ist doch Sommer und Sommer ist immer geil, weil Sommer eben. Und Sonne. Mit diesen rotfarbigen Getränken auf heruntergekommenen Holztischen. Mit Menschen, die einen anlachen, einfach so. Und nicht selten sind sie dabei knapp bekleidet, was einen doch immer wieder freut. Im Sommer. Innere Werte dürfen situationsbedingt auch mal überbewertet werden.

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TAG1+2_GEDANKEN IN SACHEN UNTERGANG DER WELT UND VIELLEICHT ABER AUCH NICHT

Hier sollte er stehen. Der wütende Text. Über die ganzen Wichser, die Klopapier und Dosenfraß horten und den wirklich kranken und schwachen Menschen nicht einmal eine Nudel übrig lassen. Ein wütender Text über den Zerfall der Gesellschaft. Auf wen kannst du dich verlassen, wenn es hart auf hart kommt? Richtig! Niemanden. Dieser Text war richtig wütend. Der Autor hat ihn gelöscht. Jetzt ist er weg, der Text, der Autor immer noch nicht, erfreut sich bis dato bester Gesundheit. Grund genug, keinen wütenden Text zu schreiben. Die Wut, der Ärger, die Dummheit, sie alle, mindestens sie drei, sie werden es nicht schaffen. Sie werden nicht überleben. Nicht, wenn wir überleben wollen. Nicht, wenn wir diese Krise durchstehen sollen. Wir haben keine Wahl und das ist gut. Hier wird also kein wütender Text stehen.

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TITEL HIER EINGEBEN GLEICH NACH DER PARTY

Du. Wenn die Party vorbei ist, singt Provinz, dann bin ich wieder alleine. Da hat sie recht, sie, der Zustand, die Band. Ich wollte nie, dass sie aufhört. Wenn Momente enden, klatschen Leute immer um die Wette. Und selten folgen Gewinner. Die Lichter werden zu Black, die Gespräche zu geschwätzigem Schnee, die Welt, na ja, die Welt. Ich könnte, ich schwöre, wenn ich müsste, ich würde die Party nie verlassen. Von oben kämen Neugeborene und Konfetti und im Raum, mein lautes Geschrei: ICH HABE EUCH GEWARNT. VOR SECHS JAHREN. WISST IHR NOCH? ICH HABE EUCH GEWARNT, IHR DÜRFT MIR NICHT DIE UNSCHULD NEHMEN.
Die Feuilletons waren sich schnell eins. Jung. Gutaussehend. Keine Ahnung von aktuellen Strömungen und ARTE war auch nicht mehr, als die kleine dumme Ausrede, um Frauen abzuschleppen. Sie haben es von Anfang an gewusst. Hier steckt zu viel Wahrheit drin, hier wird noch der Mensch kritisiert, aber keine Ahnung von Menschlichkeit. Und kein Roboter dieser Erde wird es mit mir aufnehmen können.

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DIE REDUKTION

Ich hörte, wie das durch Luft gepolsterte Bett das richtige Maß zwischen Fülle und Gemütlichkeit zu erreichen versuchte. Surrr. Surrr. Pffff. Pfff. Wie Atem, beständig, Rhythmus, Durchhaltevermögen. Mein Gegenüber hatte keins mehr. War das jetzt Frieden? War das die Suche nach Frieden? Draußen war es bereits dunkel, auch Nacht genannt. Ich schaute durch das große Fenster und lernte jedes Lichtlein persönlich kennen. Ich fragte mich, wie lange ich hier sitzen werde. Neben der Suche nach Frieden. Werden die Lichtlein ewig brennen? Nicht mehr als weitere sechs Stunden, wie sich herausstellen sollte. Irgendeine Tür knallt. Ich schaue nach, es war nicht der Tod. Glück gehabt. Dieser kündigt sich auch selten an, ist selten laut, aber er ist. Und Du erkennst ihn, wenn es so weit ist. 

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EIGENTLICH SOLLTE ICH DAS JETZT SO ÜBERHAUPT NICHT

Mit mir an diesem Tresen sitzen zwei Männer, ja, nur Männer sitzen an diesem Tresen, ich weiß, ich bin auch für eine Quote. Einer der beiden Männer stinkt wahnsinnig. Nach Verwesung, nach faulen Eiern, nach abgestandenem Alkohol. Er nervt. Er ist so einer, der nervt, ihr wisst schon. Er redet über eine Kopie aus Luxemburg, dann Niederlanden, Homo-Ehe, dann die Juden irgendwas, 1890, dann höre ich 15. Dezember, ich höre Adolf, ich höre Nassau. Ich höre Bettel. Ich höre Juncker. Der Zusammenhang ist ja klar. Ist ja wirklich klar. Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden. Ich denke „fickt euch“. Nein, fickt euch wirklich. Ich denke aber auch, dass ich eigentlich nichts gegen sie habe. Jetzt denkt ihr, ah, Spada und sein ficken. Nein, fickt euch wirklich.

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AUF JEDEN FALL DIE GANZE WELT

„Oh happy day“, hört S. Whoopy Goldberg in ihren Kopf, in Form eines Ohrwurms, krabbeln. „When Jesus washed“. Der Ohrwurm lässt sich nieder, währenddessen die Pflegerinnen die Kacke unter S. wegwischen. „Oh, when he washed“. Jetzt weiß S., wie es ist. Wenn Oma geht. Die Vorstellung wird real, aber so hatte sie es sich nicht vorgestellt. Sie hat sich eigentlich nie was vorgestellt. Aber ihre Frage, wie es wohl sein wird, wird erbarmungslos beantwortet. Von der Realität.

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OUTTAKES IV: DIE WÜRDE

Ich sage nichts und drücke ihre Hand und wehre mich gegen diesen unchristlichen Gedanken ihr das Kissen unter dem Kopf wegzuziehen, um ihr nicht die Hand, sondern das nicht mehr ganz so saubere Kissen auf das Gesicht zu drücken. Sie will es. Ich kann es nicht. Sie schreit mich nochmal an. Kurze Stille. Schrei. Tränen. Schrei. Stille. Sie will ihren letzten Atemzug hinter sich bringen und ich soll ihr dabei helfen. Mir selbst helfen, damit ich nicht mehr mit ansehen muss, wie sie leidet. Sie mir nicht dabei zuschauen muss, wie ich ihr ihren Wunsch nicht erfüllen kann. Unterlassene Hilfeleistung? Womöglich in zweihundert Jahren. Mein Gedanke wird unterbrochen. Jetzt beschimpft sie mich ganz plötzlich auf italienisch, weil ich der Sohn meiner Mutter bin.

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ICH LÜGE IMMER

Ich weiß aber, was es heißt, verlassen zu werden. Dieses Gefühl kenne ich sehr gut, weil Menschen einen immer verlassen. Und ich immer Menschen verlassen werde, denn Menschen verlassen Menschen. Auf das Leben ist kein Verlass. Darauf ist Verlass. Diese Angst vorm Verlust Anderer und mir selbst, diese Angst ist der Antrieb für mein Schreiben. Da ich weiß, um was und wen es geht, wenn ich über mich, und mein nächstes Umfeld schreibe.

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OUTTAKES III: KLEINES LAND

Hier, meine veröffentlichten Ideen, ein paar Worte, ein bisschen ich, ein bisschen du, ein bisschen Sex, ein bisschen Angst und natürlich, der Tod. Der Tod lebt. Die 150 Euro im Jahr, die gesponserten Posts, die Kritik-Wichser, die den Frust über ihre eigene Fantasielosigkeit auf mich projizieren, mein Selbstmitleid, mein Übermut, das alles kostet fucking Zeit, die ich nicht habe, mir aber dennoch nehme und das ist auch der Grund, Schatz, warum ich letzte Woche leider keine Zeit hatte. Nächste Woche wird alles besser. Noch vor dem nächsten grauen Haar, werden wir uns sehen und einen Kaffee trinken, vielleicht gut essen gehen, ein Selbstbild erzeugen, dann noch einen Absacker trinken und zwei Kippen schnorren. Sorge dich nicht: Einmal Newcomer, immer Newcomer.

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ÜBER DAS PERFEKTE ENDE

Apropos Ende, Elton John hört auf, denn er hat mit über siebzig erkannt, dass es im Leben Wichtigeres als Welttourneen gibt und will jetzt noch eine machen, um sich anschließend voll und ganz seiner Familie zu widmen. Denn, was doch so viele unter diesen MusikerInnen und SchauspielerInnen nicht einsehen möchten, ist, dass man dann aufhören soll, wenn es am schönsten ist und nicht dann, wenn der Infusionsbeutel auf der Bühne zum unvermeidbaren Begleiter wird. Was die Rolling Stones dazu sagen, weiß ich leider nicht.

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OUTTAKES I: STERBEN

Findest du das traurig? Ich finde das traurig. Selten finde ich es nicht besonders traurig, sondern eher beruhigend. Wenn die von der Steuer nerven, Liebeskummer, die Tode der anderen. Irgendwann wird es schon ein Ende haben. Dann aber schaltet sich gleich und ungefragt dieser Selbsterhaltungstrieb ein, erbarmungslos. Gelegentlich ist letzterer noch ekelhafter, als die immer wieder aufkommende Angst vor dem Tod. Die endgültige Stille.